Die wichtigsten Fragen zum Hinrunden-Finale

Im Keller von Köln

Werder braucht einen Sieg in Köln, um über den Abstiegsplätzen zu überwintern. In welcher Verfassung gehen die Bremer ins Spiel? Was ändert Florian Kohfeldt? Der WESER-KURIER beantwortet die wichtigsten Fragen.
20.12.2019, 16:08
Lesedauer: 4 Min
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Von Christoph Sonnenberg und Malte Bürger
Im Keller von Köln
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Bremen. Wichtig war jedes der letzten zehn Spiele, nun steht am Sonnabend um 15. 30 Uhr das letzte Spiel der Hinrunde an. Es ist, selbstverständlich, ein wichtiges Spiel. Beim 1. FC Köln kann Werder sich mit einem Sieg von den Abstiegsrängen befreien. Verlieren die Bremer und gewinnt Fortuna Düsseldorf am Sonntag gegen Union Berlin, würde das Rang 17 bedeuten. Auf einem der direkten Abstiegsplätze zu überwintern, bedeutet einen negativen psychologischen Effekt. Den wollen sie bei Werder unbedingt verhindern.

In welcher Verfassung gehen die Bremer in das Spiel? Was ändert Florian Kohfeldt? Der WESER-KURIER beantwortet die wichtigsten Fragen vor der Partie.

Wie ist die Stimmung bei Werder?

Öffentlich gezeigt hat sich die Mannschaft unter der Woche wenig. Nach dem 0:5 gegen Mainz am Dienstagabend gab es ein gemeinsames Auslaufen am Mittwochvormittag, Donnerstag war Geheimtraining und Freitag eine kurze Abschlusseinheit. Dabei war die Stimmung erkennbar gedrückt. „Die Spieler sind betroffen von dem, was die letzten Wochen passiert ist", sagt Kohfeldt.

Der Trainer ist sichtbar auf Distanz gegangen zu seinen Spielern. Und hörbar. Auf die Kritik hätten zwar alle mit Selbstkritik reagiert, sagt Kohfeldt. „Aber reden hilft uns nicht. Nach dem Spiel zu sagen: Ja, wir haben das nicht hinbekommen und, und, und. Das ist nicht das entscheidende. Sondern es am Samstag in Köln auf dem Platz hinzubekommen." Das sind ungewohnte Töne.

Beim letzten Training am Freitag wirkte die Mannschaft verkrampft. Im Spiel zehn gegen zehn hat fast nichts geklappt. Die Verkrampfung war in jeder Aktion zu spüren. Bleibt abzuwarten, ob der Druck in Köln lähmt, oder die Spieler damit umgehen können.

Was ändert Florian Kohfeldt?

Da gibt es verschiedene Bereiche. Zum einen Abläufe vor dem Spiel, unter anderem im Training. Es soll eine veränderte Taktik geben, bei der auf Feinheiten weitestgehend verzichtet wird. „Es wäre naiv zu glauben, dass wir auf einmal wieder den Kombinationsfußball der letzten Saison spielen", räumt Kohfeldt ein. Stattdessen soll es in Köln schnörkellos Richtung Tor gehen.

Erwartet werden vor allem personelle Änderungen. Dass Kohfeldt seiner Mannschaft drei Niederlagen ohne Konsequenzen durchgehen lässt, ist unwahrscheinlich. Philipp Bargfrede wird spielen, falls er fit ist. Seine Aggressivität geht dem Rest der Mannschaft ab, er wird gebraucht. Denkbar ist, dass Marco Friedl Michael Lang ablöst, der zuletzt nicht immer auf Ballhöhe war. Und, um Tempo und frischen Wind zu bringen, könnte Fin Bartels beginnen – und alles reinhauen, bis er nicht mehr kann.

Hat Werder schon mal auf einem Abstiegsplatz überwintert?

Aktuell befindet sich Werder auf dem Relegationsplatz 16, im ungünstigsten Fall könnten die Bremer am Sonntagabend sogar 17. sein. Andersherum ist selbst bei einem Sieg in Köln nicht mehr als Rang 15 möglich. Wie man es dreht und wendet, die Tabellensituation wird keine schöne sein. Mittlerweile sind Fans und Verein aber recht erprobt im Überwintern auf einem der gefährlichen Plätze. Als Viktor Skripnik noch Trainer war, wurde es in den Saison 2014/15 und 2015/16 jeweils als 16. zur Halbzeit der Saison bedrohlich. Kurz nachdem Florian Kohfeldt 2017 das Traineramt übernommen hatte, stand in der Winterpause ebenfalls Rang 16 zu Buche.

Die Weihnachtszeit war also zuletzt gleich drei Mal eine recht ungemütliche, derart schlimm war die Lage nicht einmal in der einzigen Abstiegssaison 1979/80, als Werder noch als Zwölfter im Mittelfeld überwinterte. Überhaupt hatte es zuvor lediglich in der Spielzeit 1977/78 die Situation gegeben, dass die Bremer wochenlang auf Rang 16 dem Start in die Rückrunde entgegenblicken mussten – in überraschender Begleitung des FC Bayern übrigens, der mit 14 Punkten als Tabellen-15. nur einen einzigen Zähler mehr aufwies.

Wie ist Werders Bilanz in Köln?

Es ist jetzt etwas mehr als zwei Jahre her, da gab es im Oktober 2017 an einem Sonntagmittag ein unterirdisch schwaches Duell zweier Abstiegskandidaten im Rheinland. Am Ende durfte Werder mit dem 0:0 in Köln noch zufrieden sein. Nun begegnen sich beide Klubs im Tabellenkeller wieder, die Gastgeber verfügen dank zweier Siege gegen Leverkusen und Frankfurt über eine ziemlich breite Brust. Für Werder spricht, so kurios das klingt, dass es ein Auswärtsspiel ist. Während die Bremer in dieser Saison im Weserstadion nur fünf Zähler holten, waren es in der Fremde immerhin deren neun. Insgesamt ist die Auswärtsbilanz jedoch ausbaufähig: In bislang 46 Liga-Spielen gab es in Köln nur sechs Siege bei 27 Niederlagen und 13 Unentschieden.

Wie geht es nach dem Spiel weiter?

Mit Urlaub. Aus Köln wird es zwar ein Flugzeug Richtung Bremen geben, aber nicht alle werden damit reisen. Da mit Schlusspfiff die Winterpause beginnt, geht es für einige direkt aus Köln in die Ferien. Den Urlaub zu verkürzen, wie es Jürgen Klinsmann bei Hertha BSC entschieden hat, ist in Bremen keine Option. Frank Baumann: „Es ist eine sehr intensive Phase, eine sehr anstrengende Saison mit all den Problemen, die wir hatten. Da ist es wichtig, dass die Spieler abschalten."

Für Florian Kohfeldt gilt das auch. „Man muss ja bis zum 31. Dezember seinen Resturlaub nehmen, deshalb bekommt der Trainer frei", sagt Baumann, und packte ernst gemeintes in einen Scherz. Wohin die Reise geht, wollte niemand verraten. Baumann plauderte aus seiner Zeit als Spieler: „Ich konnte in der Sonne deutlich besser abschalten als in Bremen oder im Schnee." Ganz frei gibt er den Spieler aber nicht: „Man kann sich auch am Strand Gedanken machen und für sich analysieren, was gut und was weniger gut war. Und man kann mit guten Vorsätzen in das neue Jahr gehen."

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