Füllkrug schwört Werder die Treue „Ich bleibe, egal in welcher Liga“

Stefanos Kapino hat im WESER-KURIER-Interview bereits erklärt, dass er mit Werder auch in die zweite Liga gehen würde. Nun zieht Niclas Füllkrug nach und schwört dem Klub ebenfalls die Treue.
25.03.2020, 15:04
Lesedauer: 4 Min
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Von Christoph Sonnenberg, Malte Bürger und Christoph Bähr

Normalerweise ist am Weserstadion fast immer etwas los. Fans kaufen im Fanshop ein, die Spieler fahren in ihren Dienstwagen vor, gehen zum Trainingsplatz, geben Autogramme. In Zeiten der Corona-Pandemie ist es jedoch auch am Osterdeich ruhig geworden. Nur die Greenkeeper pflegen den Rasen, während die meisten Werder-Profis zu Hause trainieren. Niclas Füllkrug ist einer der wenigen, die immer noch regelmäßig zum Stadion fahren. Er schuftet nach einem Kreuzbandriss, der zwei Operationen zur Folge hatte, für sein Comeback. Zwischendurch nahm sich der 27-jährige Stürmer Zeit für eine Telefonkonferenz mit Journalisten und sprach über ...

... seinen derzeitigen Alltag:

„Ich habe jetzt extrem viel Zeit mit meiner Familie zu Hause, übernehme ab und zu auch mal die Nachtschicht. Regelmäßig bin ich auch bei Werder, weil ich darauf angewiesen bin, zu trainieren und die nächsten Behandlungen zu bekommen. Ich bin aktuell sehr intensiv im Krafttraining und im sogenannten Return-to-Activity-Programm. Unter Berücksichtigung aller Hygienevorschriften kann ich allein mit einem Physiotherapeuten trainieren. Das ist wichtig. Die Behandlungen funktionieren natürlich nicht ohne Körperkontakt, aber mit Mundschutz und allen weiteren Vorsichtsmaßnahmen. Groß ausgebremst werde ich durch das Virus derzeit nicht. Durch das verschobene Saisonende kann ich mir außerdem endgültig die Zeit geben, die ich brauche.“

... seine Perspektive für die laufende Saison:

„Der Trainer hat ja schon ganz deutlich gesagt, dass es bei mir jetzt keinen Sinn hat, irgendwelche Ziele auszusprechen. Es geht eher darum, situativ zu schauen, wie weit ich bin und wie weit ich gehen kann. Je später die Saison zu Ende gespielt wird, desto höher ist natürlich die Wahrscheinlichkeit, dass ich noch einmal eingreifen kann – aber ausgehen tun wir davon erst einmal nicht.“

... seine Zukunftsplanung:

„Ich bleibe bei Werder, egal in welcher Liga. Ich bin natürlich gerade in einer schwierigen Phase und mir ist es wichtig, wieder gesund zu werden und zu spielen. Ich bin nicht nach Bremen gewechselt, um nur vier Spiele zu machen. Deshalb möchte ich noch ein paar Jahre hier spielen und gehe zu 99 Prozent davon aus, dass ich nächste Saison weiter bei Werder spiele.“

... den neuerlichen Eingriff im Februar:

„Ich hatte im Knie noch an ein, zwei Stellen etwas gemerkt von der Kreuzband- und Meniskus-OP aus dem September. Mittels einer diagnostischen Arthroskopie hat man noch einmal ins Knie hineingeschaut und es sozusagen gesäubert, denn an einigen Stellen hatte sich Narbengewebe gebildet. Das war wirklich nichts Dramatisches und auch nicht mit meinen anderen Verletzungen zu vergleichen. In meinem Reha-Prozess hat mich dieser Eingriff auch nicht großartig zurückgeworfen.“

... die psychische Belastung durch seine vielen Verletzungen:

„Natürlich hat man sich im Laufe seiner Karriere schon einmal gefragt, wo man stünde, wenn man nicht solch eine hohe Ausfallzeit gehabt hätte. Ich bin aber trotzdem sehr glücklich mit meinem Leben, mit meiner Familie und fühle mich gut. Mittlerweile hat man sich auch daran gewöhnt, dass man nicht mehr für den Ballon d’Or nominiert wird.“

... das Coronavirus:

„Ich glaube, dass ich stark genug bin, um das zu überstehen. Aber man hat ja auch eine Familie, von der wir uns aktuell so weit wie möglich fernhalten. Wir nehmen das alles sehr ernst. Gerade wenn man den einen oder anderen älteren Familienangehörigen hat, hofft man einfach, dass es keiner von ihnen bekommt. Zudem wird das Virus ja wirtschaftliche Folgen haben. Ich hoffe einfach, dass es uns allen demnächst wieder besser geht, aber das geht nur, wenn man das mit einer gewissen Ernsthaftigkeit angeht. Es gab ja viele Menschen, die bis zuletzt noch in Zehnergruppen im Park gegrillt haben. Da habe ich mich wirklich gefragt, ob das so sein muss – nett ausgedrückt.“

... die Situation bei ihm zu Hause:

„Wir haben mit unserer kleinen Tochter ordentlich zu tun. Macht ein Kind, dann habt ihr keinen Lagerkoller. So viel Zeit wie jetzt hatte ich noch nie für die Familie. Das ist wirklich toll. Ansonsten sitzt man mal vor dem PC oder schaut sich eine Serie an. Ich koche sehr viel, eine gute Bolognese zum Beispiel oder ein leckeres Stück Fleisch. Die Rezepte des Werder-Kochs habe ich noch nicht ausprobiert. Ich habe meine eigenen Rezepte. Die sind immer glutenfrei, und da ist immer meine eigene Note mit drin. Auf Gluten verzichte ich schon länger und fühle mich seitdem besser. Das kann ich jedem nur empfehlen. Die meisten Nahrungsmittel, die Gluten enthalten, sind ja auch ungesund.“

... die finanziellen Probleme der Fußballklubs:

„Werder steht finanziell ja sogar noch recht gut da und hat immer gut gewirtschaftet. Trotzdem gibt es jetzt Probleme, da kann man sich vorstellen, wie es anderen Vereinen geht. Selbst beim FC Bayern verzichten die Spieler und Verantwortlichen auf Gehalt. Wir müssen schauen, dass die Fußballbranche am Leben bleibt. Dazu müssen wir alle unseren Teil beitragen.“

... Werders sportlich enttäuschende Saison:

„Darüber denke ich derzeit gar nicht nach. Ich denke eher darüber nach, wie und ob die Saison zu Ende gespielt wird. Mein Wunsch ist, dass sie zu Ende gespielt wird und ich noch ein paar Spiele machen kann. Wir glauben daran, dass wir den Klassenerhalt schaffen. Diese Pause kann uns eventuell guttun, was nicht heißen soll, dass ich die Pause gut finde. Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass es nicht zur Corona-Krise gekommen wäre.“

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