Erster Tag im Trainingslager

Harte Arbeit für Kopf und Körper

Ein weißes Zelt neben dem Trainingsplatz erregte am ersten Tag des Zillertal-Trainingslagers das Interesse vieler Zuschauer. Was es damit auf sich hat, hat Sportchef Frank Baumann erklärt.
12.07.2018, 21:58
Lesedauer: 3 Min
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Harte Arbeit für Kopf und Körper
Von Christoph Bähr

Direkt neben dem Trainingsplatz ragten die bewaldeten, grünen Berge in den blauen Himmel. Die Sonne schien. Die rund 150 Fans auf der Tribüne waren schon vor dem ersten Training der Werder-Profis im Zillertal-Trainingslager bester Laune. In solch einer Atmosphäre kann schnell Urlaubsstimmung aufkommen, allerdings nicht bei Florian Kohfeldt. Der Werder-Trainer machte seinen Spielern am Donnerstag in Zell am Ziller schnell klar, dass er in jeder Einheit höchste Erwartungen an sie stellt. Als Sturmtalent Josh Sargent bei einer Passübung etwas lässig agierte, rief Kohfeldt ihm zu: "Würdest du auch im Spiel solch einen Pass spielen?"

Die Aussage ist eindeutig: Die Werder-Profis sollen jedes Training so ernsthaft angehen wie ein Pflichtspiel, ganz besonders jetzt in der Vorbereitung, denn die Phase vor der Saison ist Kohfeldt enorm wichtig. "Das ist die Zeit, in der man als Trainer sehr viel Einfluss nehmen kann, weil Ergebnisse nicht so eine große Rolle spielen, sondern die Inhalte", unterstrich er.

Der 35-Jährige ist als akribischer Arbeiter bekannt und hat auch das Zillertal-Trainingslager bis ins letzte Detail geplant. Als Themenschwerpunkte für die Zeit bis zur Abreise am 21. Juli hat Kohfeldt das Gegenpressing und die Spieleröffnung festgelegt. Damit sich die Werder-Profis in diesen Bereichen verbessern, sind zumeist zwei Einheiten pro Tag angesetzt. Dazu kommen die Testspiele gegen den FK Pribram, den MSV Duisburg (beide 15. Juli) und den 1. FC Köln (20. Juli).

Gleich am Donnerstag standen Übungen zum Spielaufbau aus der Abwehr heraus auf dem Programm. Alle 26 mitgereisten Spieler waren dabei, auch Sebastian Langkamp, den leichte muskuläre Probleme plagen. Kohfeldt selbst war ebenfalls mittendrin, stand auf dem Platz und griff immer wieder korrigierend ein. "Es geht mir um verschiedene Spieleröffnungen, um da noch einen Tick variabler zu werden", hatte er seine Intention im Vorfeld erläutert.

Das weiße Zelt

Damit seine Spieler auch bildlich vor Augen geführt bekommen, was er möchte, greift der Trainer im Zillertal zu einem neuen Mittel. Direkt neben dem Trainingsplatz steht ein weißes Zelt mit großem Fernseher darin, das sich zweifellos auch gut eignen würde, um eine Gartenparty zu feiern. Es dient jedoch einem anderen Zweck. Mehrmals beorderte Kohfeldt seine Mannschaft ins Zelt. "Am Donnerstag gab es vorgefertige Präsentationen zum Training zu sehen. In den kommenden Tagen werden wir dann auch noch Live-Bilder vom Training zeigen", sagte Sportchef Frank Baumann. Die Video-Analysten, die jede Einheit vom Dach der benachbarten Schule filmen, liefern dann also blitzschnell aktuelle Aufnahmen, die den Spielern vorgeführt werden können. "Man muss nicht alles ausschöpfen, was auf dem Markt ist, aber was sinnvoll ist, das sollte man auch nutzen", betonte Baumann.

Bereits während des Wintertrainingslagers in Algorfa stand ein Container in der Nähe des Trainingsplatzes, in dem Kohfeldt mit seinen Spielern in Ruhe sprechen konnte. Da sich dieser nicht direkt neben dem Feld befand, passierte dies aber nur vor dem Training. Im Zillertal sind es dagegen nur ein paar Schritte bis ins Zelt. "Die Nähe zum Training ist sehr, sehr wichtig", verdeutlichte Baumann. "Wenn man erst irgendwo hingeht oder ins Hotel fährt, geht etwas verloren."

Somit werden die Spieler körperlich und geistig enorm gefordert. Auf die Anstrengung auf dem Trainingsplatz folgen direkt Konzentrationsphasen, in denen sie den Erklärungen und Videopräsentationen folgen müssen. "Die Jungs werden abends müde ins Bett fallen", sagte Baumann.

Eggestein-Brüder sind gern auf einem Zimmer

Die Betten der Werder-Profis stehen auch beim siebten Zillertal-Aufenthalt im Posthotel, wo die Mannschaft Donnerstag gegen 13 Uhr ankam. Die Zimmereinteilung wurde schon vorher festgelegt. Teammanager Tim Barten hatte eine Liste angefertigt, die Kohfeldt dann noch einmal zu sehen bekam. "Bislang musste ich nicht korrigierend eingreifen", sagt der Trainer. Es gebe gewisse Traditionen. Wer ein Einzelzimmer bekommt, sei festgelegt. Dieses Privileg steht vor allem den verdienten Stammspielern zu. Maximilian Eggestein zum Beispiel könnte auf ein eigenes Zimmer bestehen, will sich aber lieber eines mit seinem Bruder Johannes teilen. "Die beiden Brüder sind gerne zusammen", sagte Kohfeldt.

Über mehrere Jahre teilten sich auch die Freunde Theodor Gebre Selassie und Zlatko Junuzovic ein Zimmer. Nun ist Junuzovic jedoch zur RB Salzburg abgewandert. "Also liegt Theo jetzt alleine auf einem Zimmer", erzählte Kohfeldt grinsend. Was die Spieler auf ihrem Zimmer machen, also wann sie etwa die Konsole ausschalten oder was für Snacks sie sich genehmigen, bleibt übrigens weitestgehend ihnen überlassen. Es gebe keinen Katalog mit Verhaltensregeln, sagte Baumann und fügte hinzu: "Natürlich haben wir ein paar Spielregeln, aber die Jungs wissen ohnehin, wie sie sich zu verhalten haben."

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