Füllkrug gibt sich kämpferisch „Ich will immer spielen“

Klare Ansage von Niclas Füllkrug: Werders Sommerzugang ist nicht nach Bremen gekommen, um auf der Bank zu sitzen. „Ich will immer spielen“, sagt er. Die Frage ist dabei nur noch: Wo genau?
30.07.2019, 08:24
Lesedauer: 4 Min
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Von Jean-Julien Beer

Niclas Füllkrug ist kein Mann für Kompromisse. Nicht vor dem Tor. Und auch nicht, wenn es um seine Rolle bei Werder geht. Beides machte er in den vergangenen Tagen im Trainingslager in Grassau deutlich. Kaum eingewechselt, schoss er beim 4:0-Sieg gegen den spanischen Erstligisten Eibar zwei Tore, jeweils nach einer sehr schönen Kombination. Keine spektakulären Treffer für einen professionellen Mittelstürmer wie Füllkrug, aber immerhin Tore. „Trotzdem sind diese Treffer egal“, sagte der Stürmer am Tag danach, „sie bedeuten mir nichts. Ich weiß ja, dass ich Tore schießen kann. Ich habe in der Bundesliga schon mehrfach zweistellig getroffen.“ Tore in der Vorbereitung hätten für ihn im Grunde keinen Wert, erklärt Füllkrug, „einmal habe ich in den Tests 16 Tore geschossen. Das bringt aber nichts. Wenn du davon überzeugt bist, ein guter Stürmer zu sein, brauchst du das nicht. Dann weißt du, was du im Spiel vor dem Tor zu tun hast. Es ist deutlich wichtiger, in der Saison zu treffen.“

„Ich spüre keinen Druck“

Entsprechend selbstbewusst blickt Füllkrug auch in Richtung Saisonstart. Werders neuer Stürmer, für 6,3 Millionen Euro aus Hannover gekommen, soll nach einem Knorpelschaden im Knie behutsam aufgebaut werden – schließlich fiel er vergangene Saison mehr als ein halbes Jahr aus. Werders Trainer Florian Kohfeldt erklärte deshalb nach Füllkrugs Doppelpack gegen Eibar, dass es ihn überraschen würde, wenn dieser schon am 1. Spieltag gegen Düsseldorf in der Startelf stehen würde. Der Torjäger selbst kontert so, wie man es von einem Vollblut-Stürmer erwartet: „Ich will immer spielen, immer von Anfang an und immer durch. Sonst hätte ich ja nicht nach Bremen wechseln brauchen.“ Er lacht dabei, und will noch einmal deutlich machen, wie er das meint: „Vielleicht wollte der Trainer mit seiner Aussage ja Druck von mir nehmen. Aber ich fühle keinen Druck. Warum sollte ich welchen haben?“ Klar, er stehe nach seinem Wechsel zu Werder erst am Anfang der Zusammenarbeit und müsse einige Abläufe auf dem Feld noch lernen, „aber das ändert nichts an meiner Einstellung: Ich will immer spielen.“ Am 1. Spieltag, meint Füllkrug, werde mit Sicherheit die beste Elf auflaufen. „Wenn ich dazu gehöre, habe ich mein Ziel erreicht. Wenn nicht, dann muss ich weiter daran arbeiten.“

Dabei ist es die beste Nachricht, dass er überhaupt hart arbeiten kann nach seinem Knorpelschaden – dem dritten im Alter von erst 26 Jahren. Füllkrug verkündet entsprechend stolz: „Wie prophezeit geht es meinem Knie gut. Ich kann alles mitmachen.“ Natürlich brauche er jetzt weitere Spielpraxis, um auf sein altes Level zu kommen. „Und das“, betont der Angreifer, „war in Hannover schon ziemlich hoch, nachdem ich ein paar Jahre verletzungsfrei war und viele Tore gemacht habe.“ Um dieses Niveau wieder zu erreichen, muss er sich bei Werder an einen völlig anderen Fußball gewöhnen. Weniger Testspiele, mehr flache Kombinationen als hohe Flanken, solche Dinge. „Ich habe das bereits relativ gut verinnerlicht. Im Training sieht das schon ganz gut aus“, findet Füllkrug. Jetzt würde er gerne mal länger spielen als 45 Minuten, um den Ernstfall im Werder-Trikot proben zu können.

