Wie sich Werders Kader laut Statistik verbessert

Glücksgriff Pavlenka, Verstärkung Langkamp

Werders Kader hat sich in den letzten Jahren immer wieder verändert. Der Goalimpact-Algorithmus zeigt, wer die Aufsteiger der Saison sind und wie gut die Winter-Zugänge ins Leistungsgefüge passen.
11.03.2018, 11:04
Lesedauer: 4 Min
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Von Cedric Voigt
Glücksgriff Pavlenka, Verstärkung Langkamp

Kamen in der Saison 2017/2018 zu Werder: Jiri Pavlenka und Sebastian Langkamp.

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Umbruch. Eines dieser Wörter, das Sommer für Sommer auftaucht und die Transferphase vieler Bundesligisten begleitet, ohne sich dabei sonderlich beliebt zu machen. Ein Umbruch steht für viele neue Spieler, aber auch dafür, den Mannschaftskern nicht beieinander halten zu können, was der sportlichen Entwicklung manchmal ihre Kontinuität nimmt.

Auch Werder war vor der Saison in so einer Situation. Hochtalentierte, junge Spieler wie Serge Gnabry oder Florian Grillitsch, Routiniers wie Clemens Fritz oder Claudio Pizarro, verdiente Stammkräfte wie Santiago Garcia oder Felix Wiedwald – sie alle verließen den Verein und machten Platz für neue Gesichter im Werder-Trikot.

Und bei der Auswahl dieser Spieler lag Werder-Sportchef Frank Baumann oft goldrichtig. Das sagt zumindest Jörg Seidel. Der stützt sich damit allerdings nicht auf seine eigene, subjektive Empfindung, sondern auf die Zahlen seines Goalimpact-Algorithmus. Seit 2004 versucht Seidel unter Einbeziehung zahlreicher beeinflussender Faktoren – etwa Heimvorteil, Stärke des Gegners und der Mitspieler und Erschöpfungsgrad – möglichst objektiv und präzise zu berechnen, in welchem Maße ein Spieler auf dem Platz dazu beiträgt, dass sein Team mehr Tore erzielt als kassiert.

So soll oberflächlicheren Statistiken wie Tor- oder Passquoten ein Maßstab zur Seite gestellt werden, der die Qualität eines Spielers auch dann korrekt bestimmen kann, wenn der Einfluss auf die Mannschaftsleistung nicht sofort ins Auge fällt. Am Ende steht ein Wert, der in der Regel zwischen 100 und 200 Punkten liegt: Der Goalimpact. Schlechte oder junge Spieler können auch im zweistelligen Bereich liegen, die absolute Weltklasse kann die 200 Punkte übertreffen.

Transfers heben Mannschaftsqualität an

Bei Werder, einer Bundesligamannschaft mit insgesamt durchschnittlichem Kader, liegt der Goalimpact derzeit etwa bei 135,7 Punkten. Viele der Verpflichtungen zuletzt halfen dabei, die Qualität der Mannschaft zu verbessern – teils in der Breite, teils in der Spitze. Thomas Delaney und Jerome Gondorf etwa werden vom Goalimpact durchaus wertgeschätzt. Und die zwei Spieler, die ihren positiven Einfluss auf das Mannschaftsresultat am meisten steigern konnten, kamen ebenfalls erst kürzlich nach Bremen: Torwart Jiri Pavlenka steigerte seinen Wert in dieser Saison um sieben GI-Punkte, Linksverteidiger Ludwig Augustinsson gewann sogar acht Zähler dazu.

Werder kann darauf hoffen, dass sich die beiden Stammspieler noch weiter steigern: Mit 25 respektive 23 Jahren sind Pavlenka und Augustinsson noch lange nicht auf ihrem Zenit. Aber auch ein Routinier könnte sich noch als Verstärkung herausstellen: „Sebastian Langkamp passt vom Level her sehr gut zum Kader und ist eine Verstärkung“, bilanziert Seidel. Der 30-Jährige war im Winter aus Berlin nach Bremen gekommen. Bislang reichte es für Langkamp nur zu Kurzeinsätzen, grundsätzlich sieht der Goalimpact den 1,90 Meter großen Innenverteidiger aber auf einem guten Niveau, besser noch als Lamine Sané. Der Senegalese hatte Werder kürzlich in Richtung Orlando City SC verlassen.

Zu etwas mehr Geduld rät Seidels Goalimpact dagegen bei den anderen beiden Winter-Verpflichtungen: Bayern-Leihgabe Marco Friedl und Sieben-Millionen-Zugang Milot Rashica, der aus Arnheim kam, müsse man noch Zeit geben. „Friedl kann schon mal einspringen, aber er ist noch nicht auf dem Level des Teams“, diagnostiziert Seidel. Der Österreicher sei schließlich erst 19 Jahr alt, er habe das Potential, ein richtig Guter zu werden. Regelmäßige Einsätze seien so bald aber nicht zu erwarten. „Vielleicht eher ab der Rückrunde der kommenden Saison.“

Großes Potenzial bei Käuper

Ähnliches prognostiziert der Goalimpact Milot Rashica. „Er müsste sich steigern, um mehr als ein Ergänzungsspieler zu werden“, vermutet Seidel anhand von Rashicas GI-Wert. Dass das aber durchaus möglich ist, zeigt das Beispiel Pavlenka: Der Tscheche sammelt erst in den letzten zwei Jahre in größerem Maße Pluspunkte bei seinem Goalimpact. Auch, wenn die Prognosen einen guten Richtwert darstellen, verläuft nicht jede Entwicklung linear. Wenn Werder Rashicas Fähigkeiten als Dribbler und Vorlagengeber entsprechend weiterentwickelt, könnte sich der Transfer trotz anfänglicher Skepsis doch noch lohnen.

In der Zukunft könnte es im Werder-Mittelfeld zu weiteren Kaderbewegungen kommen. Der Vertrag von Zlatko Junuzovic läuft aus, Nürnbergs Kevin Möhwald wird als Zugang für den Sommer gehandelt. Aus dem eigenen Nachwuchs drängt Ole Käuper in die Bundesliga.

Hier überrascht die Prognose des Goalimpact: Allein gemessen an den Zahlen wäre ein Junuzovic-Abgang „absolut verkraftbar”, urteilt Seidel. Möhwald würde vom Niveau gut in die Mannschaft passen, aber eher die Breite verstärken. Sein Goalimpact liegt knapp unter Werder-Durchschnitt. Käuper hingegen sieht der Algorithmus sogar „perspektivisch deutlich besser“ als Kapitän Junuzovic, ähnlich wie schon Maximilian Eggestein, an dem im Mittelfeld für Junuzovic derzeit kein Vorbeikommen ist.

Soweit die Theorie. Natürlich kann sich die These des Algorithmus als zu steil erweisen – für den nächsten Umbruch sehen die Zahlen Werder allerdings gut gerüstet.

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