Werder Bremen Hunt muss seine Reife beweisen

Zell am Ziller. Heute ist Aaron Hunt mit 25 Jahren der drittälteste Bremer Bundesliga-Profi, wenn man mal Stand-by-Torwart Christian Vander außen vor lässt. Eine neue Rolle? Es habe sich ein bisschen verändert, sagt Hunt eher vorsichtig.
22.07.2012, 11:09
Lesedauer: 2 Min
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Zell am Ziller. Als Aaron Hunt das erste Mal für Werder in der Bundesliga gespielt hat, war er genau 18 Jahre und 14 Tage alt. Er lief am 18. September 2004 gegen Hannover 96 auf an der Seite von Johan Micoud, Nelson Valdez und Fabian Ernst. Micoud hat seine Karriere längst beendet, Valdez ist in der Ukraine und Ernst in der Türkei.

Heute ist Aaron Hunt immer noch erst 25, doch am Freitagabend, beim Bremer Testspiel gegen Energie Cottbus, war er der älteste Werderaner in der Startelf.

Spieler gingen, Spieler kamen, Erfolge kamen, Erfolge gingen – wer immer blieb, war Hunt. Normal sei das doch, dass „Spieler gehen und kommen“, sagt der Mittelfeldmann, ohne dabei zu berücksichtigen, dass ausgerechnet er selbst doch die Ausnahme dieser Regel ist. Mittlerweile steht kein Profi länger im Kader der Grün-Weißen als er. „Schon komisch“, findet Hunt.

Schon komisch, wie seine Karriere so verlaufen ist. In gut sechs Wochen wird er 26 Jahre alt, das ist für einen Fußballer das beste Alter. Ein Fußballer ist dann, sagt man, auf dem Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit. Körperlich einerseits, aber er ist auch gereift, er hat Erfahrungen gesammelt, er entwickelt Routine – es ist der Moment des Scheitelpunkts einer Laufbahn. Aaron Hunts Karriere dagegen verlief in Wellen. Er gilt in der Wahrnehmung immer noch als ein relativ junger Profi, aber er ist schon lange Ex-Nationalspieler – sein letzter, sein zweiter Einsatz im DFB-Dress datiert aus dem August 2010, damals ging es gegen die Elfenbeinküste.

Er hat in seiner Karriere oft mit und gegen seinen Körper kämpfen müssen. Es ging so weit, dass er sich einmal, 2007 war es, aus Verzweiflung und Ratlosigkeit über Schmerzen im Knie die Weisheitszähne ziehen ließ, die, so mutmaßte er, die Wurzel des körperlichen Übels sein könnten. Er ist Werderaner seit 2001, als er als B-Jugendlicher aus Goslar kam – bei den Bremer Fans allerdings suchte er lange, lange Akzeptanz, er war oft ihr Buhmann, wenn es bei allen nicht lief. Hunt fand sich irgendwann damit ab. Schon komisch, diese Karriere.

Heute ist Aaron Hunt, der immer noch junge Berufsfußballer, der drittälteste Bremer Bundesliga-Profi, wenn man mal Stand-by-Torwart Christian Vander außen vor lässt. Eine neue Rolle? Es habe sich ein bisschen verändert, sagt Hunt eher vorsichtig. Man tut sich noch schwer, ihn als Führungsspieler wie einen Clemens Fritz, den neuen Team-Senior, zu sehen, und es klingt so, als ginge es Hunt ähnlich. Verwundern muss das nicht, wenn man vergleicht: Fritz, bald 32, kam vor sechs Jahren zu Werder, also in jenem Alter, in dem sich Hunt heute befindet. Er reifte in Bremen zu der Persönlichkeit an, die er heute ist.

Aaron Hunt wird seine Reife dennoch in dieser Saison beweisen müssen. Seine Erfahrung wird die junge, in weiten Teilen des Kaders unerfahrene Mannschaft benötigen. Wie er sich in diese Rolle einfügt, wird ein interessantes Experiment sein. Thomas Schaaf, Werders Trainer, der einzige Profi-Trainer, den Aaron Hunt je hatte, könnte die Rolle Hunts im Team auch nach außen hin dokumentieren, er könnte ihn zum Beispiel zum Vize-Kapitän hinter Clemens Fritz machen. Am Freitagabend gegen Energie Cottbus stand Fritz erst in der zweiten Hälfte auf dem Platz, die neongelbe Spielführerbinde trug bis zur Pause nicht Aaron Hunt, sondern Philipp Bargfrede. „Eine spontane Entscheidung“ sei das gewesen, sagte Schaaf nach der Partie. Man solle daraus nichts ableiten.

Gedanken müsse er sich zum aktuellen Zeitpunkt der Vorbereitung um andere Dinge machen. Die Entscheidung, welche Werderaner Fritz’ Vertreter werden, sagte Thomas Schaaf und zeigte in den grauen Zillertaler Himmel, „die ist noch hinter den Wolken“.

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