Werder-Profi Izet Hajrovic Hajrovic will schnelles Comeback

Izet Hajrovic will nach seinem Kreuzbandriss früher als geplant auf den Fußballplatz zurückkehren. "Ich werde stärker sein, als ich vor der Verletzung war", sagte er im Interview mit dem WESER-KURIER.
26.03.2017, 14:14
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Hajrovic will schnelles Comeback
Von Andreas Lesch

Izet Hajrovic will nach seinem Kreuzbandriss früher als geplant auf den Fußballplatz zurückkehren. "Ich werde stärker sein, als ich vor der Verletzung war", sagte er im Interview mit dem WESER-KURIER.

Sie ackern nun seit mehreren Monaten, um Ihr Knie wieder fit zu bekommen. Wie läuft‘s?

Izet Hajrovic: Sehr gut, danke. Das Knie tut längst nicht mehr so weh wie am Anfang. Ich bin auf einem guten Weg – und ich gehe davon aus, dass ich schon früher als geplant wieder auf den Platz zurückkehren kann.

Bisher hieß es, Sie würden erst in der Vorbereitung auf die kommende Saison wieder einsteigen. Wie ist jetzt Ihr Plan?

Ich bin bis Mitte April noch hier in Belgrad mit meinem Therapeuten. Danach werde ich wieder nach Bremen kommen und anfangen, individuell auf dem Platz zu trainieren. Das hat er mir so gesagt. Vielleicht bin ich dann Ende April, Anfang Mai schon wieder im Mannschaftstraining dabei.

Und Ihr Knie ist wirklich schon wieder in Ordnung, obwohl Ihr Kreuzbandriss nicht mal vier Monate her ist?

Im Moment ist noch etwas Flüssigkeit im Knie. Die stört ein bisschen. Aber es wird von Woche zu Woche besser, und die Schwellung, die wird von Woche zu Woche kleiner.

Sie haben sich Anfang Dezember im Spiel gegen den FC Ingolstadt verletzt. Sie wurden spät eingewechselt, und dann kam die 87. Minute: Fin Bartels flankte zu Ihnen …

… genau, und ich bin hochgestiegen, hab‘ den Ball angenommen, und als ich dann wieder gelandet bin, auf dem linken Bein, bin ich irgendwie mit den Schuhen im Platz hängengeblieben. So ist es mir zumindest vorgekommen, so hab‘ ich es gespürt. Dadurch hat sich das Knie nach außen gedreht, und dann hab‘ ich einen lauten Knall gehört im Knie. Und hatte große Schmerzen. Ich hab‘ gleich gewusst, dass da etwas nicht in Ordnung ist.

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Wie sehr hat Sie diese Verletzung getroffen? Sie hatten sich ja unter dem damals neuen Trainer Alexander Nouri gerade erst wieder ins Team gespielt.

Die Verletzung kam für mich natürlich im blödesten Moment. Denn nach dem Trainerwechsel von Viktor Skripnik zu Nouri ging es ja wirklich plötzlich wieder bergauf für mich. Nicht nur für mich, für die ganze Mannschaft. Ich war so froh, dass ich wieder spielen konnte – denn ich mag den Fußball, und ich mag es, auf dem Platz zu sein.

Sie wirkten in diesen Spielen im vergangenen Herbst wie befreit. Haben Sie sich auch so gefühlt?

Ja, ich habe mich auch so gefühlt, genau.

Und dann kam die Verletzung.

Ich war sehr traurig, als ich die Diagnose bekam, was da alles kaputt ist im Knie. Es war die schlimmste Verletzung, die ich in meiner Karriere hatte. Aber ich hatte gute Unterstützung vom Verein, vom Trainer, von den Spielern. Und meine Frau hat mich von Tag eins an immer unterstützt. Alle haben gesagt: Wir gucken, dass wir den Izet wieder auf Vordermann bringen. Das hat mir sehr geholfen.

Waren Sie nicht trotzdem verzweifelt – weil alles, was Sie sich gerade aufgebaut hatten, nun wieder dahin war?

Ich habe mir nach der Untersuchung, bei der alles rausgekommen ist, direkt gesagt: Okay, jetzt werde ich wieder positiv. Ich schaue, dass ich das wieder in Ordnung bringe. Ich vergesse einfach, was passiert ist. Und ich setze mir ein Ziel: Ich will stärker zurückkommen, als ich vorher war.

Wie hat Ihr Weg zu diesem Ziel angefangen?

Ich bin durch meinen Manager auf Andrej Milutinovic gestoßen, den Therapeuten, bei dem ich jetzt hier in Belgrad meine Reha mache. Eine Woche nach der Operation habe ich mit ihm losgelegt.

Und? Wie war der Start?

Die ersten zwei Monate, die waren schon heftig. Ich habe jeden Tag sieben bis acht Stunden meine Übungen und Therapien gemacht. Das war wirklich Hardcore-Training. Er hat mit mir Übungen gemacht, von denen ich noch nie in meinem Leben gehört hatte.

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Wie ging es Ihnen, wenn Sie abends fertig waren?

Da war ich platt. Ich bin immer morgens um acht Uhr zu ihm in die Praxis gefahren. Dann habe ich dort bis 13 Uhr gearbeitet. Dann hatte ich eine Pause von 13 bis 17 Uhr. Da habe ich gegessen, geschlafen, mich erholt. Um 17 Uhr ging’s dann wieder weiter – bis 20 Uhr.

Strammes Programm.

Absolut, ja. Ich habe gekämpft, jeden Tag. Aber mir macht dieser Kampf auch Spaß. Jede Woche sehe ich einen Fortschritt. Deswegen bin ich auch nie verzweifelt. Ich habe mit anderen Spielern geredet, die die gleiche Verletzung hatten wie ich. Die waren zu dem Zeitpunkt, an dem ich jetzt bin, nie im Leben so weit, wie ich es bin.

