Interview mit Ex-Werder-Profi Peter Niemeyer "Ich bin wieder da, wo ich hingehöre"

Bremen. Peter Niemeyer spielt für Hertha BSC Berlin - erst als Leihgabe, anschließend ist er gleich in der Hauptstadt geblieben. Am Sonntag kehrt der Mittelfeldspieler zu seinem alten Klub Werder Bremen zurück.
21.09.2011, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Peter Niemeyer war ein Jahr lang eine Bremer Leihgabe an den Zweitligisten Hertha BSC. Als der Defensivallrounder mit den Berlinern aufstieg, verwandelte sich sein Vertrag in eine Festanstellung bei dem Hauptstadtklub. Am Sonntag kehrt Niemeyer, den Werder 2007 aus Enschede holte, erstmals zurück ins Bremer Weserstadion - als feste Größe bei der Hertha. Mit dem 27-Jährigen sprach Thorsten Waterkamp.

Herr Niemeyer, wie ist es, nach einem Jahr zweite Liga wieder in der Bundesliga zu spielen?

Peter Niemeyer:Wir haben das Gefühl, endlich wieder da zu sein, wo wir hingehören. Und ich bin auch wieder da, wo ich hingehöre. Die zweite Liga war eine Erfahrung; es hat ja auch gut geklappt, keine Frage. Aber es ist natürlich eine Genugtuung, wieder da zu sein, wo wir uns sehen.

Als Sie noch bei Werder waren, hatten Sie Angebote auch aus der zweiten Liga, wollten damals aber nicht wechseln. War die Ausleihe zum Zweitligisten Berlin im Nachhinein doch der richtige Schritt?

Im Nachhinein: vielleicht ja. Aber Hertha war auch nicht der typische Zweitligist. Mit Hertha hat’s gepasst, das ganze Modell, alles war schlüssig. Für den Klub war der Abstieg ja auch nur ein Ausrutscher. Deshalb war der Wechsel für mich eher ein Schritt zur Seite und weniger ein Schritt zurück.

Das heißt konkret?

In Bremen war ich einer von vielen und hier war ich einer der Führungsspieler in einer Mannschaft, von der alle gesagt haben: Das ist keine Zweitliga-Mannschaft.

Sie haben viele Freunde in Bremen, jetzt kommen sie am Sonntag zurück ins Weserstadion. Was Besonderes?

Das ist schon was Besonderes, ich freue mich schon drauf. Auch mal wieder ins Weserstadion zu kommen, obwohl die Heimfans mich wohl nicht anfeuern werden...

Einen warmen Applaus aus der Ostkurve dürfte es aber schon geben. Sie sind ja nicht im Unfrieden geschieden...

Ja, es würd’ mich schon wundern, wenn nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie pfeifen werden. Ich habe mich mit dem Verein identifiziert und immer alles gegeben.

Wissen Sie noch, wer der Gegner bei ihrem letzten Spiel im Weserstadion war?

Oh, da erwischen Sie mich auf dem falschen Fuß...

Ihr Stammverein Twente Enschede, am 25. Februar 2010.

Hm, ja. Stimmt! Das Pokalfinale war später in Berlin. Gegen Enschede hatte ich schon leichte Schmerzen im Sprunggelenk, in der Bundesliga habe ich dann noch in Mainz gespielt – und dann ging gar nichts mehr. Wir hatten zwischen Enschede und Mainz nur 48 Stunden Pause.

Bei der Hertha sind Sie ohne größere Blessuren durchgekommen und gehören zum Stammpersonal. Wie zufrieden sind Sie mit dem Saisonstart? Gut gelungen?

Ja. Wir haben zwar auch Punkte liegen lassen, die man nicht hätte liegen lassen dürfen wie gegen Augsburg am vergangenen Wochenende. Aber wir haben auch Punkte gesammelt, die nicht einkalkuliert waren.

Siehe Dortmund.

Ja. Aber wir sind auch kein typischer Aufsteiger. Ich glaube schon, dass wir unseren Platz gefunden haben.

Dortmund muss doch für Sie persönlich ein ganz spezielles Spiel gewesen sein. Sie erzielen das dritte Bundesliga-Tor Ihrer Karriere, und erstmals entscheiden Sie damit eine Partie – ausgerechnet beim Meister in diesem riesigen Stadion.

Na ja, die anderen beiden Tore, die ich für Werder gemacht habe, waren definitiv schöner (lacht). Es war natürlich klasse, so früh in der Saison in Dortmund zu spielen. Da sind die Erinnerungen an die zweite Liga noch ganz frisch, wenn man zum Beispiel in Oberhausen vor 7000 Zuschauern gespielt hat und wenig später dieses Extrem in Dortmund erlebt. Da als Sieger vom Platz zu gehen, das ist ein sehr schönes Gefühl.

Aktuell steht Werder in etwa da, wo Dortmund eigentlich stehen wollte. Überrascht Sie der Bremer Höhenflug nach dieser schwachen vergangenen Saison?

Mich hat das vergangene Jahr überrascht. Ich habe nie gedacht, dass es für Werder so schlecht laufen könnte. Aber sie haben aus dem vergangenen Jahr gelernt und sind zusammengewachsen. Selbst ein Spiel wie in Heidenheim...

...das Pokal-Aus...

...das wirft die Mannschaft nicht aus Bahn. Ich freue mich, dass sie wieder in die Spur gefunden haben. Eigentlich wundert es mich nicht, dass sie wieder eine so gute Rolle spielen. Dazu ist die Mannschaft einfach zu stark, sie kann auch Ausfälle kompensieren. Das ist eine der Stärken von Bremen.

Wo liegt die Stärke von Hertha?

Die liegt darin, dass wir im vergangenen Jahr ein schweres Jahr hatten. Der mediale Druck, der hier unglaublich ist, der schweißt zusammen. Und der Erfolg, der schweißt noch mal zusammen. In der Bundesliga wird das Kollektiv immer wichtiger, um Erfolg zu haben. Dortmund in der vergangenen Saison ist dafür ein gutes Beispiel. Auf dieser Ebene braucht man zwar auch individuelle Klasse, aber vor allem auch das Kollektiv. Da sehe ich unsere Stärke.

Das ist eine Antwort, die so in etwa auch der ein oder andere Werder-Profi hätte geben können. In Nürnberg ist die Mannschaft zusammengerückt, das war beeindruckend. Sehen Sie Parallelen zwischen Ihrer alten und Ihrer neuen Mannschaft?

Mit Parallelen zwischen einem letztjährigen Champions-League-Teilnehmer und einem Aufsteiger tue ich mich schwer. Auch wenn es sich blöd anhört: Hertha tat es gut, einmal ein Jahr durch die Knochenmühle zweite Liga zu gehen und jetzt mit Demut wieder anzugreifen. Die Vereine Bremen und Hertha kann man überhaupt nicht vergleichen. Das ist, als würde man Fisch mit Buletten vergleichen. Hier ist die Hauptstadt mit dem medialen Umfeld, das den Verein total prägt. In Bremen gibt es das eher Familiäre, dazu den ewigen Trainer – das ist nicht vergleichbar.

Was bedeutet das für das Spiel am Sonntag?

In der Bundesliga sollte man jedes Spiel für sich sehen. Man kann auch mal den deutschen Meister schlagen. Und man kann auch mal gegen einen Aufsteiger verlieren.

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