Werder erzielt Rekordumsatz

Gute Bilanz gegen die Krisenstimmung

Klaus Filbry konnte auf der Mitgliederversammlung am Montagabend sehr gute Geschäftszahlen präsentieren. Werder erzielte im vergangenen Geschäftsjahr einen Rekordumsatz und machte ordentlich Gewinn.
26.11.2019, 09:53
Lesedauer: 4 Min
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Von Christoph Bähr und Christoph Sonnenberg
Gute Bilanz gegen die Krisenstimmung

Werder-Boss Klaus Filbry.

nordphoto

Klaus Filbry musste die Balance finden. Werders Vorsitzender der Geschäftsführung konnte am Montagabend bei der Mitgliederversammlung sehr gute Geschäftszahlen präsentieren, durfte dabei aber nicht zu begeistert klingen. Anders als in anderen Wirtschaftszweigen gibt es bei einem Fußball-Bundesligisten nämlich eine Zahl, die wichtiger ist als alle Summen in der finanziellen Bilanz: der Tabellenplatz. Und in der Tabelle liegt Werder bekanntlich nur auf Rang 14. Das sportliche Ziel Europa League ist derzeit weit entfernt, die Stimmung im Umfeld dementsprechend angespannt. Alle finanziellen Ziele habe der Klub unterdessen erreicht, erklärte Filbry. „Es ist ein Ergebnis, auf das wir stolz sein können, ein wirklich gutes Ergebnis. Es wird aber überschattet durch die aktuelle sportliche Situation.“

Was heißt „wirklich gutes Ergebnis“ nun genau? Im abgelaufenen Geschäftsjahr vom 1. Juli 2018 bis 30. Juni 2019 hat die SV Werder Bremen GmbH und Co. KG aA einen Rekordumsatz von 157,1 Millionen Euro erzielt. Zum Vergleich: Das bislang beste Ergebnis stammt aus der Saison 2009/10, als der Verein noch international spielte, und lag bei 126,4 Millionen Euro. Dank der hohen Einnahmen hat Werder einen Gewinn von 3,5 Millionen Euro erwirtschaftet und schreibt damit zum vierten Mal in Folge schwarze Zahlen. Die Mitgliederzahl hat zudem mit 40 367 einen neuen Höchststand erreicht.

Strategieplan geht auf

Anlässlich der guten Bilanz blickte Filbry zurück auf den Strategieplan, den er vor zwei Jahren vorgestellt hatte. „Die übergeordneten Ziele waren, jedes Jahr ein Ergebnis zwischen einer und drei Millionen Euro zu erzielen, einen einstelligen Tabellenplatz zu erreichen und unser Eigenkapital auf mindestens zehn Millionen Euro anzuheben. Das sollte innerhalb von vier Jahren passieren“, sagte der Werder-Boss und hielt zufrieden fest: „Jetzt haben wir 3,5 Millionen Euro als Ergebnis erzielt, Platz acht in der vergangenen Saison erreicht und ein Eigenkapital im Konzern von 10,5 Millionen Euro.“

Wie ist der Rekordumsatz zu erklären? Werder hat in allen Bereichen mehr Geld eingenommen als im Geschäftsjahr zuvor. Am stärksten gewachsen sind die TV-Einnahmen, von 49,9 auf 67 Millionen Euro. Durch die gute Platzierung in der vergangenen Spielzeit ist der Verein in der Fernsehwertung nach oben geklettert. Zudem wird insgesamt mehr TV-Geld ausgeschüttet, und auch das Erreichen des DFB-Pokal-Halbfinals hat in diesem Segment zusätzliche Einnahmen gebracht.