„Außen zu spielen, geht gar nicht“

Kurios ist jedoch, dass er selbst ein wenig rätselt, wie genau Werders Offensive mit ihm auf dem Platz aussehen soll. „Ich bin ein zentraler Mittelstürmer“, betont er, „so einen hatte Werder vergangene Saison nicht.“ Der schnelle Milot Rashica gilt unter Kohfeldt zurecht als gesetzt, auch Yuya Osako genießt im Sturm eine Stammplatz-Garantie. Überraschend oft taucht der Japaner zentral im Angriff auf, also in der Füllkrug-Rolle. Beim Testspiel-Sieg gegen den 1. FC Köln in Lohne spielte Osako auch vorne zentral, und Füllkrug rechts auf der Außenbahn. „Aber das ging gar nicht“, findet Füllkrug, „auf Außen sehe ich mich nullkommanull. Dafür bin ich nicht der Typ. Ich bin ein zentraler Mittelstürmer.“ Die logischste Variante wäre deshalb, wenn Osako etwas versetzt hinter Füllkrug agiert oder Werder in einem Zwei-Mann-Sturm aufläuft. Füllkrug: „Das 4-3-3 funktioniert aber ganz gut, auch für mich. Ich bin gut als einzige Spitze.“ Gegen Eibar agierte Claudio Pizarro auf der Zehn hinter Füllkrug; diese Variante hat Bremens neuen Stürmer richtig begeistert. „Mit Claudio zu spielen, ist einfach geil“, erklärt Füllkrug, „der ist so mega-intelligent. Wenn der einen Ball spielt, dann weißt du auch sicher, dass der gut ankommt.“

Eine bestimmte Anzahl an Toren schwebt ihm für die neue Saison nicht vor. „Ich halte solche Marken nicht für schlau“, meint Füllkrug, „es spielen zu viele Einflüsse eine Rolle, ob du am Spieltag triffst oder nicht. Deine Gegenspieler, deine Form, deine Mitspieler. Ich versuche, alles zu optimieren, was ich beeinflussen kann.“ Denn einige Tore sollen es schon werden, das lässt Füllkrug durchblicken: „Ich definiere mein Spiel darüber, ob ich Tore schieße, weil ich ein Torjäger bin.“ Zwar wolle er auch ansonsten eine gute Leistung bringen und immer das Gefühl haben, das Beste heraus geholt zu haben; aber den Ball ins Netz zu befördern, steht über allem. Deshalb gefällt es ihm natürlich, dass Werder künftig laut Kohfeldt vermehrt mit einem zentralen Angreifer im Strafraum spielen möchte. „Vergangene Saison“, hat Füllkrug beobachtet, „spielte Werder ja ohne Mittelstürmer, da war der Strafraum sehr selten besetzt.“ Mit ihm soll das anders werden, und dass auf der Außenbahn bei Werder mit Theo Gebre Selassie und Ludwig Augustinsson zwei potenziell gute Flankengeber auflaufen, ist ihm natürlich auch nicht entgangen. „Aber bisher“, sagt Füllkrug, „haben wir im Training noch kaum Torabschlüsse geübt.“

Nationalelf ist jetzt kein Ziel

Er will sich die Tore aber ja ohnehin für die Pflichtspiele aufheben. Seine enorme Treffsicherheit im Strafraum beförderte ihn vor der Verletzung sogar in den Dunstkreis der Nationalmannschaft. Ob dieses Ziel noch in seinem Hinterkopf schlummert? Füllkrug wiegelt ab: „Die Nationalelf ist zwar tief im Inneren der Wunsch jedes Spielers. Aber jetzt habe ich keinen Gedanken daran, es gibt auch keine Träume in diese Richtung.“

Noch in diesem August will er lieber für Werder in der Startelf stehen – und die Geburt seiner Tochter erleben. „Ich freue mich riesig darauf, mit meiner kleinen Familie in unserem Häuschen in Bremen zu leben“, verrät Füllkrug, „selbst wenn ich dann wegen der Kleinen gar nicht mehr schlafen würde.“ Kein Zweifel: Füllkrug freut sich auf alles, was da nun kommt.

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