Vor Vertragsverlängerung Grundsätzliche Einigung erzielt: Baumann bleibt Werder-Sportchef

Frank Baumann bleibt Sportchef bei Werder Bremen. Der 46-jährige steht nach Informationen unserer Deichstube kurz vor einer Vertragsverlängerung.
07.02.2022, 17:54
Lesedauer: 4 Min
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Von Björn Knips

Mit Unterschriften unter Verträgen beim SV Werder Bremen kommt Frank Baumann in diesen Tagen nicht aus der Übung. Gerade erst hat der Sportchef den neuen Kontrakt von Außenverteidiger Felix Agu unterzeichnet. Als nächstes ist dann sein eigener Vertrag dran. Baumann steht nach Informationen unserer Deichstube kurz vor einer Vertragsverlängerung.

Es müssen nur noch wenige Details mit dem Aufsichtsrat geklärt werden, aber grundsätzlich wurde bereits eine Einigung über eine weitere langfristige Zusammenarbeit erzielt.

Das war nicht selbstverständlich, weil Baumann nicht erst durch den Abstieg stark in die Kritik geraten war und der neue Aufsichtsrat dadurch unter Druck stand. Am Ende konnte der 46-Jährige die sechs Aufsichtsratsmitglieder aber überzeugen, dass er weiterhin der richtige Sportchef für Werder ist. Die aktuelle sportliche Entwicklung dürfte ihm dabei gewiss nicht geschadet haben. Die Grün-Weißen dürfen als Tabellendritter auf den direkten Wiederaufstieg hoffen.

Danach hatte es in dieser Saison lange Zeit nicht ausgesehen. Zwischenzeitlich war Werder sogar in die zweite Tabellenhälfte abgerutscht. Dann gab es auch noch den Impfpass-Skandal um Trainer Markus Anfang, der zurücktrat. Letztlich ein Glücksfall für Werder, denn unter Nachfolger Ole Werner gab es sechs Siege am Stück und die Auferstehung als Spitzenteam.

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Für sein Krisenmanagement in der Anfang-Affäre bekam Baumann viel Lob vom Aufsichtsrat. „Die Geschäftsführung hat sehr professionell reagiert“, urteilte zum Beispiel Dirk Wintermann: „Die Trainersuche ist sehr offen kommuniziert worden. Ich bin mit der Entscheidung für Ole Werner sehr zufrieden.“ Später kam heraus, dass Baumann sich schon im Herbst mit Werner getroffen hatte. Nicht, weil er zu dem Zeitpunkt einen neuen Trainer suchte, sondern für die Zukunft vorbereitet sein wollte. In der Vergangenheit hatte es der Ex-Profi aus Loyalität zum aktuellen Coach stets abgelehnt, solche Vorkehrungen zu treffen.

Ein gutes Zeugnis wurde dem Sportchef auch nach der Transferphase im Sommer ausgestellt. Werder brauchte nach dem Abstieg Einnahmen in Höhe von 30 Millionen Euro. Durch die finanziellen Folgen der Corona-Pandemie war der Transfermarkt aber quasi zusammengebrochen. Baumann wartete lange und kassierte dann doch noch für Milot Rashica, Josh Sargent (beide Norwich City), Maximilian Eggestein (SC Freiburg) und Ludwig Augustinsson (FC Sevilla) die gewünschten 30 Millionen. Beim unausweichlichen Sparkurs in der 2. Liga half auch, dass Baumann in die Verträge mit den Profis eine Abstiegsklausel eingebaut hatte, die alle Gehälter automatisch um 40 bis 60 Prozent reduzierte. Bei Mitabsteiger FC Schalke gab es das nicht.

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Und trotzdem: Baumann ist auch einer der Verantwortlichen des Absturzes und des Abstiegs. 2016 war er als Nachfolger des gefeuerten Thomas Eichin zum Sportchef ernannt worden. Eichin hatte Trainer Skripnik entlassen wollen, Baumann hielt an dem Ukrainer fest. Wenige Wochen nach dem Saisonstart musste er diese Entscheidung korrigieren. Baumann vertraute U 23-Coach Alexander Nouri – allerdings auch nur für gut ein Jahr. In Florian Kohfeldt durfte sich der nächste U 23-Coach versuchen. Es sah tatsächlich nach einer Erfolgsgeschichte aus, einer Ära Baumann/Kohfeldt wie einst bei Klaus Allofs und Thomas Schaaf. Doch nach der knapp verpassten Quali für Europa (2019) ging es steil bergab. 2020 konnte der Abstieg in der Relegation gerade noch abgewendet werden, ein Jahr später dann nicht mehr. Baumann hatte fast bis zum Schluss an Kohfeldt festgehalten und sich damit verzockt. Auch bei einigen Transfers war Baumann zu sehr ins Risiko gegangen, gepaart mit den Einnahmeverlusten in der Corona-Pandemie kam Werder in große finanzielle Schwierigkeiten.

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Doch der Aufsichtsrat – damals noch unter der Führung von Marco Bode – vertraute stets dem Ex-Profi. Eigentlich sollte Baumanns Vertrag schon Ende 2020 langfristig verlängert werden. Wegen Corona fiel allerdings die Mitgliederversammlung und damit auch die Wahl zum Aufsichtsrat aus. Deswegen wurde Baumanns neuer Kontrakt nur bis Sommer 2022 ausgeweitet. Um die weitere Zukunft sollte sich der neu gewählte Aufsichtsrat kümmern – und der ist tatsächlich seit Herbst neu, weil sich Bode sowie die drei weiteren Aufsichtsratsmitglieder Kurt Zech, Thomas Krohne und Andreas Hoetzel nach dem Abstieg nicht mehr zur Wahl stellen wollten.

Neben Wintermann entschieden sich die Mitglieder für Harm Ohlmeyer, Ulrike Hiller und Florian Weiß als Nachfolger. Die vom Verein entsandten Axel Plaat und Marco Fuchs behielten ihre Ämter. Letzterer wurde neuer Aufsichtsratsvorsitzender und überraschte im November mit einem klaren Bekenntnis für Baumann: „Ich persönlich würde mich freuen, wenn Frank Baumann Werder Bremen wieder in die Erfolgsspur führen würde.“ Doch seine Kollegen ließen schnell durchblicken, dass sie die Personalie Baumann nicht einfach durchwinken werden. „Alles ist offen“ sagte zum Beispiel Wintermann. Er verriet auch, dass sich das Gremium „externe Unterstützung“ geholt habe, um sich mit anderen Kandidaten zu beschäftigen. Ob es zu Gesprächen mit anderen Sportchefs kam, ist nicht bekannt.

Offen war lange Zeit auch, ob Baumann überhaupt weitermachen will. Die Kritik der vergangenen Monate hatte ihn getroffen und beschäftigt. Doch vor einer Woche erklärte er dann gegenüber unserer Deichstube: „Ich habe weiterhin genug Energie und Lust auf die Aufgabe.“ Das vielleicht entscheidende Signal für den Aufsichtsrat. Baumann ist gewiss nicht der Typ, der eine Aufbruchstimmung erzeugen kann, aber er darf eben auch nicht als reiner Verwalter rüberkommen. Und nachdem nun mit der Werner-Verpflichtung Ruhe und Erfolg an die Weser zurückgekehrt sind, will der Aufsichtsrat offenbar kein neues Fass aufmachen. Spannend bleibt allerdings die Frage der Laufzeit des neuen Baumann-Vertrags. Zwei oder drei Jahre – das könnte Aufschluss darüber geben, wie groß das Vertrauen des Aufsichtsrats in den Sportchef tatsächlich ist. 

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