Mehr Trikots verkauft

Dank der guten Leistungen im Pokal hat Werder zudem mehr Geld durch den Spielbetrieb, speziell die Stadionzuschauer, eingenommen (28,2 statt zuvor 25,9 Millionen Euro). Die höhere Auslastung im Businessbereich wirkte sich dabei ebenfalls positiv aus. Die Sponsorengelder sind in erster Linie durch den Deal mit dem neuen Ausrüster Umbro von 24,2 auf 25,4 Millionen Euro gestiegen. Der Vertrag mit Umbro wirkte sich darüber hinaus im Bereich Sonstiges aus, zu dem etwa der Trikotverkauf zählt. 13,2 statt zuvor 12,2 Millionen Euro nahm Werder dort ein, weil rund 30 Prozent mehr Trikots verkauft wurden. Viele Fans waren also offenbar neugierig auf das neue Jersey, dazu kamen noch der sportliche Erfolg, das Sondertrikot zum 120-jährigen Vereinsjubiläum und der Faktor Claudio Pizarro als Kaufanreize.

In der laufenden Saison hat Werder auf dem Spielermarkt vor allem investiert. Das wird sich aber erst in der Bilanz für das aktuelle Geschäftsjahr zeigen. Die Transferbilanz für die vergangene Spielzeit fällt positiv aus. Eingenommen hat der Verein insgesamt 23,3 Millionen Euro und damit 18,4 Millionen Euro mehr als im Jahr davor. Hauptverantwortlich für diese Einnahmen waren die Verkäufe von Thomas Delaney (Borussia Dortmund) und Florian Kainz (1. FC Köln).

Kader ist teurer geworden

Gestiegen ist aber auch der gesamte Personalaufwand, nämlich um 15,8 Millionen Euro auf 71,9 Millionen Euro. Ein Grund dafür: Werders Profikader ist teurer geworden. Dazu zahlte der Verein aufgrund der relativ erfolgreichen Saison höhere Prämien an die Spieler aus. Die Abschreibungen, vor allem für Spielerkäufe, stiegen ebenfalls deutlich an, von 13,5 auf 23,9 Millionen Euro. Die Verpflichtungen von Davy Klaassen, Yuya Osako, Martin Harnik, Felix Beijmo, Milot Rashica und Sebastian Langkamp machen zusammen mehr als 40 Millionen Euro aus und werden linear abgeschrieben, also auf mehrere Jahre verteilt.

Bei den sonstigen betrieblichen Aufwendungen verzeichnete Werder eine Steigerung um 8,6 Millionen Euro. Darunter fallen etwa die Kosten für Spielerberater, die Abgaben an den Verband oder der Wareneinkauf bei Ausstatter Umbro. Zu guter Letzt musste Werder mehr Steuern bezahlen. Hatte der Klub im Jahr davor durch einen gewonnenen Prozess sogar noch Geld vom Finanzamt zurückbekommen, wurden dieses Mal 1,3 Millionen Euro an Zinsen und Steuern fällig.

Insgesamt ließen sich die höheren Ausgaben durch die enorm gestiegenen Einnahmen aber mehr als auffangen. Es war also ein sehr gutes Geschäftsjahr für den Verein, wie Klaus Filbry hervorhob. „Wir haben einen Umsatz erzielt, der so hoch ist wie noch nie bei Werder. Wir haben sportlich eine gute Saison erlebt mit Platz acht. Wir haben das DFB-Pokalhalbfinale erreicht, hatten eine schöne 120-Jahresfeier. Und wir haben mit Umbro einen neuen Ausrüster gefunden“, zählte der Werder-Boss auf. Das klingt in der Tat alles ganz hervorragend, gerät aber schnell in Vergessenheit, wenn die Mannschaft nicht bald mal wieder ein Spiel gewinnt.

Immerhin: Die Geduld der 260 Mitglieder, die sich in der Werder-Halle einfanden, ist noch nicht aufgebraucht. Sie begrüßten den Mannschaftsrat der Werder-Profis um Kapitän Niklas Moisander bei der Versammlung mit einem aufmunternden Applaus. Die Profis von Borussia Dortmund mussten sich kürzlich Pfiffe anhören, als sie sich den Mitgliedern stellten. „In Bremen gehen wir anders mit der Situation um, setzen uns aber trotzdem kritisch damit auseinander“, hob Vereinspräsident Hubertus Hess-Grunewald erfreut hervor.

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