Gast-Kommentar von Willi Lemke

„Gewalttätige Übergriffe sind nicht zu akzeptieren“

Bremens früherer Senator Willi Lemke beschäftigt sich in seiner Kolumne für den WESER-KURIER dieses Mal mit gewalttätigen Ausschreitungen von Fußballfans und findet dabei deutliche Worte.
17.08.2019, 13:38
Lesedauer: 2 Min
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Von Willi Lemke
„Gewalttätige Übergriffe sind nicht zu akzeptieren“
nordphoto

Es war ein wirklich außergewöhnliches Fußballfest am vergangenen Wochenende im Weserstadion. Schon im Vorfeld hat das Pokalspiel des SV Werder gegen Atlas Delmenhorst die Fußballfans in der Region mobilisiert und euphorisiert. Die Kartennachfrage war fast so groß, als wenn es um ein Spiel gegen Bayern München gegangen wäre. Alles war gut, auch das Ergebnis führte zu keinen großen Enttäuschungen. Und dann passierte im Anschluss beim Abmarsch der Besucher im Viertel dieser feige, hinterhältige Fußtritt gegen den Kopf eines Polizeibeamten. Was muss in einem jungen Menschen vorgehen, der sich zu einer solchen Tat gegen einen anderen Menschen, den er nicht persönlich kennt, hinreißen lässt. Das war schon schlimm genug. Als dann weitere Polizisten gegen den Täter vorgehen wollten, wurden sie von anderen Gewaltbereiten mit Steinwürfen daran gehindert, wobei weitere Beamte verletzt wurden. Das sind Auswüchse einer Szene, die mit dem Sport absolut nichts zu tun hat.

Denjenigen, die an diesen gewalttätigen Auseinandersetzungen beteiligt waren, spreche ich es ab, sich als Werderfan zu bezeichnen. Sie schaden dem SV Werder, den vielen Tausenden Fans, die bei jedem Heimspiel ihre Mannschaft leidenschaftlich unterstützen, und letztlich sich selbst. Dieses erschreckende Verhalten wurde vom SV Werder, vom Innensenator, von der Polizeiführung und von diversen politischen Vertretern völlig zu Recht scharf verurteilt.

Kein einmaliger Vorfall

Übrig bleibt eine gewisse Fassungslosigkeit. Denn es ist ja nicht ein einmaliger Vorfall, allenfalls die Brutalität und Hinterhältigkeit sind besonders auffällig. Schon die Tatsache, dass die Polizei diese Gruppe von Stadionbesuchern regelmäßig bei ihrem Abmarsch begleiten muss, um gewalttätige Ausschreitungen und Auseinandersetzungen mit feindlichen Fangruppen zu verhindern, mutet immer wieder schaurig an. Wie armselig und auf Krawall ausgerichtet einzelne Personen sind, konnte man auch einem im Stadion hochgehaltenen Spruchband einer Bremer Ultragruppe entnehmen, auf dem an die Adresse der Delmenhorster geschrieben stand: „Weder Nachbarn noch Gäste – verpisst euch aus Bremen“. Selbst wenn damit vermeintliche Rechtsradikale aus der Nachbarstadt gemeint gewesen sein sollten, es zeigt nach außen lediglich, dass es hier Bremer gibt, die nicht verstehen, dass man mit einer derartigen „Begrüßung“ dem SV Werder Schaden zufügt. Das ist unterste Schublade und man kann sich dafür nur fremdschämen.

Brutale Ausschreitungen von Fangruppen sind leider nichts Besonderes in der Fußballszene. Die gibt es seit Jahrzehnten. Aber dass hier ein so schönes nachbarschaftliches Sportereignis, so einen hässlichen Nachklang fand, das betrübt doch sehr. Ich hoffe sehr, dass es der Polizei gelingt, den Täter und seine ihn schützenden Mittäter ausfindig zu machen und zu bestrafen. Das ist nicht nur wichtig, um potenzielle Nachahmer abzuschrecken, sondern auch, um pauschalisierenden Verurteilungen solcher Fangruppen entgegenzuwirken.

Nachvollziehbare Kritik

Derzeit gibt es heftige Kritik in der Fanszene an dem neuen Namenszusatz „Wohninvest“ für das Weserstadion. Aus meiner Sicht ist der Geschäftsführung ein guter Kompromiss gelungen, weil der Geld bringende Zusatz sehr dezent eingesetzt wird und zugleich der Name Weserstadion dominant bleibt. Es ist Werder Bremen gelungen, einen gangbaren Weg zu finden zwischen der Notwendigkeit, weitere Einnahmen zu generieren und einer gelebten und geliebten Namens-Tradition.

Aber man muss andererseits auch akzeptieren, dass es Menschen gibt, die sich gegen die Macht des Geldes wehren und an der uneingeschränkten Tradition des Namens festhalten wollen. Die Kritik kann man nachvollziehen und unterschiedliche Meinungen müssen akzeptiert werden. Gewalttätige Übergriffe jedoch auf keinen Fall. Sie sind widerwärtig, menschenfeindlich und fußballfeindlich.

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