Teamplayer Langkamp Im Kollektiv zum Erfolg

Sebastian Langkamp präsentiert sich als zuverlässiger Kaderspieler, der sich voll in den Dienst der Mannschaft stellt. Der 30-Jährige steht damit beispielhaft für den aktuellen Bremer Erfolg.
20.03.2018, 18:06
Lesedauer: 3 Min
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Im Kollektiv zum Erfolg
Von Christoph Sonnenberg

Den Unterschied zwischen Bremen und Berlin muss Sebastian Langkamp niemand erklären. Und doch hat Langkamp seine eigenen Erfahrungen gemacht, was Hauptstadt und Stadtstaat voneinander unterscheidet. In Berlin lebte er in Mitte, und somit mitten in der Anonymität der Millionenmetropole. "In Bremen gibt es keinen Stadtteil, der abseits des Fußballs liegt", weiß Langkamp jetzt. Und dass in Bremen Fußballer ein Stück weit Allgemeingut sind, weiß er nun auch. Ob beim Bäcker oder Friseur, die bundesweit anerkannten Gradmessern der Popularität: In Bremen gibt es wenig Raum für Anonymität, dafür spielt Werder eine zu dominante Rolle in der Stadt.

Das hat auch Langkamp schon erfahren, und er findet das gar nicht mal so schlecht. "Es macht Bremen und Werder Bremen aus: Dass es eine Fan-Kultur gibt, die es so in Berlin nicht gab. Ich habe hier schon sehr viele nette Gespräche geführt, vom Bäcker bis zum Friseur."

Als letzter Neuzugang kam Langkamp in der Transferperiode des Winters aus Berlin nach Bremen. "Kurz vor Ladenschluss", wie er selbst sagt. Dass er zunächst auf der Bank Platz nehmen musste, hat den Verteidiger deshalb nicht überrascht. "Ich war darauf eingestellt, dass es nicht abrupt zum ersten Einsatz reicht." Und doch habe er sich nicht als Außenstehender gefühlt, als Randfigur. "Ich habe meine Kurzeinsätze bekommen", sagt Langkamp. Zunächst nur eine Minute, dafür setzte Florian Kohfeldt ihn gleich im ersten Spiel der Rückrunde bei Schalke 04 ein. Dann noch mal eine Minute, und danach sieben. "Das ist auf der Position nicht Gang und Gäbe. Der Trainer hat mir damit Bestätigung und Anerkennung gegeben."

Musterbeispiel für ein Miteinander

Langkamp steht durchaus beispielhaft für das System, das den derzeitigen Erfolg der Mannschaft möglich macht. Dass es ein funktionierendes Kollektiv gibt, ein Miteinader statt Gegeneinander. Dass ein Spieler öffentlich die Aufstellung des Trainers kritisiert, gibt es beim HSV, nicht aber in Bremen. "Jeder hat das Gefühl, wichtig zu sein. Das ist ein Herausstellungsmerkmal der Mannschaft", sagt Langkamp. In Augsburg durfte er sich zum ersten Mal so richtig wichtig fühlen, als er beim 3:1-Sieg in der Startelf stand.

Dass es eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg einer Mannschaft ist, dass jeder sich als Teil des Ganzen fühlt, wird kaum jemand bezweifeln, der jemals selbst eine Mannschaftssportart betrieben hat. Und es wird auch kaum einen Trainer geben, der die Wertigkeit des Einzelnen für den Erfolg des Kollektivs bestreitet. Aber es ist ein Unterschied, darüber nur zu reden oder auch entsprechend zu handeln.

Kohfeldt hat schon Thomas Delaney auf die Bank gesetzt, obwohl er eine Art emotionaler Anführer der Mannschaft ist. Gegen Wolfsburg durfte Delaney nur die letzten 33 Minuten auf den Platz, am Ende siegte Werder 3:1. Auch Zlatko Junuzovic muss als Kapitän häufiger beim Anpfiff zuschauen. Und Milot Rashica blieb in Augsburg draußen, obwohl er zuvor gegen Köln überragender Bremer und Torschütze war. Stattdessen überzeugen jeweils andere Spieler. "Bisher haben alle, die reingekommen sind, ihre Leistung gebracht", bilanziert Langkamp. Und damit ist der Plan aufgegangen.

Respekt vor Kohfeldts Plänen

Von Zufall oder Glück will Verteidiger Langkamp in diesem Zusammenhang nicht sprechen. "Es sind die Überzeugung des Trainers und die taktischen Vorgaben. Er wechselt ja nicht, weil ihm die Nase des einen besser passt als des anderen." Stattdessen steckt hinter den mitunter ungewöhnlichen Personalwechseln ein individueller Plan. "Schaut man sich die Spiele an, ist zu erkennen, dass zu jedem Gegner Lösungen gefunden wurden", sagt Langkamp. "Wir versuchen, unseren Fußball durchzubringen, gehen aber auch auf den Gegner ein." Und das, muss man sagen, klappt bisher ganz gut. "Der Erfolg spricht für sich."

Ein Schlüssel ist, wie so oft im Leben, die Kommunikation. Wer Pläne und Maßnahmen schlüssig und überzeugend erklären kann, ist im Vorteil. Langkamp verweist auch in diesem Zusammenhang auf den Trainer. "In der Teambesprechung wird mannschaftstechnisch auf die einzelnen Positionen eingegangen. In Einzelgesprächen argumentiert der Trainer dann, warum wer spielt", sagt Langkamp. Wichtig sei, dass es in allem eine klare Linie gebe, auf die sich alle verlassen können: "Das Wichtigste ist, dass jeder gleich behandelt wird. Wenn auch die Ersatzspieler positiv über den Trainer reden, ist das das größte Lob, das ein Trainer bekommen kann."

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