Ujah vor dem Pokalspiel gegen Gladbach

„Ich sehe eine 50:50-Chance“

Nach dem enttäuschenden 1:1 gegen Köln beschwört der Elfmeter-Fehlschütz Anthony Ujah die Hoffnung auf das Weiterkommen gegen die starken Gladbacher. Warum er glaubt, dass Werder es schaffen kann.
14.12.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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„Ich sehe eine 50:50-Chance“
Von Thorsten Waterkamp

Nach dem enttäuschenden 1:1 gegen Köln beschwört der Elfmeter-Fehlschütz Anthony Ujah die Hoffnung auf das Weiterkommen gegen die starken Gladbacher. Warum er glaubt, dass Werder es schaffen kann.

Es ist erstaunlich, aber auch gut zu wissen, dass Hoffnung eine schier unendliche Quelle sein kann. So bemühte Florian Grillitsch auch gar nicht erst den Konjunktiv, als er nach dem ernüchternden 1:1 gegen den 1. FC Köln nach vorne schaute auf die abschließende Partie dieser Bundesliga-Hinrunde. „Wir wollen das letzte Spiel in Frankfurt gewinnen“, sagte der 20-Jährige und rechnete vor: „Dann haben wir 18 Punkte und damit mehr als letzte Saison.“

Klingt schon mal besser als 15 Zähler, die es aktuell sind. Frankfurt, das ist für Werder ein wichtiges Spiel, und zwar ein derart wichtiges, dass Thomas Eichin es bereits „Finale“ genannt hat: „Und danach schauen wir mal, wie viele Punkte wir zusammengekratzt haben. Aber wir schauen erst mal, wie wir das Gladbach-Spiel gut angehen.“ Bei Eichin klingt Skepsis durch, wenn er von der DFB-Pokalpartie am Dienstag spricht, und er dürfte damit auf große Zustimmung stoßen. Denn was soll ernsthaft gehen in Mönchengladbach? Eine Menge, findet Anthony Ujah.

„Wir glauben an uns“

Werders Elfmeter-Fehlschütze vom Sonnabend beschwört die vermeintlichen Gesetze des Pokals. „Letztendlich ist es ein schweres Spiel, keine Frage. Aber ich sehe eine 50:50-Chance“, sagt Ujah, „es geht nur um 90 Minuten. Wir glauben an uns. Wenn wir gut organisiert stehen, können wir etwas mitnehmen.“ So offensiv positiv wie der Stürmer geht kein anderer Bremer an die Pokal-Aufgabe heran. Denn den Pokal, betont Ujah, halte er für die leichtere Aufgabe als eine Partie im Liga-Alltag.

Es scheint, als heile die frischen Wunden, wenn man den Nigerianer so reden hört. Am Sonnabend noch war er derjenige, der Werders möglichen Matchball gegen den 1. FC Köln vergeben hat – sein vergebener Elfmeter sollte zum Knackpunkt werden in einem Spiel, in dem sich Werder zunächst auf der Siegerstraße wähnte. Weshalb nach der Partie gefragt wurde, ob Ujah wirklich hätte schießen sollen? Gegen seinen Ex-Klub? Gegen einen Torwart, der ihn kennt? Vor der Kölner Fankurve? Als gefoulter Spieler? „Ich habe kein Signal von meinen Kollegen bekommen, dass sie schießen wollten“, sagt Ujah. Und die Gründe, die gegen ihn sprachen? „Ich weiß, wie gut Horn ist – ich habe drei Jahre jeden Tag mit ihm trainiert. Aber das hatte ich nicht in meinem Kopf.“

Horn selbst übrigens war dankbar, dass sich ausgerechnet sein Ex-Kollege den Ball schnappte. „Es war besser für mich, dass Ujah geschossen hat und kein anderer Bremer“, argumentierte er. Ujah habe früher schon den Ball gerne mal geschoben – das tat er auch am Sonnabend. Horn wehrte sicher ab. Allerdings sparte der Schlussmann nicht mit Kritik an Werders Stürmer: Den Strafstoß nannte er „eine Unsportlichkeit“, er hätte erwartet, dass Ujah „zugibt, dass es kein Elfmeter war“. Ujah konterte: „Es gibt einen Kontakt, das kann ich sagen. Ob es stark genug ist oder nicht, das ist für mich egal.“

Ausgleichende Gerechtigkeit

Wie dem auch sei: Der Ball ging nicht ins Tor – was Eichin übrigens nach der Partie veranlasste, von „ausgleichender Gerechtigkeit“ zu sprechen. Selbst er hatte in dem Sturz Ujahs nach einer Berührung des Kölner Innenverteidigers Dominique Heintz nicht zwingend ein Foul erkennen wollen.

Für Werder war das Thema damit beendet. Keine Vorwürfe an Ujah, abhaken und den Blick nach vorn. So macht es Viktor Skripnik, der sogar versucht, so etwas wie Zuversicht nach einer mutlosen zweiten Halbzeit gegen Köln zu erzeugen: „Jetzt kommen zwei Auswärtsspiele, vor denen wir absolut keine Angst haben. Egal, wer da gegen uns auf dem Platz steht.“

Sätze, die Ujah gerne hört. Es ist ja Pokal, der besondere Gesetze haben soll. Und nicht nur das: Er hat definitiv auch andere Regeln als ein Bundesligaspiel. Ein Unentschieden gibt es nicht, und wenn sich die beiden Mannschaften partout nicht dazu durchringen können, nach 120 Minuten einen Sieger gefunden zu haben, gibt es eben die schöne Einrichtung des Elfmeterschießens.

Elfmeter? Wie wär’s? Anthony Ujah lacht. „Ich nicht...!“, wehrt er ab – Strafstöße kommen für ihn erst mal nicht mehr infrage, diese Wunde heilt selbst der Pokal nicht auf die Schnelle. Und falls es – wider Erwarten – am Dienstag in Gladbach zum Elfmeterschießen zwischen dem Favoriten Borussia und dem Außenseiter Werder kommen sollte: „Dann bin ich vielleicht der Letzte, der schießt. Nach Wiedwald.“

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