Delaney dämpft die Erwartungen bei Werder

„Ich bin kein Messias“

Er ist erst ein paar Tage bei Werder, aber Thomas Delaney fühlt sich schon richtig wohl.
09.01.2017, 00:47
Lesedauer: 3 Min
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„Ich bin kein Messias“
Von Nikolai Fritzsche
„Ich bin kein Messias“

Hält ganz gern den Ball flach, nicht nur bei diesem Pass: Thomas Delaney.

Andreas Gumz, gumzmedia

Er ist erst ein paar Tage bei Werder, aber Thomas Delaney fühlt sich schon richtig wohl.

Er ist erst ein paar Tage bei Werder, aber Thomas Delaney fühlt sich schon richtig wohl. „Die Kollegen sind nett und kümmern sich um mich“, sagt der Däne, der vom FC Kopenhagen zu Werder gekommen ist. Ob er sich auch in Bremen wohlfühlt, kann er noch gar nicht sagen – er hat schließlich erst zwei Tage in der Stadt verbracht. Dann ging schon der Flieger nach Südspanien ins Trainingslager.

Dort erlebt der 25-Jährige gerade am eigenen Körper, wie groß der Unterschied zwischen der ersten dänischen Liga und der Bundesliga ist. „Ich kenne es aus Dänemark eher so, dass man einmal am Tag eine Stunde und 20 Minuten trainiert“, sagt Delaney. Im Trainingslager hat die Mannschaft zumindest an den ersten Tagen zweimal trainiert, Schluss war erst nach eindreiviertel oder zwei Stunden.

In Dänemark defensiver und taktischer

Doch nicht nur die Dauer, sondern auch die Art des Trainings ist für Delaney neu. Beim FC Kopenhagen, bei dem Delaney vom Jugendspieler zum Profi wurde, sei das Training „defensiver und taktischer“ gewesen, sagt er. Zudem bekomme er es bei Werder „definitiv mit größeren Talenten“ zu tun als in Dänemark.

Delaney muss sich also anpassen. Dass er damit Schwierigkeiten hätte, ist beim Training nicht zu erkennen. Der Mittelfeldspieler gibt Kommandos und dirigiert seine Mitspieler, als wäre er nicht erst seit einigen Tagen Teil dieser Mannschaft, sondern schon seit langer Zeit. In Kopenhagen war er Kapitän; er ist es gewohnt, Verantwortung zu tragen und das Spiel seiner Mannschaft zu steuern. „Es gehört zu meinem Spielstil, das Spiel zu kontrollieren“, sagt Delaney.

Er sagt aber auch: „Das wird vielleicht nicht von Anfang an funktionieren.“ Schließlich sei das Spiel in der Bundesliga intensiver und schneller als in Dänemark. „In Dänemark sagt man: In Deutschland hast du immer einen Gegenspieler im Rücken“, erzählt Delaney.

Jedes Wochenende Champions-League

Und: „Es geht 90 Minuten lang immer vor und zurück, vor und zurück.“ Für ihn stehe ab jetzt „jedes Wochenende Champions League“ an. So sehr unterschieden sich die beiden Ligen.

Delaney will die Erwartungen an ihn dämpfen. Er weiß, dass seine Verpflichtung in Bremen große Hoffnungen ausgelöst hat, deshalb sagt er: „Ich bin kein Messias, der hier alles besser machen wird.“ Er weiß, dass ihm der Ruf vorauseilt, ein außergewöhnlicher Spieler zu sein – und findet: „Es gibt im Team wahrscheinlich größere Talente als mich.“

Man sollte sich von diesen Aussagen nicht dazu verleiten lassen, an Delaneys Selbstvertrauen zu zweifeln. Auf dem Platz tritt er mit großer Selbstverständlichkeit auf; er vertraut auf seine Fähigkeiten. Nicht umsonst bezeichnete Ståle Solbakken, Delaneys Trainer in Kopenhagen, den 25-Jährigen als den mental stärksten Spieler, den er je gesehen habe.

Nervös vielleicht gegen Dortmund

Mit Blick auf seinen ersten Einsatz für Werder am Montag sagt Delaney: „Es ist ein wichtiges Spiel für mich. Aber nervös bin ich nicht. Vielleicht bin ich gegen Dortmund nervös.“ So richtig vorstellen kann man sich das nicht, dafür wirkt Delaney zu entspannt.

Auch wenn er es nicht so sagt, und auch wenn er auf die große Konkurrenz auf seiner Position im zentralen Mittelfeld verweist: Selbstverständlich ist es Delaneys Anspruch, in Bremen Stammspieler zu werden. Und zwar nicht erst irgendwann in der Rückrunde, sondern von Anfang an.

Delaneys Selbstvertrauen schlägt sich auch darin nieder, dass er sich deutlicher als viele andere ausdrückt, wenn er auf die ersten Pflichtspiele nach der Pause angesprochen wird. Die Spiele gegen den BVB und Bayern München seien „realistisch gesehen nicht die Spiele, in denen wir unsere Punkte holen sollten“, sagt er. „Wir werden alles versuchen, aber auch null Punkte wären keine Katastrophe.“

Höhen und Tiefen sind eingeplant

Delaney rechnet nicht nur für die Mannschaft, sondern auch für sich persönlich damit, dass es in seinen ersten Monaten in Deutschland Höhen und Tiefen geben wird. „Ich habe selbst große Erwartungen an mich“, sagt er, „aber es ist wichtig, realistisch zu sein.“

Dann erzählt er noch, dass sein Deutsch trotz der 30 Stunden Unterricht, die er im heimischen Kopenhagen genossen habe, als sein Wechsel nach Bremen bereits feststand, bisher nur für „basic football conversation“ ausreiche. Für einfache Fußballgespräche also.

Wenn sich bewahrheitet, was aus Dänemark über Thomas Delaney zu hören ist, wird das Erlernen der deutschen Sprache ihm deutlich mehr Schwierigkeiten bereiten als die Anpassung an den deutschen Fußball.

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