Werder vor dem Pokalspiel gegen Köln

Herzensangelegenheit für Ujah

Der 1. FC Köln, das ist für Werder-Stürmer Anthony Ujah noch mehr ein besonderes Spiel als die Begegnung mit dem FSV Mainz. Am Mittwoch treffen Werder und die Kölner im DFB-Pokal aufeinander.
26.10.2015, 00:00
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Von Thorsten Waterkamp

Der 1. FC Köln, das ist für Werder-Stürmer Anthony Ujah noch mehr ein besonderes Spiel als die Begegnung mit dem FSV Mainz. Am Mittwoch treffen Werder und die Kölner im DFB-Pokal aufeinander.

Mittlerweile greift Ujah allerdings nicht mehr nach einem Ziegenbock, wenn er trifft, sondern nach seinem Trainer. Nach seinem 1:0 in Mainz sprintete der wochenlang torlose Stürmer zu Viktor Skripnik – ein Geste des Dankes: „Er hat mir sehr geholfen“, sagt Ujah: „Jetzt hoffe ich, es geht so weiter.“

Das darf es gerne. Am Mittwoch kommt der 1. FC Köln ins Weserstadion, es ist Pokal und damit schon grundsätzlich ein besonderes Ereignis für das pokal-entwöhnte Bremen. Mehr als viereinhalb Jahre ist es schließlich her, dass der DFB-Pokal eine Mannschaft an die Weser führte: Der FC Augsburg, damals noch Zweitligist, kam im Halbfinale und unterlag mit 0:2. Torschützen damals: Marko Marin und Claudio Pizarro. Ihre Treffer führten Werder ins Endspiel gegen die Bayern (0:4) – dieser Finaleinzug sollte, was damals selbst größte Pessimisten kaum ahnten, das letzte Kapitel einer grün-weißen Erfolgsperiode sein.

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In Zahlen ausgedrückt waren es 34 Tore in 94 Spielen. Für Ujah aber geht es um mehr als nackte Statistiken, für ihn, den Gefühlsmenschen, geht es auch um Emotionen. Der Nigerianer ist keiner, der einfach wechselt und nur einen Haken hinter einer weiteren Station seines Profi-Daseins macht. Noch heute ist der Nigerianer seinem ersten Klub in Europa, dem norwegischen Erstligisten Lilleström SK, herzlich verbunden.

Gegen Köln gefordert

Nicht nur für seins. Ujahs Tore bauten eine ganze Mannschaft auf. Endlich wieder drei Punkte, endlich andere Töne als Krisengerede, endlich die Bestätigung, dass doch etwas geht. „Die zwei, die er zuletzt gegen Bayern versemmelt hat, hat er in Mainz reingemacht“, erinnerte Sportchef Thomas Eichin daran, dass schon vor einer Woche mehr möglich gewesen wäre als ein 0:1 gegen die Münchner – wenn Ujah denn bloß schon eher getroffen hätte.

Am Mittwoch wird der Stürmer, der gegen seinen Ex-Klub Mainz getroffen hat, wieder gefordert sein. „Wär’ schön, wenn er jetzt auch gegen seinen Ex-Klub Köln trifft“, sagt Eichin. Denn für Werder geht es um einiges, es geht um mehr als nur den sportlichen Erfolg. Pokal, das heißt auch: zusätzliche Einnahmen. Geld, das der Klub braucht. Eichin: „Es ist ein sehr wichtiges Spiel.“

Werders Nummer eins im Angriff dürfte die Bedeutung möglicher Tore gegen Köln sehr wohl klar sein. Ujah sagt auch (ganz Profi eben): „Ich will dieses Spiel gewinnen. Ich gebe alles – nachher können wir ja über die Vergangenheit reden.“ Nur jubeln will er gegen Köln nicht.

Die Frage der Taktik

Wie schon gegen die Bayern versuchte sich Werder auch in Mainz mit einem 4-1-4-1: Skripniks Team kam damit hervorragend klar. Aus der defensiven Ausrichtung gegen die ballbesitz-orientierten Gegner resultierte eine oft vermisste Stabilität. Die Folge: Werder lässt hinten wenig zu und kommt in diesem Geduldsspiel irgendwann selbst zu Chancen.

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Aber taugt diese Taktik auch grundsätzlich zum Bremer Modell? Hält Skripnik daran auch im Pokal gegen Köln fest? Das ist offen. Zwar hatte sich Werders Trainer vor der Mainz-Partie sehr wohl gesagt: „Warum sollst du etwas anders machen, wenn es gerade so gut geklappt hat?“ Für die Partie gegen die eher defensiv auftretenden Kölner aber gelte: „Nächstes Spiel. Nächster Gegner. Nächste Aufgabe.“

Dabei scheinen seine Spieler durchaus Gefallen gefunden zu haben am Spiel mit der doppelten Viererkette. „Wir haben uns in den letzten beiden Spielen sehr viel Sicherheit geholt“, urteilt Jannik Vestergaard beispielsweise. Und Schlussmann Felix Wiedwald findet: „Ich würde nicht sagen, dass da etwas geändert werden muss.“

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