So ist die Lage im Abstiegskampf

Gerangel am Abgrund

Wie ist die Lage im Abstiegskampf der Bundesliga? Ein Blick auf Werder und die Konkurrenten im Tabellenkeller.
27.02.2020, 08:33
Lesedauer: 7 Min
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Von Christoph Bähr, Malte Bürger und Christoph Sonnenberg
Gerangel am Abgrund

Wer muss runter? Wer bleibt drin? Der Abstiegskampf in der Bundesliga wird spannend.

WESER-KURIER

Die Lage im Abstiegskampf spitzt sich zu. Werder und Paderborn drohen schon jetzt, den Anschluss zu verlieren. Entschieden ist elf Spieltage vor Saisonende aber natürlich gar nichts. Es könnten auch noch Mannschaften unten reinrutschen, die sich bereits in Sicherheit wähnten. Der WESER-KURIER wirft einen Blick auf die letzten sieben Teams der Tabelle und ihre Ausgangspositionen.

SV Werder Bremen (17. Platz, 17 Punkte)

Vor der Partie gegen Leipzig sprach Florian Kohfeldt davon, dass es noch „13 Spiele und 13 Chancen“ bis Saisonende gebe. Nachdem Werder die ersten zwei Chancen nicht genutzt und gegen Leipzig sowie Dortmund verloren hatte, klang der Trainer nicht mehr so optimistisch. „Das sind jetzt Spiele gegen Frankfurt und Hertha, in denen wir punkten müssen, um realistische Chancen zu haben, in der Klasse zu bleiben“, blickte Kohfeldt voraus. Schon weit vor dem Saisonfinale geht es für die Bremer um alles, doch der Blick auf die Zahlen ist ernüchternd. Nur drei Punkte sprangen in den sechs Rückrundenpartien heraus. Werder kam dabei nur zu zwei Treffern, beides Eigentore. Das letzte selbst erzielte Tor datiert von Mitte Dezember, der letzte Heimsieg in der Liga sogar von Anfang September. „Wir müssen dringend an unserem Offensivspiel und am Verhalten bei Standardsituationen arbeiten“, sagte Maximilian Eggestein. Besserung sollte bald eintreten, denn das Restprogramm hält für Werder noch Schicksalsspiele gegen die direkten Konkurrenten Hertha, Paderborn, Mainz und Köln bereit.

Restprogramm: Frankfurt (H), Hertha (A), Leverkusen (H), Freiburg (A), Gladbach (H), Schalke (A), Wolfsburg (H), Paderborn (A), Bayern (H), Mainz (A), Köln (H)

FC Augsburg (12. Platz, 27 Punkte)

Wäre da nicht dieser glückliche 2:1-Sieg gegen Werder gewesen, hätte der FC Augsburg bislang eine komplett verkorkste Rückrunde hingelegt. Vom Erfolg gegen die Bremer abgesehen holte die Mannschaft von Trainer Martin Schmidt in diesem Jahr nur ein 1:1 gegen Freiburg. Die restlichen vier Partien gingen verloren, weshalb die Augsburger, die zwischenzeitlich schon im Mittelfeld der Tabelle standen, wieder etwas zittern müssen. Mit sieben Punkten Vorsprung auf den Relegationsrang ist ihr Polster immer noch recht komfortabel. Vorsicht ist trotzdem geboten, Augsburg muss noch gegen die Topteams Gladbach, Bayern und Leipzig ran. Mit Wolfsburg und Schalke warten zudem weitere knifflige Aufgaben. Allmählich kommt in Augsburg Kritik an Trainer Schmidt auf, der seit April 2019 im Amt ist. Beim jüngsten 0:2 in Leverkusen stellte er auf ein 5-4-1-System um, was aber keinen Erfolg brachte. Trotzdem erklärte Schmidt: „Ich bin zufrieden.“ Eine baldige Ablösung des Schweizers ist aktuell aber nicht zu erwarten. Dafür müssten die Augsburger wohl noch tiefer in den Tabellenkeller abrutschen.

