Werder-Abgänge im Überblick

So läuft es bei Gebre Selassie, Sargent, den Eggesteins und Co.

Der Bundesligaabstieg war für Werder eine Zäsur. Auch der Kader der Bremer hat sich stark verändert. Ein Überblick, wie es bei den Abgängen läuft.
09.10.2021, 15:37
Lesedauer: 5 Min
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Von Marius Winkelmann und Maik Hanke

Der Abstieg? Gravierend. Der Kader-Umbruch? Radikal. Der Sommer 2021 war ein Einschnitt in der Geschichte des SV Werder Bremen. Gleich zwölf namhafte Spieler haben den Verein nach dem Gang in die 2. Liga verlassen, neue Herausforderungen gesucht und gefunden. Für einige zeichnet sich ein Schritt nach vorne ab, andere haben sich bei ihren Wechseln womöglich ziemlich verspekuliert. So läuft es bei den Werder-Abgängen – eine Übersicht. Hinweis: Die verliehenen Spieler bleiben hier außen vor.

Theodor Gebre Selassie: Nach neun Jahren Werder war im Sommer Schluss für den „ewigen Theo“, der zu seinem Ex-Club Slovan Liberec zurückkehrte und dort mit einer filmischen „Prinz von Bel-Air“-Hommage euphorisch als Neuzugang präsentiert wurde. Sportlich begann die Saison für den 34-Jährigen allerdings holprig und mit einem Novum: dem ersten Platzverweis seiner Profi-Karriere. Am zweiten Spieltag sah der Tscheche während der 0:5-Heimklatsche gegen Sparta Prag die Gelb-Rote Karte. Auch sonst lief es nicht wirklich rund für ihn: Von den ersten sieben Partien konnte Liberec keine einzige gewinnen (fünf Niederlagen, zwei Remis). Mit zwei Siegen arbeiteten sich Gebre Selassie und Co. danach vom letzten auf den 13. Platz vor, zuletzt setzte es aber schon wieder eine 0:2-Heimpleite gegen Banik Ostrau.

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Johannes Eggestein: Was beim jüngeren der beiden Eggestein-Brüder in der Vorsaison im Dress des Linzer ASK noch wie selbstverständlich lief, klappt in Belgien bei seinem neuen Club Royal Antwerpen überhaupt noch nicht: das Toreschießen. In Österreich glänzte Eggestein wettbewerbsübergreifend mit 29 Torbeteiligungen (20 Treffer, neun Vorlagen) in 39 Pflichtspielen, weswegen nicht wenige Werder-Fans fassungslos waren, dass die Bremer zur neuen Saison partout keine Verwendung für den 23-Jährigen fanden. In Antwerpen hat Eggestein noch nicht Fuß gefasst. Lediglich sechs kürzere Einsätze stehen in der Liga zu Buche (156 Minuten). Die Bilanz: 0 Tore und 0 Vorlagen. Dazu kommen je zwei Einsätze in der Europa League und Europa-League-Qualifikation mit immerhin zwei Assists.

Maximilian Eggestein: Es hat ein paar Wochen gedauert, aber so langsam scheint Eggestein die Spielphilosophie des SC Freiburg nach seinem Wechsel Mitte August immer besser zu verinnerlichen. Bei den Breisgauern kam der 24-Jährige, der Werder für eine Ablösesumme von fünf Millionen Euro verließ, bislang in jedem Spiel zum Einsatz und steuerte beim 3:0-Heimsieg gegen den FC Augsburg auch seinen ersten Scorerpunkt bei. Der 86-minütige Auftritt gegen die Fuggerstädter war zugleich sein erster Startelf-Einsatz für das Team von Trainer Christian Streich. Der Sportclub liegt nach sieben Spieltagen auf einem starken vierten Platz und ist das einzige Team in der Bundesliga, das noch keine Niederlage hinnehmen musste.

