Kohfeldts Luxusproblem in der Offensive Heimat der Härtefälle

Yuya Osako und Fin Bartels sind zurück, Werder hat quasi ein Überangebot im Angriff. Einige Spieler wird Florian Kohfeldt also künftig enttäuschen müssen. Aber wer hat im Moment eigentlich die besten Chancen?
14.03.2019, 08:27
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Heimat der Härtefälle
Von Malte Bürger

Florian Kohfeldt dürften einige schwierige Wochen bevorstehen. Nicht etwa, weil es sportlich nicht läuft, sondern weil er ein echtes Luxusproblem hat. In Werders Offensive tummeln sich die Angreifer. Mit Fin Bartels, Martin Harnik und Yuya Osako drängen drei potenzielle Stammspieler zurück ins Team, die mal mehr, mal weniger lang gefehlt haben. Dabei hatten die Bremer auch vorher schon genügend Optionen für die Abteilung Attacke. Da wird es fraglos einige Härtefälle geben, über die der Cheftrainer sein Urteil abgeben muss. Geht der Daumen für das Wochenende hoch – oder doch runter. Das ist Alltagsgeschäft, kann aber trotzdem unangenehm sein. Kohfeldt fürchtet sich nicht davor. „Das sind jetzt die Entscheidungen, die nicht einfach sind“, sagte er, „es sind aber auch genau die Entscheidungen, die ich haben will.“

Insgesamt acht Offensivspieler streiten sich theoretisch um die Plätze im Kader, rechnet man den allmählich gesundenden Aron Johannsson mit, sind es sogar deren neun. Logisch, dass der US-Stürmer momentan die schlechtesten Chancen hat – für ihn geht es überhaupt erst einmal um eine Rückkehr auf den Rasen. Aber wie sieht es bei seinen Offensivkollegen aus?

Max Kruse

Über den Kapitän muss man nicht diskutieren. Der 30-Jährige ist ein absoluter Fixpunkt im Bremer Spiel und ohne Wenn und Aber gesetzt. „Unumstritten“, wie Florian Kohfeldt unter der Woche noch einmal betonte. Ein Zweifel bestand daran ohnehin nicht. Zu wichtig ist Kruse für Werder, seit Wochen zeigt er überragende Leistungen.

Milot Rashica

Seit etwas mehr als einem Jahr steht der Kosovare jetzt an der Weser unter Vertrag. Der Verein hat seinerzeit eine für Bremer Verhältnisse enorm hohe Ablöse hingeblättert (rund 7,5 Millionen Euro), um den Flügelflitzer von Vitesse Arnheim zu holen. Wer derart viel Geld kostet, weckt natürlich auch hohe Erwartungen. Der Umstieg von der niederländischen Eredivisie zur deutschen Bundesliga dauerte aber eine ganze Zeit, zwischenzeitlich avancierte Rashica gar zum Chancentod. Mittlerweile scheint diese Phase vorbei, vor allem in Heimspielen trifft er regelmäßig und mausert sich immer mehr zum Knipser. „Wenn er das jede Woche so wie gegen Augsburg oder Schalke machen würde, dann müsste ich ja Angst haben, dass er im Sommer nicht mehr bei uns ist“, sagt Kohfeldt schmunzelnd. Nachholbedarf gibt es aber natürlich trotzdem, Rashica soll noch konstanter werden. „Das ist ein Thema, das er bei sich hat und wir mit ihm haben.“ Nichtsdestotrotz führt derzeit kaum ein Weg am 22-Jährigen vorbei.

Johannes Eggestein

Ein größeres Lob kann ein junger Spieler kaum bekommen. Es war im vergangenen August, als Florian Kohfeldt über den jüngeren Eggestein-Bruder sagte: „Über ihn denke ich nicht nach.“ Wenn man den Zusammenhang nicht kennt, könnte das schnell despektierlich klingen. Doch so ist es nicht, im Gegenteil. Werders Coach wollte damit zum Ausdruck bringen, dass er den Junioren-Nationalspieler keinesfalls unberücksichtigt lassen wolle. Diese Zusage erneuerte er jetzt. „Bei Milot Rashica und Johannes Eggestein würde ich mich aufgrund ihrer Leistungen und ihrer Positionsprofile im Moment sehr schwertun, sie aus dem Kader zu nehmen.“ Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Eggestein gegen Schalke zuletzt nur auf der Bank saß – bedeutender ist, dass er zuvor sechs Mal in Folge spielte. Seine Vielseitigkeit ist längst sein großes Plus.