Restprogramm: Gladbach (H), Bayern (A), Wolfsburg (H), Schalke (A), Paderborn (H), Hertha (A), Köln (H), Mainz (A), Hoffenheim (H), Düsseldorf (A), Leipzig (H)

1. FC Köln (13. Platz, 26 Punkte)

Anfang November lag der 1. FC Köln am Boden. Mal wieder. Mickrige sieben Punkte hatten die Rheinländer bis dato geholt, obwohl der Kader auf dem Papier doch viel mehr hätte garantieren sollen. Die Folge: Trainer Achim Beierlorzer, der erst im Sommer gekommen war, und auch Sportdirektor Armin Veh mussten gehen. Letzterer wurde durch Horst Heldt ersetzt, der als neuen Coach Markus Gisdol präsentierte. Für Jubelstürme sorgte das im Fanlager nicht wirklich, doch die Kölner setzten in der Folge zum Höhenflug an und arbeiteten sich in der Tabelle empor – folglich wurde das Erfolgsduo jüngst beim Karnevalsumzug groß gefeiert. Getrübt wurde die Stimmung nur durch eine Verletzung von Verteidiger Rafael Czichos, der sich an der Halswirbelsäule operieren lassen muss und auf unbestimmte Zeit ausfällt. Nach der Party gilt der Fokus daher wieder dem Alltag: „Die ersten 100 Tage waren schön, aber die nächsten werden noch wichtiger“, sagt Held dem „Express“. „Wir ordnen alles unserem großen Ziel, dem Klassenerhalt, unter. Darauf ist jeder voll fokussiert.“

Restprogramm: Schalke (H), Paderborn (A), Mönchengladbach (A), Mainz (H), Düsseldorf (H), Hoffenheim (A), Leipzig (H), Augsburg (A), Union (H), Leverkusen (A), Frankfurt (H), Werder (A)

Hertha BSC (14. Platz, 26 Punkte)

Sieben von 18 möglichen Punkten holte Hertha seit Jahresbeginn. Die Berliner haben, ähnlich wie Werder, ein massives Heimspielproblem. Beide Siege wurden auswärts eingefahren, im Olympiastadion gab es drei Niederlagen und nur ein Remis. In der Tabelle stand die Hertha bis auf drei Spieltage immer über dem Strich. Ihre beste Platzierung war Rang neun, nach einem 2:2 beim FC Bayern zum Saisonstart. Trainerwechsel gab es in Berlin trotzdem gleich zweimal. Ante Covic musste nach einem 0:4 in Augsburg gehen, Hertha war auf Rang 15 abgerutscht. Jürgen Klinsmann übernahm, und damit änderten sich Ansprache und Ansprüche. Für knapp 80 Millionen kamen im Winter neue Spieler zum selbst ernannten „Big City Club“. Nach einem 1:3 gegen Mainz trat Klinsmann am 11. Februar zurück, Co-Trainer Alexander Nouri übernahm. Die bisherige Bilanz des Ex-Werder-Trainers: ein 2:1-Sieg in Paderborn, eine 0:5-Klatsche gegen Köln. Eine Ablösung Nouris ist daher schon wieder ein Thema in der Hauptstadt. Ausgeprägtes Verletzungspech hat die Hertha bisher nicht. Aktuell fehlt nur Rechtsverteidiger Peter Pekarik.

Restprogramm: Düsseldorf (A), Werder (H), Hoffenheim (A), Union (H), Leipzig (A), Augsburg (H), Dortmund (A), Frankfurt (H), Freiburg (A), Leverkusen (H), Gladbach (A).

FSV Mainz 05 (15. Platz, 22 Punkte)

Die Tendenz seit Rückrundenbeginn ist negativ. Einen Sieg holten die Mainzer in Berlin, ein Unentschieden gegen Schalke 04, dazu kommen vier Niederlagen. Seit dem 18. Spieltag steht Mainz auf dem 15. Tabellenplatz mit aktuell zwei Punkten Vorsprung auf den Relegationsrang. Einen Trainerwechsel hat Mainz bereits vollzogen, nach dem elften Spieltag – einem 2:3 gegen Union Berlin – musste Sandro Schwarz gehen, Achim Beierlorzer übernahm. Anschließend kletterte der Klub in der Tabelle kurzfristig. Mit Schwarz standen die Mainzer an acht von elf Spieltagen auf einem der drei letzten Plätze, mit Beierlorzer blieb der Klub bisher immer über dem Strich. Großes Verletzungspech hat Mainz bislang auch nicht. Vier Spieler sind in der Hinrunde länger ausgefallen, darunter mit Jean-Philippe Mateta ein wichtiger Profi. Aktuell hat Mainz keinen Ausfall zu beklagen. Dennoch setzte es gerade eine 0:4-Klatsche in Wolfsburg. Danach beklagte Beierlorzer, seiner Mannschaft habe die Entschlossenheit in den Zweikämpfen gefehlt, und appellierte an die Spieler, jeder müsse energisch an den Sieg glauben.

