Werders Testspiel bei St. Pauli Großes Wiedersehen am Millerntor

Werders Test an diesem Sonnabend (15 Uhr) in Hamburg ist für den FC St. Pauli die Generalprobe vor dem Zweitliga-Start – und für mehrere Spieler ein Duell mit ihrem Ex-Klub.
22.07.2017, 07:00
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Großes Wiedersehen am Millerntor
Von Felix Frank

Auch als sich ihre Wege im Sommer 2014 trennten, haben sich Bernd Nehrig und Fin Bartels nicht aus den Augen verloren. Während der eine, Nehrig, beim FC St. Pauli blieb, wechselte der andere, Bartels, zu Werder Bremen. Die beiden trafen sich bei Geburtstagsfeiern und Saisonabschlussfahrten – am Sonnabend stehen sie sich im Millerntor-Stadion gegenüber. „Natürlich freut es mich, Fin wiederzusehen“, sagt Nehrig vor dem Testspiel zwischen St. Pauli und Werder (15 Uhr, Sport1 live). Der neue Kapitän des Zweitligisten hat die Karriere seines ehemaligen Teamkollegen weiter verfolgt und sagt über Bartels: „Ich freue mich riesig für ihn, dass er bei Werder Jahr für Jahr so eine Riesenleistung abruft. Er ist zu Recht eine absolute Stammkraft in der Mannschaft.“

Nicht nur für Bartels, der zwischen 2010 und 2014 für St. Pauli spielte, ist die Partie ein Wiedersehen mit dem Ex-Klub. So kehrt Max Kruse ans Millerntor zurück. Der Werder-Stürmer ging von 2009 bis 2012 für die Kiezkicker auf Torejagd. Lennart Thy, der in Rückrunde der vergangenen Saison von Werder an St. Pauli ausgeliehen war, ist nach seinem Wechsel auf Leihbasis zu Venlo nicht dabei. „Einerseits ist es schade, andererseits freut es mich für ihn, dass er jetzt einen Verein gefunden hat, bei dem er sich wieder Spielpraxis holen kann. Ich hoffe, dass er da zu seiner alten Leistungsstärke zurückfindet“, sagt Nehrig.

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Auf Hamburger Seite haben mit Luca Zander und dem Ex-Würzburger Clemens Schoppenhauer zwei Profis eine intensive Werder-Vergangenheit. Beide kamen in diesem Sommer neu zu St. Pauli und machen einen guten Eindruck. „Sie passen perfekt zu uns in die Mannschaft, haben sich schnell integriert und bringen sich voll ein. Beide bringen uns auf jeden Fall weiter“, sagt Nehrig. Der 30-Jährige lobt den gebürtigen Bremerhavener Schoppenhauer, der sämtliche Jugendmannschaft bei Werder durchlief, als aggressiven Innenverteidiger, der die gegnerischen Stürmer mit seiner Physis zermürbe. Der 21-jährige Zander, der zuletzt in Werders U23 spielte und nun für die kommenden zwei Jahre an St. Pauli verliehen ist, habe ein gutes Verständnis fürs Spiel, schalte sich vorne mit ein und mache hinten die Seite zu, so Nehrig. „Luca hat eine gute Ausbildung bei Werder genossen, das sieht man im täglichen Training. Er ist auf jeden Fall ein Kandidat, um zu spielen“, sagt der Routinier, der seit 2013 bei den Braun-Weißen ist.

Positiv fällt Nehrigs Fazit auch von der Vorbereitung aus: „Wir haben uns gut zusammengefunden, den Trainerwechsel gut kompensiert und die Zugänge integriert.“ Unter Olaf Janßen, den St. Pauli vom Co- zum Cheftrainer befördert hat und der somit die Nachfolge von Ewald Lienen (jetzt Technischer Direktor) antritt, habe sich in Sachen Spielstil nicht viel verändert, sagt der Mittelfeldabräumer. „Die Philosophie bleibt die gleiche.“

Gefährliches Sturmduo

Personell ist das Team weitgehend zusammengeblieben. Wichtige Leistungsträger der vergangenen Saison wie die jungen Offensivspieler Cenk Sahin (Kaufoption nach Leihende gezogen, kommt von Basaksehir) und Mats Möller Daehli (erneute Leihe vom SC Freiburg) konnte St. Pauli weiter binden. Zudem kam mit Sami Allagui (ablösefrei von Hertha BSC) ein für Zweitliga-Verhältnisse überdurchschnittlicher Stürmer hinzu. Er und Tojäger Aziz Bouhaddouz bilden ein brandgefährliches Sturmduo, eines der besten der Liga. Mit Sören Gonther (jetzt bei Dynamo Dresden) hat der ehemalige Kapitän den Klub verlassen.

Eine Zielsetzung für die kommende Spielzeit will Nehrig nicht ausgeben: „Ich bin kein Freund davon, weil die vergangene Saison mit den zwei komplett verschiedenen Hälften noch zu nah ist.“ Nach der Hinrunde stand St. Pauli mit mageren elf Pünktchen auf dem letzten Tabellenplatz. Doch die Klubführung hielt an Lienen, dem Janßen als Assistent zur Seite gestellt wurde, fest – und St. Pauli spielte mit 34 Punkten die beste Rückrunde der Vereinsgeschichte. Nehrig sagt: „Wir sind natürlich bestrebt, nicht noch mal so eine Vorrunde zu spielen und so einen Start hinzulegen wie letzte Saison.“

Nehrig lobt Werder-Offensive

Der Test an diesem Sonnabend ist für St. Pauli die Generalprobe vor dem Zweitliga-Auftakt am kommenden Freitag in Bochum. „Das ist für uns der letzte Gradmesser vor dem Saisonstart. Wir wollen über 90 Minuten unser Spiel durchdrücken und mit einem gestärkten Selbstbewusstsein aus dem Spiel gehen“, gibt Nehrig die Richtung vor. Über die Bremer sagt er: „Sie haben eine sehr hohe Qualität. In der vergangenen Saison haben sie viele Spiele mit absolutem Offensivdrang bestritten, haben einige Tore geschossen. In der Defensive ist das für uns auf jeden Fall ein guter Gradmesser, aber wir wollen Werder auch vor Probleme stellen.“ Nehrig geht davon aus, dass auch Werder mit der bestmöglichen Mannschaft spielen wird.

Das vergangene freundschaftliche Aufeinandertreffen im Oktober endete 1:1. Das letzte Pflichtspiel zwischen beiden Teams gewann Werder im April 2011 mit 3:1. Damals ging St. Pauli in der Bundesliga-Partie am Millerntor aber in Führung – durch Bartels. Wenn es nach Nehrig geht, kann sein ehemaliger Teamkollege diesmal im Testspiel gerne aufs Toreschießen verzichten: „Fin braucht das nicht, in den Vorbereitungsspielen Tore zu schießen. Ich wünsche ihm, dass ihm das in der Saison gelingt – das ist für ihn und den Verein wichtiger. Deshalb kann er sich am Sonnabend noch ein bisschen ausruhen.“

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