Werder Bremen Hoffnungsträger Ekici macht Werder Sorgen

Donaueschingen. Ein Jahr lang hat Mehmet Ekici wegen Leistenproblemen unter Schmerzen gespielt. Bei Werder will es der Mittelfeldspieler jetzt ohne Spritzen probieren. Ein erfolgloser Versuch, denn Ekici ist weiterhin verletzt.
19.07.2011, 16:28
Lesedauer: 2 Min
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Hoffnungsträger Ekici macht Werder Sorgen
Von Olaf Dorow

Donaueschingen. Jeden Morgen muss er recht früh aufstehen. Dann fängt ein umfangreiches Behandlungsprogramm an. Er ist aber kein Werder-Verteidiger, von denen so viele verletzt sind. Er ist der Hoffnungsträger fürs Mittelfeld. Mehmet Ekici sagt, dass es von Tag zu Tag besser geht. Aber wann er wieder mittrainieren kann, weiß er nicht. Die Adduktoren schmerzen. Schon wieder, muss man in diesem Fall sagen.

Es kommt von der Leiste. Die Leiste ist ein Problem. Sie ist quasi sein Schwachpunkt, das gibt er ehrlich zu. Vor einem Jahr hieß die Diagnose: Leistenbruch rechts, Leistenbruch links. Er spielte das ganze Jahr unter Schmerzen. Die Schmerzen wurden weggespritzt. Jetzt will er das richtig ausheilen, ohne Spritzen. Das kann dauern. "Die Saison ist noch lang", sagt er. Ein Hoffnungsträger, der sich nicht einspielen kann mit seinen neuen Kollegen, der das letzte Jahr nur mit schmerzstillenden Spritzen überstand - das ist ungefähr das Gegenteil von dem, was Werder Bremen in seiner aktuellen Situation gebrauchen kann.

Im zähen Ringen, die Mannschaft trotz angespannter Haushaltslage zu verstärken, kam heraus, dass bereits die Verpflichtung von Mehmet Ekici für rund fünf Millionen Euro Ablösesumme ein Sprung ins wirtschaftliche Risiko gewesen sein soll. Für einen wegen des hohen Krankenstandes geforderten weiteren Abwehrspieler fehlt vorerst das Geld. Gibt es jetzt etwa auch noch das "Problem" Ekici?

"Ich könnte jetzt natürlich auch mit Spritzen spielen", sagt er, "aber die Gesundheit geht vor." Natürlich wäre er gern dabei in der Vorbereitung auf die neue Saison. Bislang hat er erst ein paar Trainingstage auf Norderney mitgemacht und vor anderthalb Wochen ein Testspiel in Leer. Seitdem pausiert er wegen seiner Leisten- und Adduktoren-Beschwerden.

Die Erwartungen in Bremen sind hoch, wenn der Name Ekici fällt. Bei seiner offiziellen Vorstellung betonten Trainer Thomas Schaaf und Manager Klaus Allofs, dass er das spielerische Element neu beleben soll. Im Jahr eins nach Mesut Özil war in der Schaltzentrale ein Vakuum entstanden. Vereinfacht gesagt ist Ekici dazu da, dass Werder wieder Werder-Fußball spielt. Die Kollegen lobten den gebürtigen Münchener mit türkischen Wurzeln. Marko Marin sagte zum Beispiel: "Das ist eine Riesenverstärkung für uns." Man würde schon in den ersten Trainingseinheiten sehen, wie ball- und kombinationssicher er sei.

"Ich weiß, was ich kann", sagt Ekici. Er blickt auf ein Jahr zurück, das man selbst bei größerer Zurückhaltung als einen Durchbruch bezeichnen darf. Der FC Bayern hatte ihn an den 1. FC Nürnberg ausgeliehen. Er kam aus der dritten Liga. "Ich war eigentlich ein Niemand", sagt er. Nach der Saison war er das nicht mehr. Er hatte gemeinsam mit Gündogan den Nürnberger Höhenflug befeuert und einen stattlichen Marktwert. Im hochgerüsteten Bayern-Kader sah er jedoch wenig Einsatzchancen voraus. Er entschied sich für das Bremer Angebot.

Weil dem Durchbruch aber ein Leistenbruch vorausging, und weil ihn immer wieder Leistenschmerzen begleiteten, stellt sich nun die bange Frage: War der Preis vielleicht zu hoch? Momentan lässt sich diese Frage kaum seriös beantworten. Es ist nur so, dass in Bremen das Thema "verletzte Leistungsträger" ein, sagen wir mal: sensibles Thema ist. Die Stichworte sind bekannt. Sie heißen Naldo, Mertesacker, Silvestre, Prödl, Boenisch, Pizarro. Seit einigen Tagen pausiert auch Tim Borowski wieder, bei dem in der letzten Saison oft genug eine Verletzung die andere ablöste.

Werder sei eine qualitativ gute Mannschaft, sagt Mehmet Ekici ganz artig. "Unser Ziel ist es, erst mal schönen attraktiven Fußball zu spielen", sagt er. Man wolle "oben angreifen". Halb Bremen hofft, dass es so kommt. Zurzeit aber: hat der Hoffnungsträger Mehmet Ekici an einer Verletzung zu knabbern, die leider schon eine lange Vorgeschichte besitzt.

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