Restprogramm: Paderborn (H), Düsseldorf (H), Köln (A), Leipzig (H), Union (A), Hoffenheim (H), Frankfurt (A), Augsburg (H), Dortmund (A), Werder (H), Leverkusen (A).

Fortuna Düsseldorf (16. Platz, 20 Punkte)

Es waren kuriose Ereignisse, die sich im Januar bei der Fortuna abspielten. Da wurde via Twitter an einem Abend noch Friedhelm Funkel zur Auszeichnung als Düsseldorfs Trainer des Jahres gratuliert, die nächste Nachricht am folgenden Morgen verkündete seine Entlassung – wenige Wochen nachdem man sich für den Sommer auf eine weitere Zusammenarbeit geeinigt hatte. Trotz aller sportlicher Probleme überraschte der Rauswurf dann doch, zumal der Verein mit Uwe Rösler einen Nachfolger vorstellte, der die Liga bislang nur als Spieler kannte. Seither schwanken die Leistungen des Teams, zuletzt gab es mit einem Sieg gegen Freiburg aber eine aufsteigende Tendenz. „Das war vielleicht nicht attraktiv. Das war vielleicht nicht sexy“, sagte Rösler im Anschluss. „Aber es war erfolgreich.“ Seither herrscht in Düsseldorf vorsichtige Aufbruchstimmung. „Wir können in den nächsten Wochen alle mit unten reinziehen, gegen die wir spielen. Das ist das Ziel“, sagte Sportvorstand Lutz Pfannenstiel. „Der Sieg gibt uns Auftrieb. In den nächsten Tagen werden uns viele Dinge ein bisschen leichter fallen“, meinte Stürmer Rouwen Hennings.

Restprogramm: Hertha (H), Mainz (A), Paderborn (H), Köln (A), Schalke (H), Bayern (A), Hoffenheim (H), Dortmund (H), Leipzig (A), Augsburg (H), Union (A)

SC Paderborn (18. Platz, 16 Punkte)

Sehr viel Lob bekam der kleine SC Paderborn für seinen mutigen Auftritt beim großen FC Bayern, stand nach der 2:3-Niederlage aber trotzdem mit leeren Händen da. „Das war wohl das bitterste Spiel, das wir bislang in dieser Saison hatten“, sagte Manager Martin Przondziono kurz nach dem Abpfiff, als er noch nicht wusste, dass alles noch viel schlimmer kommen sollte. Wie später bekannt wurde, kollabierte die 14 Monate alte Nichte von Stürmer Streli Mamba auf der Tribüne und starb später im Krankenhaus. Mit diesem Schock muss die Mannschaft nun irgendwie umgehen. Zusätzlich zog sich Mamba, mit fünf Treffern der beste Torschütze des Tabellenletzten, eine Knieverletzung zu und fällt für den Rest der Saison aus. Nach nur vier Punkten aus den sechs bisherigen Rückrundenspielen stehen die Chancen auf den Klassenerhalt schlecht, doch der Klub mit dem geringsten Etat der Liga wusste von vornherein, dass es schwierig werden würde. Folgerichtig steht auch seit Saisonbeginn fest, dass Trainer Steffen Baumgart selbst dann nicht zur Diskussion steht, wenn der allseits erwartete Abstiegsfall eintritt.

Restprogramm: Mainz (A), Köln (H), Düsseldorf (A), Hoffenheim (H), Augsburg (A), Dortmund (H), Leipzig (A), Werder (H), Union (A), Gladbach (H), Frankfurt (A)

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