Halbfinale im DFB-Pokal

Werders Gegner RB Leipzig scheint übermächtig

Werder ist im Halbfinale des DFB-Pokals - mal wieder. Doch auf die Freude über den Sieg gegen den SSV Jahn Regensburg folgt die Ernüchterung: Werders nächster Gegner ist der RB Leipzig.
08.04.2021, 22:03
Lesedauer: 3 Min
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Von Carsten Sander
Werders Gegner RB Leipzig scheint übermächtig

07.04.2021, Bayern, Regensburg: Fußball: DFB-Pokal, Jahn Regensburg - Werder Bremen, Viertelfinale im Jahnstadion Regensburg. Bremens Trainer Florian Kohfeldt tröstet Bremens Romano Schmid (3.v.l) nach dem Spiel. WICHTIGER HINWEIS: Gemäß den Vorgaben der DFL Deutsche Fußball Liga bzw. des DFB Deutscher Fußball-Bund ist es untersagt, in dem Stadion und/oder vom Spiel angefertigte Fotoaufnahmen in Form von Sequenzbildern und/oder videoähnlichen Fotostrecken zu verwerten bzw. verwerten zu lassen. Foto: Armin Weigel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Armin Weigel/dpa

Die Schwere der Aufgabe packte Florian Kohfeldt in einen Nebensatz. Das Halbfinale im DFB-Pokal erreicht zu haben, löste beim Trainer des SV Werder Bremen natürlich große Freude aus. „Das ist für uns ein tolles, tolles Ergebnis“, sagte er nach dem mühsam erkämpften 1:0-Viertelfinalsieg bei Zweitligist SSV Jahn Regensburg, „jetzt wollen wir nach vielen Halbfinals, die wir in letzter Zeit gespielt haben, endlich auch den letzten Schritt machen – wenn es irgendwie geht.“ Und in diesem letzten, leicht seufzend vorgetragenen Teil der Aussage steckt drin, was der Werder-Coach über Halbfinalgegner RB Leipzig mit seinem Trainerfreund Julian Nagelsmann denkt. Tatsächlich zum ersten Mal seit 2010 wieder ins Finale zu kommen, wird schwer. Vielleicht sogar unlösbar schwer.

Leipzig, der aktuelle Tabellenzweite der Bundesliga und letztjährige Pokalfinalist, sei die größte Herausforderung, die sich noch im Wettbewerb befinde, „der härteste Gegner“, so Kohfeldt. Nun ist es freilich keine Überraschung, in der Runde der letzten vier Mannschaften auf ein starkes Team zu treffen. Aber RB Leipzig ist eben sehr speziell für Werder. In den vergangenen drei Duellen mit den Sachsen waren die Bremer jeweils chancenlos. 0:3, 0:3 und 0:2 hieß es – es ist eine Bilanz, die deutlich macht: Wenn sich Werder einen Gegner hätte wünschen dürfen, dann ganz sicher nicht dieses RB Leipzig.

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Zumal die eigene Vorstellung am Mittwochabend in Regensburg auch nicht dazu verführte, im Team von Trainer Kohfeldt einen Anwärter auf eine Pokalüberraschung zu sehen. Die Leistung reichte zwar, um ein wunderschönes Tor durch Yuya Osako zu erzielen (52.) und um einen durchschnittlichen Zweitligisten wie Jahn Regensburg zu besiegen, aber dass das dargebotene Bremer Können auch ausreichen wird, einen überdurchschnittlich guten Erstligisten wie Leipzig aus dem Rennen zu werfen, muss Stand jetzt stark bezweifelt werden.

Aber möglicherweise wird darüber schon am Samstag, 17.20 Uhr, ganz anders gedacht. Der Zufall will es, dass sich Leipzig nur drei Tage nach dem Halbfinaleinzug des SV Werder in der Bundesliga in Bremen vorstellt. Man kann es Generalprobe nennen oder erstes Beschnuppern – für Kohfeldt bleibt es ein ganz normales Bundesliga-Spiel: „Es werden auf beiden Seiten Spieler gesperrt oder verletzt fehlen, die in drei Wochen wieder dabei sein werden. Von daher kann es keine Generalprobe sein.“ Aber eine Gelegenheit, um zu lernen, ist es allemal. Noch mal Kohfeldt: „Wir werden die bestmögliche Mannschaft aufstellen und die bestmögliche Idee entwickeln, um zu punkten.“ Und wenn sich diese Idee als unwirksam erweisen sollte, könnte im Halbfinale schon eine andere, neue die richtige sein.

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In Duellen mit Nagelsmann („Wir kennen uns so gut, da gibt es keine Geheimnisse mehr“, so Kohfeldt) hat der Bremer Coach allerdings erst einmal einen Dreh gefunden, um den Kollegen zu besiegen. Mit dem 1:0 im Mai 2019 tat Werder Nagelsmann aber gleich doppelt weh. Es war damals dessen letztes Heimspiel als Trainer von 1899 Hoffenheim, für ihn und sein Team ging es theoretisch sogar noch um die Champions-League-Qualifikation. Doch weder wurde eine Abschiedsparty draus noch führte Nagelsmann die Hoffenheimer am Ende ins internationale Geschäft. Die TSG verlor durch ein Tor von Johannes Eggestein und wurde letztlich noch hinter Werder nur Neunter.

Nun könnte Kohfeldt dem Kumpel und Kollegen Nagelsmann wieder zweimal wehtun. Schon ein Unentschieden im Punktspiel am Samstag würde die Titelambitionen der Leipziger (derzeit sieben Zähler hinter Spitzenreiter Bayern München) wohl endgültig in der Weser versenken. Und im Pokal ist eh klar: Es gibt nur Siegen oder Weinen.

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Viermal hat Werder in der aktuellen Pokalsaison gesiegt und gelacht, ist dabei jeweils ohne Gegentor geblieben und so unter Cheftrainer Kohfeldt zum zweiten Mal nach 2019 ins Halbfinale vorgestoßen. Auch als Co-Trainer von Viktor Skripnik fehlte 2016 nur noch ein Schritt bis zum Endspiel – beide Male kam gegen Bayern München das Aus. Auf ein drittes Mal gegen RB Leipzig hat Kohfeldt nachvollziehbar keine Lust. Diesmal will er es endlich ins Finale nach Berlin schaffen – irgendwie.

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