Werder Bremen Hunt: Auf Wiedergutmachung brennen

Bremen. Werder Bremen bleibt in der Bundesliga aktuell weit hinter den Erwartungen zurück. Im Interview spricht Mittelfeldspieler Aaron Hunt über die vielen hohen Niederlagen, die Europa League und seine persönliche Zukunft.
01.03.2013, 05:48
Lesedauer: 5 Min
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Bremen. Für den SV Werder Bremen ist der Start in die Rückrunde enttäuschend verlaufen. In den ersten sechs Spielen nach der Winterpause hat der Fußball-Bundesligist lediglich sechs Punkte geholt und dabei sage und schreibe 18 Gegentore kassiert. Nur Hoffenheim, Fürth und Stuttgart haben im neuen Jahr eine noch schlechtere Bilanz. Zeit für Bremens Mannschaftskapitän Aaron Hunt, Stellung zu beziehen. Patrick Hoffmann sprach mit dem 26-Jährigen über die sportliche Situation bei Werder, die vielen Gegentore und einen möglichen Wechsel ins Ausland.


Herr Hunt, wie sehr steckt das 1:6 gegen München vor dem Spiel gegen Augsburg noch in den Köpfen der Mannschaft?
Aaron Hunt: Ein 1:6 bekommt man nicht so leicht aus den Köpfen, das ist immer noch drin. Aber wir haben es ja als Fußballer immer ganz gut, dass wir jede Woche wieder ein neues Spiel haben und es dann auch wieder besser machen können.

Nach dem 0:5 gegen Dortmund zum Rückrundenauftakt hatte die Mannschaft lange daran zu knabbern. Wie ist es jetzt?
Das Spiel gegen Dortmund war vielleicht noch ein bisschen bitterer, weil wir zu Hause gespielt haben, und weil wir uns zum Rückrundenauftakt sehr viel vorgenommen haben. Gegen Bayern haben wir auch eine ziemlich hohe Niederlage kassiert, aber unter anderen Umständen. Das soll jetzt keine Ausrede sein, aber es ist sehr schwer gegen den FC Bayern, so wie die im Moment drauf sind. Nach einem solchen Spiel müssen wir jetzt eigentlich darauf brennen, es wiedergutzumachen.

Geht das denn überhaupt? Kann man ein 1:6 gegen München mit einem Sieg gegen den Drittletzten Augsburg wirklich wiedergutmachen?
Natürlich kann man immer wieder etwas gutmachen. Wenn man 1:6 verloren hat, kann man erwarten, dass die Mannschaft eine Reaktion zeigt, gerade in einem Heimspiel. Das ist das, was wir uns vornehmen. Wir wissen aber auch, dass Augsburg momentan gut drauf ist, dass das kein leichtes Spiel wird. Und wir haben uns gegen Augsburg in der Vergangenheit auch immer ein bisschen schwergetan.

Haben Sie eine Erklärung für die vielen hohen Niederlagen in dieser Saison?
Nee, habe ich nicht. Das sind Niederlagen, die wehtun. Kein Fußballer verliert gerne hoch, und in diesen Spielen waren wir meist ziemlich chancenlos. Wie zuletzt gegen Bayern, wo wir uns dann auch nicht richtig gewehrt haben.

Und warum haben Sie sich nicht gewehrt? Gegen München hat die Mannschaft das ganze Unheil ja irgendwann nur noch über sich ergehen lassen.
Ja, das ist richtig. Ich denke, die ersten 20 Minuten gegen Bayern waren ganz gut. Aber das reicht halt nicht. Nach einem 0:1 ist man dann als Mannschaft gefordert, die Vorgaben des Trainers weiter umzusetzen. Das haben wir da sicher vermissen lassen.

Werder hat bislang 47 Gegentore kassiert. Wäre es nicht hilfreich, etwas defensiver zu spielen?
Ach, diese Systemfrage ist für mich gar nicht wichtig. Wenn jeder seine Aufgaben erfüllt, dann können wir guten Fußball spielen und gut verteidigen. Es müssen bloß alle mitmachen. Dann ist auch egal, mit wie vielen Defensivspielern man spielt.

Nach schwachen Leistungen wird in dieser Saison immer wieder auf den Umbruch verwiesen. Macht es sich der Verein da nicht ein bisschen zu einfach?
Man kann nicht immer alles auf den Umbruch schieben, das ist keine Frage. Aber wir haben halt eine junge Mannschaft, die auch noch in vielen Situation lernen muss. Da kann noch nicht alles auf Anhieb klappen. Das ist die erste Saison nach dem Umbruch, wir haben viele neue Spieler. Viele spielen ihre erste oder zweite Saison in der Bundesliga. Und dann dann ist es vielleicht auch normal, dass wir viele Leistungsschwankungen haben.

