Bremer Torwart-Juwel Plogmann

"Ich will in die Bundesliga"

Der 17-jährige Torhüter hat sich in seiner ersten Vorbereitung mit den Profis ein Sonderlob verdient und will bei Werder den nächsten Schritt gehen. Dafür lehnte er Angebote namhafter Klubs ab.
14.07.2017, 19:52
Lesedauer: 4 Min
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Das ist schon eine freche Aktion gewesen. An einem der ersten Trainingstage in Zell am Ziller haben die Werder-Profis sieben gegen zwei zum Aufwärmen gespielt, und als Max Kruse zu den beiden unglücklichen Balljägern in der Mitte gehört hat, hat ihm der 17-Jährige Luca Plogmann den Ball doch glatt durch die Beine gespielt. Die Kollegen haben sich vor Lachen kaum noch halten können. Nur Kruse hat sich nicht so recht amüsiert.

Nun, da das Trainingslager zu Ende und die Mannschaft seit Freitag zurück in Deutschland ist, darf also mit Fug und Recht behauptet werden, dass Luca Plogmann einer derjenigen Spieler gewesen ist, die in Österreich auf sich aufmerksam gemacht haben, und das nicht nur durch seinen Beinschuss gegen Kruse. Plogmann hat auch sportlich überzeugt. „Er hat gezeigt, dass er zurecht hier war“, sagt Werders Torwarttrainer Christian Vander, „wir sind sehr zufrieden mit ihm.“

Plogmann hat schon einen Spind bei der Bundesligamannschaft

Tatsächlich hat Plogmann in den Übungseinheiten mit den Bundesligakeepern Jiri Pavlenka, Michael Zetterer und Jaroslav Drobny angedeutet, dass die Bremer da womöglich ein ganz großes Torwartjubel in ihren Reihen haben. „Luca bringt alles mit“, sagt Vander, „wenn er bereit ist, dazuzulernen, dann wird er in Zukunft auf jeden Fall ein Bundesligatorwart werden. Der Junge hat sich ein Sonderlob verdient.“

Plogmann müssen die vergangenen Monate indes wie ein endloser schöner Traum vorkommen. Im Mai hat er mit der deutschen U17-Nationalmannschaft das Halbfinale bei der Europameisterschaft in Kroatien erreicht und dabei alle Spiele bestritten. Im Juni hat er mit Werders U17 im Finale um die deutsche Meisterschaft gegen den FC Bayern gespielt und mit 0:2 verloren. Und so ganz nebenbei hat der Teenager in diesem Jahr auch noch sein Abitur gemacht. Während der U17-EM ist sogar extra ein Lehrer eingeflogen worden, damit Plogmann seine Prüfung schreiben und gleichzeitig am Turnier teilnehmen konnte. „Das war in diesem Jahr schon alles ziemlich stressig“, sagt Plogmann.

Aber es hat sich ja gelohnt. Plogmann ist nun nicht nur im Besitz der allgemeinen Hochschulreife, er ist von Werder auch befördert worden – wegen seiner tollen sportlichen Leistungen in der abgelaufenen Saison. Das Trainingslager im Zillertal ist deshalb erst der Anfang gewesen. In den kommenden Monaten soll Plogmann regelmäßig bei den Profis mittrainieren, die nötige Spielpraxis aber in der U19 sammeln. Er besitzt sogar schon einen eigenen Spind in der Kabine der Bundesligamannschaft. „Für mich geht ein Traum in Erfüllung“, sagt Plogmann. Training mit den Profis. Und dann auch noch bei Werder. Mehr geht nicht für einen Jungen aus dem Bremer Stadtteil Habenhausen, einem Werder-Fan durch und durch.