Ackern Sie jetzt immer noch jeden Tag so hart wie zu Beginn der Reha?

Nicht ganz. Als wir gesehen haben, dass ich schon sehr, sehr weit bin, haben wir das Training ein bisschen verändert. Aber trotzdem bin ich auch jetzt jeden Tag sechs bis acht Stunden bei meinem Therapeuten und mache dort mein Ding. Für mich im Kopf war wichtig, dass ich gespürt habe: Ich habe den Schmerz überwunden, den ich gehabt hatte.

Das hat Ihnen Kraft gegeben?

Genau. Mental hatte ich in der ganzen Zeit nie ein Problem. Ich war nie niedergeschlagen, ich war nie am Ende. Ich habe immer gewusst: Ich werde zurückkommen.

Warum waren Sie sich da so sicher?

Weil ich weiß, dass mein Therapeut Andrej Milutinovic ein Top-Mann in Europa ist – wenn nicht auf der ganzen Welt. Es ist immer alles genauso gekommen, wie er es vorhergesagt hat. Er hatte schon mit hunderten von solchen Verletzungen zu tun. Er hat so viel Erfahrung. Und er betreut viele bekannte Spieler – auch aus Spanien, Italien und Russland.

Sie haben mal gesagt, Milutinovic sei als Therapeut so gut wie Lionel Messi im Fußball. Sie scheinen schwer begeistert zu sein.

Absolut. Ich bin ja jetzt zum ersten Mal bei ihm, aber ich werde in Zukunft mit ihm weiterarbeiten. Er wird mir Übungen geben, und dann telefonieren wir, um zu besprechen, wie die Übungen wirken – und wann und wie wir sie ändern wollen. Es gibt Spieler, die arbeiten schon über zehn Jahre mit ihm. Die sind jetzt 35 oder 36, aber die spielen wie 25-Jährige. Weil sie topfit sind. Das ist auch mein Ziel: mit ihm bis ans Karriereende zu arbeiten. Weil ich sehe, dass etwas Gutes dabei rauskommen kann.

Was sagen denn Ihre Werder-Kollegen dazu, dass es bei Ihnen so gut vorangeht?

Ich war ja zuletzt Anfang März für ein paar Tage in Bremen. Ich habe gespürt, wie sich alle gefreut haben, dass ich wieder da war und dass es dem Knie schon so viel besser geht. Ich habe mich ja auch gefreut, wieder zurück zu sein in Bremen. An dem Tag, an dem ich gekommen bin, hatten wir ein Mannschaftsessen.

Extra wegen Ihnen?

Nein, nicht wegen mir. Auf den Termin hatte sich die Mannschaft schon vorher geeinigt. Mit den Jungs zusammen zu sein, zu essen, zu reden – das habe ich genossen. Das war ein schönes Gefühl. Ich habe an diesem Abend gemerkt, dass wir uns mögen und dass wir uns gegenseitig unterstützen. Der Mannschaftsgeist ist wirklich sehr ausgeprägt.

Haben Sie die Werder-Spiele in den vergangenen Monaten im Fernsehen gesehen?

Ich hab‘ die Spiele verfolgt, ja. Alle.

Und? Läuft ganz gut gerade, oder?

Das kann man wohl sagen. Ich bin richtig glücklich, wie gut es jetzt läuft. Wir haben von fünf Spielen keins verloren – von mir aus soll’s ruhig so weitergehen bis zum Ende der Saison. Und wir gewinnen ja nicht nur: Man sieht auch, wie die Mannschaft sich entwickelt. Wir stehen hinten jetzt endlich gut, und wir kriegen immer weniger Gegentore. Und vorne hauen wir die Dinger rein.

Wenn Ihre Mannschaft so weitermacht, wird sie nicht mehr lange im Abstiegskampf stecken, oder?

Nee, wenn’s so weiterläuft, auf gar keinen Fall. Dann werden wir da unten bald rauskommen. Mich freut es vor allem auch für unsere Trainer, dass es jetzt so gut läuft. Die haben das verdient. Sie haben seit dem ersten Tag, an dem sie hier waren, wirklich gut mit uns gearbeitet. Sie haben einfach so eine positive Stimmung ins Team reingebracht. Das zahlt sich jetzt aus.

Glauben Sie, Werder kann am Ende sogar noch einen einstelligen Tabellenplatz schaffen?

Was dabei rauskommt, ist schwierig vorauszusagen. Aber wenn’s so käme, dann wäre es am Ende doch noch eine Top-Saison für uns.

Ist es eigentlich ausgeschlossen, dass Sie in dieser Saison noch ein Bundesliga-Spiel machen?

Naja, das weiß ich nicht.

Sie haben noch ein bisschen Hoffnung?

Ja. Ich gehe davon aus, dass ich gegen Ende der Saison wieder fit sein werde. Aber wir wollen da nichts riskieren. Im Zweifelsfall warte ich lieber ab. Im Juni haben wir dann ja eh Urlaub, da kann ich mich erholen und meine Zusatz-Trainings weiter machen. Und wenn dann im Juli die Vorbereitung auf die neue Saison anfängt, möchte ich hundertprozentig einsteigen – ohne irgendwelche Beschwerden.

Zumal die Konkurrenz bei Werder für Sie ja vermutlich wieder stark sein wird. Da werden Sie alle Kraft brauchen.

Klar, die Konkurrenz ist da. Aber am Ende kommt es darauf an, was ich auf den Platz bringe. Ich werde auf jeden Fall bereit sein. Und ich werde bis dahin garantiert an meinem Ziel sein: Ich werde stärker sein, als ich vor der Verletzung war.

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