Gespräch vor Testspiel gegen Werder Viktoria-Berlin-Trainer: Für Siege "brauchst du die richtigen Typen"

„Ich will die Mannschaft sein, die man stoppen muss“ - so beschreibt Viktoria Berlin-Trainer Benedetto Muzzicato seine Philosophie vor dem Testspiel gegen den SV Werder Bremen an diesem Mittwoch.
04.01.2022, 18:03
Lesedauer: 3 Min
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Von Björn Knips

Wenn Benedetto Muzzicato am Mittwochnachmittag Platz 11 am Weserstadion betritt, dann ist das wahrlich keine Premiere für den Trainer von Drittligist Viktoria Berlin. Dort hat er selbst schon gespielt – und zwar im Trikot des SV Werder Bremen mit so bekannten Spielern wie Aaron Hunt, Simon Rolfes oder Nelson Valdez. Anders als dieses Trio hat es Muzzicato nicht zu den Profis geschafft. „Es lag nicht am Talent“, betont der 43-Jährige im Gespräch mit unserer Deichstube: „Ich war damals leider mehr ein Alleinunterhalter als ein Teamplayer.“ In einer bemerkenswerten Offenheit und mit großer Leidenschaft spricht er über seine Zeit bei Werder, seine Arbeit als Trainer und das Testspiel gegen den SV Werder.

„Ich will die Mannschaft sein, die man stoppen muss“, beschreibt Muzzicato seine Philosophie. Aber gilt die auch in Spielen gegen klassenhöhere Teams wie Werder? „Natürlich“, schießt es aus ihm heraus: „Natürlich passen auch wir unsere Spielweise ein bisschen dem Gegner an. Doch Fußball ist für mich kein Krieg, sondern ein Feld der Träume. Ich möchte eine Mannschaft sehen, die sich etwas traut und keine Angst hat, Fehler zu machen.“ Teamgeist und Disziplin seien dabei genauso wichtig, wie die nötigen Freiheiten auf dem Platz. „Die braucht jeder Fußballer“, sagt Muzzicato und nennt einen Grundsatz bei der Spielersuche: „Man darf nicht nur auf das Fußballerische achten, sondern muss auch auf den Charakter eines Spielers schauen. Um Spiele zu gewinnen, brauchst du die richtigen Typen.“

Bei Viktoria Berlin hat er diese gefunden. In der vergangenen Saison hat die Mannschaft bis zum corona-bedingten Saisonabbruch alle elf Spiele in der Regionalliga gewonnen und durfte hoch in die 3. Liga. Dort sorgte der Aufsteiger mit drei Siegen und 10:1-Toren für einen Startrekord in dieser Klasse. So perfekt ging es zwar nicht weiter, aber mit 26 Punkten aus 20 Spielen und Platz 11 darf der Aufsteiger zufrieden sein. „Wir haben nach Havelse den geringsten Etat“, hebt Muzzicato hervor: „Wir werden zwar gerne als Investoren-Club bezeichnet, aber hier gibt es gar nicht die große Kohle. Das ist ein langfristiges Projekt.“ Der ehemalige Pro7/Sat.1-Geschäftsführer Zeljko Karajica und dessen Bruder Tomislav wollen die Viktoria zum Sprungbrett für Berliner Talente in den Profi-Fußball machen. Der Aufstieg in die 2. Liga ist dabei auch ein Thema, „aber wir müssen uns erst mal in dieser 3. Liga festigen“, sagt Muzzicato.

Der gebürtige Bremerhavener war vor zweieinhalb Jahren von Peer Jaekel in die Hauptstadt gelockt worden. Der Viktoria-Geschäftsführer hat selbst eine Werder-Vergangenheit – als Nachwuchsspieler, Scout und Co-Trainer. Muzzicato trug von der D- bis zur A-Jugend die Werder-Raute und kehrte 2003 nach einem Abstecher zu Hannover 96 in die U 23 der Bremer zurück. „In der Double-Saison durfte ich auch mal bei den Profis mittrainieren und war bei Testspielen dabei – eine tolle Zeit“, schwärmt Muzzicato. Doch sportlich kam er nicht voran, wechselte zum Regionalligisten Union Berlin und spielte danach für acht weitere Clubs: Arminia Hannover, SV Meppen, FC Oberneuland, VSK Osterholz-Scharmbeck, FC Bremerhaven, VfB Oldenburg, Bremer SV und TSV Ottersberg. „Wenn es nicht so lief, wie ich mir das vorstellte, waren für mich oft die anderen Schuld, deswegen bin ich so oft gewechselt“, erinnert sich der offensive Mittelfeldspieler. Er wurde Trainer, erst in der Jugend beim FC Oberneuland, dann als Co-Trainer eines gewissen Florian Kohfeldt bei der U 15 von Werder. Kohfeldt wurde bereits zwei Monate später Assistent von Viktor Skripnik bei den Profis, 2017 dann selbst Chefcoach. 

Und Muzzicato? „Ich habe gemerkt, dass der Jugendfußball nicht so mein Ding ist.“ Er übernahm 2015 den Bremer Landesligisten FC Oberneuland, stieg in die Oberliga auf. Auch beim TB Uphusen (Oberliga) und BSV Rehden (Regionalliga) war er erfolgreich, erreichte „die gesetzten Ziele“ (Muzzicato) und zog dann nach Berlin weiter.

„Der Start war nicht einfach. Ich bin da ganz alleine hin, kannte nur Peer“, sagt Muzzicato. Die Familie mit seinen beiden Kindern Lia (12) und Eliano (7) ist in Bremen geblieben. Der Papa pendelt. Daran hat er sich gewöhnt, genauso wie an seinen neuen Club. Die nächste Herausforderung steht aber schon an. Ende Februar beginnt der Lehrgang zum Fußball-Lehrer in Frankfurt. „Ich bin stolz, dass ich dabei sein darf, dieses Zertifikat fehlt mir noch“, sagt Muzzicato, der offen zugibt: „Auch wenn es vielleicht größenwahnsinnig klingt: Ich will einfach sehen, wie weit es für mich als Trainer gehen kann. Man muss sich immer hohe Ziele setzen.“ Könnte Werder da ein Thema werden. „Wer weiß das schon?“, antwortet Muzzicato und möchte dann unbedingt noch etwas loswerden: „So sehr ich den Fußball liebe, viel wichtiger ist doch, dass wir alle gesund bleiben.“

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