Überraschende Zahlen hinter Harniks Flaute

Im Konjunktiv Elite

Martin Harniks Torausbeute bei Werder hängt hinter den Erwartungen zurück. Dabei könnte der 31-Jährige fast so gefährlich sein wie die Topstars der Liga – wenn nur dieser leidige Abschluss nicht wäre.
22.01.2019, 17:14
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Cedric Voigt

Im Sommer hatte sie zur Wohlfühl-Geschichte getaugt, die Rückkehr von Martin Harnik zum SV Werder. An alter Wirkungsstätte, gemeinsam mit Jugendfreund Max Kruse, sollte der Angreifer die Bremer zurück nach Europa schießen. Das las sich fast so romantisch wie die Verpflichtung des mittlerweile 40 Jahre alten Claudio Pizarro, getreu dem Motto: Bei Werder ist es schließlich immer noch am schönsten.

Der Unterschied zwischen Harniks Comeback und der vierten Amtszeit des peruanischen Altmeisters war der, dass man sich von Harnik eine sportliche Verstärkung in der Spitze versprochen hatte, einen potentiellen Stammspieler. Nach 18 Spieltagen haben beide Rückkehrer allerdings dieselbe Anzahl Bundesliga-Scorer auf dem Konto: Zwei Tore und zwei Vorlagen. Harnik brauchte dafür sogar länger, insgesamt 593 Minuten.

Ein bisschen Chancentod

Es sind die Leistungsdaten eines ordentlichen Ergänzungsspielers. „Der Einsatz stimmt bei mir immer“, formulierte Harnik nach dem 1:0-Erfolg in Hannover. „Jetzt müssen nur noch die Tore kommen.“ Dass das bei Werder bislang noch nicht so klappt, hat verschiedene Gründe: Einerseits wurden Harnik noch nicht allzu viele Spielminuten zuteil. Verantwortlich dafür waren zwei Muskelfaserrisse, aber auch taktische Überlegungen und der interne Konkurrenzkampf.

Vor allem aber trifft Harnik vor dem Tor noch zu häufig die falsche Entscheidung. Das ist keine bahnbrechende Erkenntnis. Bemerkenswert wird die Flaute des Angreifers vor allem dann, wenn man Harniks Expected Goals (xG) betrachtet – also den Wert, der die Chancenqualität der Gelegenheiten misst, die sich Harnik erarbeitet. Dort findet sich Harnik trotz seiner geringen Einsatzzeiten bei 4,12 xG wieder, bei durchschnittlicher Chancenverwertung hätte der 31-Jährige also bereits mindestens zwei Treffer mehr erzielt.

So gut wie Werner und Rebic?

Hochgerechnet auf 90 Spielminuten (xG90) liegt Harnik hinsichtlich erarbeiteter Chancen in der Spitzengruppe der Liga. Seine 0,63 xG90 befinden sich auf Augenhöhe mit Timo Werner (0,64 xG90) und vor zwei Dritteln der gefürchteten Frankfurter „Büffelherde“: Beim kommenden Gegner bieten sich nur Luka Jovic (0,76 xG90) hochkarätigere Torgelegenheiten, Ante Rebic (0,62 xG90) und Sebastian Haller (0,56 xG90) werden hinter Harnik gelistet. Liga-Spitzenreiter aller Spieler mit mindestens 500 Einsatzminuten ist übrigens Paco Alcacer (0,97 xG90) vor Robert Lewandowski (0,91 xG90).

Harnik macht also bereits jetzt eine Menge richtig, wenn es darum geht, sich in aussichtsreiche Positionen zu bringen – mehr noch als in der Vorsaison. Als Hannover-Spieler erreichte Harnik lediglich 0,35 xG90, kam so auf 7,44 xG über die gesamte Saison. Seine Torausbeute damals: Neun Treffer – ein bis zwei mehr als erwartet also. Eine Statistik, die zeigt, dass Harnik trotz seines Formtiefs im Abschluss die Fähigkeiten besitzt, um häufiger zu treffen. Mit mehr Spielzeit darf der Angreifer auf eine Regression zur Mitte hoffen, bei der sich Torausbeute und Chancenqualität annähern. Auch Ex-Werder-Knipser Ivan Klasnic ist überzeugt, dass Treffer folgen werden, wenn Harnik so weiter macht: „Das ist ein Selbstgänger.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+