Erst gefeiert, dann ohne festen Platz Gnabry kocht jetzt woanders

Seine Tore für Werder feierte Serge Gnabry, indem er in einer imaginären Schüssel rührte. Anfangs mundeten seine erfrischenden Auftritte den Bremer Fans auch. Zum Schluss war die Suppe aber versalzen.
08.06.2017, 17:29
Lesedauer: 3 Min
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Gnabry kocht jetzt woanders
Von Marc Hagedorn

Serge Gnabry blieb bis zuletzt der Lausbube. So frech und kaltschnäuzig, wie der junge Offensivmann auf dem Platz in Laufduelle und Zweikämpfe mit den gegnerischen Verteidigern ging, so schlagfertig und hintersinnig verabschiedete er sich in den Sozialen Medien am Donnerstagmittag von den Werder-Fans. „Danke Bremen, es hat Spaß gemacht, für euch zu kochen“, twitterte Gnabry in dem Moment, in dem sein Abschied nach nur einem Jahr bei Werder offiziell vom Klub verkündet wurde.

Gekocht hatte Gnabry für Werder und die Werder-Fans seit dem vergangenen Sommer natürlich nur im übertragenen Sinne. Er hatte viele Tore geschossen, elf, um ganz genau zu sein, und irgendwann hatte Gnabry angefangen, die Treffer auf eine ganz besondere Art und Weise zu feiern. Indem er so tat, als rühre er in einer Schüssel eine leckere Speise an, die er den Fans dann servierte. Von dem amerikanischen Basketball-Star James Harden hatte sich Basketball-Fan Gnabry die Pose abgeschaut.

Bedauern und Häme in den digitalen Medien

Die Gnabry-Tore und seine erfrischenden Auftritte hatten den Bremern über viele Monate auch sehr gemundet. Zum Schluss aber war mit Gnabry, Werder und den Fans nicht mehr alles schön, die Suppe irgendwie versalzen. Weil Gnabry irgendwann sportlich keine große Rolle mehr spielte, erst verletzt war, dann zwar wieder gesund, aber ohne den passenden Platz im Spielsystem von Cheftrainer Alexander Nouri. Auch dass Gnabry speziell in der jüngeren Vergangenheit nie überzeugend dem Verdacht entgegenwirkte, dass Werder nur eine Zwischenstation für ihn sein würde, schmeckte vielen Fans nicht besonders. Entsprechend geteilt fielen in den digitalen Medien auch die Reaktionen auf Gnabrys Abschied aus. Es wurde Bedauern geäußert, ja, aber auch sehr viel Häme.

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Bei Werder wahrte man die Etikette. Frank Baumann sagte: „Schade, dass es nach nur einem Jahr zu Ende geht. Wir hatten bis zum Schluss die Hoffnung, dass Werder für ihn der richtige Verein ist.“ Der Spieler sah es aber anders als sein Sportchef, auch das Bremer Angebot zu einer Gehaltsaufbesserung verhinderte nicht, dass Gnabry die vertraglich vereinbarte Ausstiegsklausel zog und sich nun einem Klub anschließen wird, der in der nächsten Saison international spielt. Es gilt als offenes Geheimnis, dass dies 1899 Hoffenheim sein wird. Bestätigt ist der Wechsel zum Champions-League-Starter aber noch nicht. Auch Bayern soll nach wie vor ein Thema sein.

Bei Werder bemüht man sich, das Gute in dem Geschäft auf Gegenseitigkeit zu sehen, das es von Beginn an war. Werder hatte im vergangenen Sommer eines der begehrtesten Talente des deutschen Fußballs vom FC Arsenal geholt und damit die Branche völlig überrascht. Fünf Millionen Euro soll Werder damals nach London überwiesen haben. Die Kröte, wie Baumann es nun nannte, die Werder bei Gnabrys Entscheidung für Bremen schlucken musste, war besagte Ausstiegsklausel, die Gnabry jetzt den Wechsel zu einem potenteren Klub ermöglicht. „Es hat sich für uns trotzdem gelohnt“, sagte Baumann dem WESER-KURIER mit Blick auf das Vertragskonstrukt, „ich würde es wieder so machen.“

Ein gutes Geschäft für Werder

Gesichert ist nach Informationen des WESER-KURIER, dass Werder nicht die Summe für Gnabry erzielt, die seinem Marktwert entspricht, ungefähr zehn Millionen Euro wären das aktuell. Sieben bis acht Millionen dürften es stattdessen tatsächlich sein, die Werder kassiert. Ein gutes Geschäft ist das immer noch, auch wenn Werder einen tollen Spieler verliert. Baumann hat nun solide finanzielle Möglichkeiten, um dem Kader neue Qualität zuzuführen.

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Allerdings hält Werder nicht Ausschau nach einem neuen Gnabry. „Eins-zu-Eins“, so Baumann, werde man Gnabry nicht ersetzen. „Wir haben guten Alternativen für die Flügelpositionen in unserem Kader“, sagt Baumann weiter und nennt Florian Kainz und Izet Hajrovic, aber auch die zuletzt als Stürmer eingesetzten Fin Bartels und Max Kruse als mögliche Männer für die Bremer Außenbahnen. „Wenn wir personell etwas machen, dann bei einem zentralen Stürmer“, sagt Baumann.

Dass Werder in diesem Sommer nun schon zwei hoffnungsvolle Profis verloren hat, neben Serge Gnabry auch Florian Grillitsch, und dass Werder im Wettbieten um Davie Selke, einem anderen hoffnungsvollen Talent, von Hertha BSC ausgestochen wurde, nimmt Baumann sportlich. Dass Werder eine attraktive Adresse für ambitionierte und vielversprechende Profis bleibt, davon ist der Sportchef überzeugt. „Das Beispiel Serge Gnabry hat doch eindeutig gezeigt, dass wir ein attraktives Umfeld bieten, in dem sich Spieler gut entwickeln können“, sagt Baumann, „und zwar so gut, dass sie für Top-Klubs interessant werden. Das ist eine Geschichte, die wir bei zukünftigen Neuzugängen erzählen können.“ Und es stimmt ja: Serge Gnabry kam als Tribünengast und Bankdrücker aus England, inzwischen ist er A-Nationalspieler.

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