Yuya Osako

Im Grunde zählt der Japaner zu den absoluten Lieblingsspielern des Trainers, Osakos Fähigkeiten sieht Kohfeldt nur zu gern auf dem Platz. Das Problem: Die Konkurrenz hat zuletzt reichlich Eigenwerbung betrieben, während der Ex-Kölner durch sein Gastspiel beim Asien-Cup und die anschließende Rückenverletzung fast anderthalb Monate fehlte. Für den Kader sollte es dennoch reichen, die Startelf könnte noch etwas zu früh kommen.

Martin Harnik

Erst drohte ihm eine lange Pause, dann kehrte er schneller als gedacht zurück – und machte sofort dort weiter, wo er vorher aufgehört hatte: Er traf. Nicht selten gibt es Kritik an seiner Spielweise und Chancenverwertung, doch zuletzt stimmte seine Quote, wenn er in der Liga oder im Pokal auflief (drei Tore, zwei Vorlagen). Ist Harnik also unverzichtbar? Florian Kohfeldt beantwortet diese Frage etwas kryptisch: „Das kann man so sehen, muss man aber nicht. Er kämpft wie alle anderen um seinen Platz.“

Claudio Pizarro

Der Altmeister bastelt weiter an seiner Erfolgsgeschichte. Satte 23 Mal stand er für Werder in dieser Saison schon auf dem Platz, hat wettbewerbsübergreifend fünf Tore erzielt. Nicht schlecht für einen 40-Jährigen. Gewünscht hatten sich das sicherlich viele Fans, aber ob sie auch wirklich damit gerechnet haben? Trotz dreier Startelfeinsätze bleibt der Peruaner der Mann für die speziellen Momente, der Edel-Joker, der für den „Pizarro-Effekt" bei Werder und dem Gegner sorgen soll. Erst einmal bremst ihn jedoch eine Muskelverletzung aus.

Fin Bartels

Die Schlagzeilen des vergangenen Spieltages gehörten dem Rückkehrer. Nach 15-monatiger Verletzungspause robbt sich Bartels wieder an die Startelf heran, zuletzt gab er schon einmal ein mehrminütiges Comeback. Sein Anspruch wird sein, wieder von Beginn an zu spielen – momentan erscheint das noch etwas weiter weg. „Aber wenn Fin wieder seine alte Form erreicht, dann kann er einen Status wie Max Kruse bekommen“, betont Kohfeldt.

Josh Sargent

Der US-Stürmer ist im Begriff, eine Bilderbuch-Karriere hinzulegen. Gerade einmal 19 Jahre ist Sargent alt, doch in seiner ersten Profisaison erzielte er schon zwei Tore. Momentan steckt er noch im Pendelverkehr zwischen Startelf, Reservebank und Tribüne. „Josh wusste, dass solche Situationen entstehen können“, sagt Florian Kohfeldt. „Er ist so jung und hat eigentlich schon viel mehr gespielt, als es der ursprüngliche Plan war. Nichtsdestotrotz hat er den Ehrgeiz und kämpft um seinen Kaderplatz. Es ist kein Automatismus, dass ein Fin Bartels jetzt in den Kader kommt. Oder ein Yuya Osako. Wenn Josh für mich besser drauf ist oder besser zum Gegner passt, dann steht er im Kader."

Aron Johannsson

Er ist und bleibt Werders Pechvogel. Nach einer Achillessehnenverletzung hat sich der 28-Jährige erneut zurückgekämpft, wird am kommenden Wochenende in der U23 erstmals wieder Spielpraxis sammeln. „Nach der englischen Woche nach der Länderspielpause hoffe ich, dass er das komplette Mannschaftstraining bei uns macht“, sagte Kohfeldt. „Und dann liegt es an ihm.“

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