Herausforderung Bundesliga Ole Werner wirkt zu hohen Erwartungen entgegen

Trainer Ole Werner wirbt beim Blick auf die neue Saison für Sachlichkeit: Es könne nur über den Zusammenhalt und die Gruppe gehen - von den Rahmenbedingungen her zähle Werder zu den kleineren Mannschaften.
17.07.2022, 18:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Daniel Cottäus

Im Grunde ist es eine Situation, von der jeder Trainer träumt – und zwar Sommer für Sommer aufs Neue. Möglichst früh vor dem ersten Pflichtspiel den Kader komplett haben, das gilt in der Fußballbranche als eine Art Optimalzustand, weil die Zeit zum Kennenlernen und Einspielen dann besonders groß und damit die Wahrscheinlichkeit auf einen erfolgreichen Saisonstart zumindest erhöht ist. Beim SV Werder Bremen ist der Trainerwunsch in diesem Sommer bereits in Erfüllung gegangen.

Mit der Verpflichtung von Mitchell Weiser hat der Aufsteiger seine Personalplanungen bis auf Weiteres abgeschlossen, was Chefcoach Ole Werner wenig überraschend zufriedenstellt. „Es ist wichtig, dass das Team zu einem möglichst frühen Zeitpunkt so komplett wie möglich ist und wir die Baustellen jetzt so weit geschlossen haben“, betont der 34-Jährige, der die Erwartungen des Umfelds an seine neue Mannschaft deshalb aber nicht überhöht sehen möchte. „Man muss die Dinge realistisch einschätzen“, sagt Werner – und hält fest: „Auch wenn der Name Werder Bremen nach wie vor groß ist – von den Rahmenbedingungen her zählen wir zu den kleineren Mannschaften.“

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Es sind Sätze, die sich leicht mit Zahlen belegen lassen. So wird das Bremer Gehaltsbudget für die Saison 2022/23 bei schätzungsweise 30 bis 35 Millionen Euro liegen, was im Bundesligavergleich ziemlich wenig ist. „Beim Gehaltsbudget werden wir auf einem Abstiegsplatz stehen“, hatte Sportchef Frank Baumann bereits Anfang Juni im Interview mit unserer Deichstube gesagt. Gleiches gilt auch für die TV-Geld-Tabelle, in der Werder mit 36,2 Millionen Euro vor dem VfL Bochum (33,2) Vorletzter ist. Zum Vergleich: Branchenprimus Bayern München kassiert als Erster 95,3 Millionen, Eintracht Frankfurt als Siebter 77 Millionen und Mainz 05 als Elfter 51,2 Millionen Euro.

„Es wird bei uns nur über die Gruppe gehen“, sagt Werner, "weil wir, und das ist ja kein Geheimnis, nicht die Möglichkeiten haben, wie es bei anderen Teams der Fall ist. Das, was wir finanziell zur Verfügung haben, ist nicht auf dem Niveau, wie es an vielen anderen Bundesliga-Standorten herrscht.“ Auch ein kurzer Blick auf die Marktwert-Tabelle aller 18 Bundesligisten sei da sehr aussagekräftig. Laut des Rankings ist Werders aktueller Kader insgesamt 62,6 Millionen Euro wert – Platz 17 vor dem Schlusslicht VfL Bochum (36,2) und Lichtjahre hinter dem Spitzenreiter aus München (850,6). „Wir müssen als Team zusammenhalten, denn einen echten Star haben wir nicht“, hatte Torhüter Jiri Pavlenka unlängst gesagt und seinem Coach damit vermutlich aus der Seele gesprochen.

Ich vertraue meinen Jungs.
Werder-Trainer Ole Werner

Damit an dieser Stelle keine Missverständnisse aufkommen: Gut leben kann Ole Werner mit seinem Kader sehr wohl. „Für das, was uns zur Verfügung steht und mit dem, was wir daraus gemacht haben, bin ich zufrieden“, betont er, und natürlich traut er seiner Mannschaft den Klassenerhalt zu: „Ich vertraue meinen Jungs.“

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Werners erdende Sätze zwei Wochen vor dem ersten Pflichtspiel im DFB-Pokal gegen den FC Energie Cottbus und drei Wochen vor dem Bundesliga-Auftakt beim VfL Wolfsburg – sie sind also kein Zeichen von Pessimismus, sondern eher die Bitte nach einem möglichst sachlichen Blick auf den SV Werder im Sommer 2022. Das schöne und längst nicht abgeklungene Gefühl des Aufstiegs, verheißungsvolle Transfers sowie die Tatsache, dass die Mannschaft – ganz anders als im Vorjahr – dieses Mal frühzeitig steht, könnte in der Tat bei so manchem Fan und Beobachter für eine zu große Erwartungshaltung sorgen. Dem wirkt Werner entgegen.

Sein Credo vor dem Saisonstart lautet deshalb: „Wichtig ist, dass wir das Maximum aus unseren Möglichkeiten herausholen. Dass wir entsprechend hart arbeiten. Aber ich weiß, dass die Saison eine große Herausforderung für uns wird. Und je mehr Leute in Bremen das auch wissen, desto eher gelingt uns diese Herausforderung auch.“ 

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