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Und das ändert sich mit mehr Erfahrung?
Ja. Jeder wird sicherer, je mehr Spiele er macht. Ich kenne das ja von mir auch: In der ersten Saison geht man in viele Situationen etwas hektischer oder zu übermotiviert. Das ist völlig normal. Jeder lernt mit der Zeit dazu.

Andererseits haben Spieler wie Elia, Arnautovic oder De Bruyne ja bereits viel Erfahrung im Profifußball gesammelt.
Das schon. Aber Elli (Eljero Elia; Anm. d. Red.) hat in Italien fast ein Jahr lang nicht gespielt, das muss man auch berücksichtigen. Und Kevin (De Bruyne; Anm. d. Red.) spielt seine erste Saison in der Bundesliga. So kann man das jetzt bis nach hinten durchgehen. Wir haben Potenzial, das kann man sicher erkennen. Aber wir konnten das noch nicht so in der Tabelle rüberbringen.

Das stimmt, Werder ist aktuell nur Tabellenzwölfter.
Ja, und das ist auch für uns enttäuschend, weil wir wissen, dass mehr für uns drin ist.

Das Saisonziel lautet ja eigentlich Europa League. Gucken Sie noch nach oben?
Nach so einem Spiel wie gegen München mache ich das natürlich nicht. Es bringt ja auch nichts, jede Woche zu sagen, dass wir jetzt wieder eine Chance haben, an die Europa-League-Plätze heranzukommen. Wir müssen erst mal unsere Spiele gewinnen. Und wenn die Europa-League-Plätze dann drei, vier Spieltage vor Saisonende noch in Reichweite liegen, dann können wir sagen, dass wir da noch angreifen wollen.

Haben Sie denn das Gefühl, dass die Mannschaft in ihrer Entwicklung auf einem guten Weg ist, damit Werder in ein paar Jahren wieder oben mitspielen kann?
Wir haben viele talentierte Spieler. Aber es sind auch Spieler dabei, wie Kevin oder Nils, bei denen man nicht weiß, ob sie nächste Saison noch in Bremen spielen. Von daher wäre es gut, wenn solche Spieler hierbleiben würden.

Kevin De Bruyne und Nils Petersen sind ausgeliehen. Sokratis hat bereits angedeutet, dass er über einen Wechsel im Sommer nachdenken wird. Und Marko Arnautovic hat erst kürzlich ein Angebot aus Kiew gehabt.
Erst mal hat Werder ja nur die beiden Baustellen Nils und Kevin. Die anderen beiden haben ja noch Vertrag, da weiß ich nicht, was passieren wird. Aber es wäre sicher nicht gut, wenn uns die beiden im Sommer auch noch verlassen würden.

Weil Werder dann der nächste Umbruch drohen würde.
Ganz genau.

Ihr Vertrag läuft ebenfalls 2014 aus. Wie sind Ihre Pläne? Wollen Sie den Weg, den Werder eingeschlagen hat, weiter mitgehen?
Darüber habe ich noch nicht großartig nachgedacht. Ich lasse das alles erst mal auf mich zukommen. Natürlich hänge ich an dem Verein, keine Frage, und ich gucke mir sicher auch an, wie sich das alles entwickelt. Und dann werden wir mal schauen.

Würde Sie ein Wechsel ins Ausland reizen?
Das Ausland hat man als Spieler immer im Hinterkopf. Das reizt einen natürlich schon. Aber wie gesagt: Ich habe noch eineinhalb Jahre Vertrag, und im Fußball kann man ja ohnehin nie richtig planen. Und deshalb habe ich da jetzt auch keine Eile und der Verein, denke ich, auch nicht. Von daher ist das für mich momentan überhaupt kein Thema.

Sie spielen eine richtig gute Saison bei Werder, vielleicht die beste in Ihrer Karriere. Ärgert es Sie, dass das gerade ein bisschen untergeht, weil meistens von der Schießbude Werder die Rede ist?
Das ist nicht wichtig für mich. Ich will mit der Mannschaft Erfolg haben. Dass da einige jetzt von der Schießbude reden, tun sie zu Recht. Wir haben viele Gegentore kassiert, das ist die Wahrheit, damit müssen wir uns auseinandersetzen. Aber es ist nicht so, dass ich das Gefühl habe, da jetzt zu kurz zu kommen.

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