Erste fußballerische Schritte in Habenhausen

In Habenhausen hat Plogmann einst auch mit dem Fußballspielen begonnen, ehe er als Siebenjähriger in die Nachwuchsabteilung des SV Werder gewechselt ist. Jedoch nicht als Torwart, sondern als Angreifer. Den Weg ins Tor hat Plogmann erst viele Jahre später und nur durch Zufall gefunden. Unmittelbar vor einem Hallenturnier mit Werders U12 hatte sich der Torwart krankgemeldet. Plogmann bekam von seinem Trainer die Torwarthandschuhe überreicht. „Geh du mal ins Tor“, meinte er bloß zu Plogmann. Werders Junioren gewannen das stark besetzte Turnier souverän, und Plogmann wurde als bester Keeper des Turniers ausgezeichnet. Danach ist Plogmann zwar gelegentlich ins Tor gegangen, hat aber meist im Feld gespielt. Erst in der U15 ist er vor die Wahl gestellt worden: Torjäger oder Torhüter? „Das war eine ganz schwere Entscheidung für mich“, sagt Plogmann, „aber ich habe sie nicht bereut.“

Schließlich ist er als Torwart auf dem besten Weg, Karriere zu machen. „Ich will in die Bundesliga“, sagt Plogmann selbstbewusst. Und er will es bei Werder schaffen. Deshalb hat er zuletzt mehrere Angebote anderer Klubs abgelehnt, unter anderem von Borussia Dortmund. „Ich sehe meinen Weg bei Werder. Hier habe ich die besten Voraussetzungen, um mich weiterzuentwickeln“, sagt Plogmann. Außerdem fühlt er sich in der Stadt wohl, kann weiterhin bei seinen Eltern wohnen und sich mit seinen Freunden treffen. Die haben ihm in den vergangenen Tagen übrigens zahllose Nachrichten geschrieben und gefragt, wie es so ist mit den Stars aus dem Fernsehen.

Der Schritt in den Seniorenbereich ist der schwierigste

Für Plogmann selbst ist der Weg in den Profibereich trotz aller Lobeshymnen indes noch weit. Das weiß auch Vander, der bis vor zwei Jahren parallel zu seiner Tätigkeit bei Werder Bremen auch Torwarttrainer der deutschen U20-Nationalmannschaft gewesen ist. „Wir haben viele talentierte Torhüter in Deutschland“, sagt Werders Torwarttrainer, „aber der Sprung vom Junioren- in den Seniorenbereich ist der schwierigste.“ Das haben in den vergangenen Jahren gleich mehrere hoffnungsvolle Werder-Talente erfahren müssen. Sebastian Mielitz zum Beispiel ist früher U20-Nationaltorwart gewesen – dauerhaft durchgesetzt hat er sich weder bei Werder noch in Freiburg oder Fürth. Nun wagt er mit fast 28 Jahren einen Neustart in Dänemark.

Auch Zetterer, der im Sommer zur neuen Nummer zwei erklärt worden ist und endlich durchstarten will, hat gemerkt, wie steinig der Weg nach oben sein kann. Zwei Handbrüche haben den inzwischen 22-Jährigen in seiner Entwicklung um mindestens eineinhalb Jahre zurückgeworfen. Vor allem aber sollte der Karriereverlauf von Raif Husic als mahnendes Beispiel für Plogmann dienen. Husic galt als Riesentalent, durchlief sämtliche Junioren-Nationalmannschaften von der U15 bis zur U19 und wechselte im Sommer 2014 von der Jugendabteilung des FC Bayern zu Werder. Die Erwartungen hat Husic nie erfüllt uns spielt heute beim VfR Aalen.

Wobei Husic vielleicht auch das nötige Glück gefehlt hat. „Das muss man haben“, sagt Vander, „man muss das Glück haben, im richtigen Moment beim richtigen Verein zu sein, um Einsatzzeiten zu bekommen. Und du brauchst immer einen Förderer, der auf dich setzt.“ An Förderern, das ist eine weitere Erkenntnis aus dem Trainingslager im Zillertal, mangelt es Luca Plogmann gewiss nicht.

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