Ludwig Augustinsson: Bisher sieht es nicht danach aus, dass Ludwig Augustinsson mit seinem Wechsel von Werder zum FC Sevilla den großen Wurf gelandet hätte. Der Linksverteidiger hat bislang noch keine Sekunde für den Champions-League-Teilnehmer gespielt. Aber: „Auf diesem Niveau muss dieser interne Wettbewerb sein“, sagte Augustinsson unlängst der „Bild“. „Das wusste ich bei der Unterschrift und wollte es genauso. Hier um jede Einsatzminute kämpfen zu müssen, macht einen besser. Ich habe mich ganz bewusst für diese Herausforderung entschieden.“ Bei Sevilla kam es für den Schweden übrigens zum Wiedersehen mit dem alten Bremer Kollegen Thomas Delaney, der im Sommer von Borussia Dortmund nach Spanien gewechselt war.

Niklas Moisander: Der Ex-Kapitän des SV Werder Bremen hat es mit seinen 35 Jahren noch einmal weit gebracht: Vom Bundesliga-Absteiger zum Champions-League-Teilnehmer mit Malmö FF. Der Finne, der ablösefrei nach Schweden gewechselt war, fehlte nach einer Verletzung aus dem Hinspiel zwar im Rückspiel der Qualifikation zur Königsklasse, zuvor hatte er aber in den fünf Quali-Partien seit seiner Verpflichtung auf dem Platz gestanden – viermal als Teil der Startelf. In der Gruppenphase der Champions League ging der Start dann gründlich schief – 0:3 gegen Juventus Turin und 0:4 gegen Zenit St. Petersburg. Moisander verpasste beide Spiele. In der Liga liegt der schwedische Meister aktuell auf Rang drei, drei Punkte hinter Djurgarden und Solna. Bei Malmö spielt in Felix Beijmo übrigens noch ein Ex-Bremer.

Davie Selke: Der Start bei Hertha BSC verlief nach Selkes verkorkster Saison bei Werder durchaus verheißungsvoll: In der Vorbereitung traf er am laufenden Band, auch in der ersten DFB-Pokalrunde schlug er zu und erzielte den späten 1:0-Siegtreffer beim Drittligisten SV Meppen. Danach stellte sich aber Ernüchterung ein. Den ersten Bundesliga-Spieltag verpasste der 26-Jährige wegen einer Gehirnerschütterung. Am dritten Spieltag, bei der 0:5-Packung gegen den FC Bayern, brach sich Selke dann auch noch eine Rippe. Fünf Bundesliga-Einsätze, davon vier in der Startelf, verzeichnete der 1,95-Meter-Hüne bisher für die Hertha, ein Treffer war ihm dabei nicht vergönnt. In der Tabelle liegen die Berliner nur auf Rang 14.

Milot Rashica und Josh Sargent: Ihre Verkäufe brachten Werder überlebenswichtige Einnahmen von rund 20 Millionen Euro. Viel Geld, das für den Käufer Norwich City bisher noch nicht sonderlich gut angelegt scheint. Rashica steht bei sieben Einsätzen in der Premier League ohne Tor, Sargent bei sechs, ebenfalls ohne Treffer. Der Aufsteiger ist siegloser Tabellenletzter (Torverhältnis 2:16), holte am vergangenen Wochenende mit einem 0:0 gegen Burnley aber immerhin das erste Pünktchen. Kurios: Im August wurde Rashica von den Fans des Vereins zum Spieler des Monats gewählt. Das waren wohl eher Vorschusslorbeeren für den Hoffnungsträger. Immerhin ein Erfolgserlebnis konnte derweil Sargent verzeichnen. Beim 6:0-Erfolg im League Cup gegen Zweitligist Bournemouth erzielte der US-Amerikaner zwei Tore und legte einen weiteren Treffer auf. Ausgerechnet in diesem Spiel blieb Rashica auf der Bank.

Yuya Osako: Die Meisterschaft war in Japan bereits in vollem Gange, als Osako bei Vissel Kobe aufschlug. Nach 31 von 38 Saisonspielen liegt der Club aktuell auf Platz drei der Tabelle. Auch Osako hat inzwischen einen Anteil an der guten Platzierung. In den vergangenen drei Partien bereite er jeweils einen Treffer vor, beim 5:1 gegen die Urawa Reds traf er im sechsten Einsatz erstmals selbst. In Vissel Kobes Kader stehen neben Osako übrigens noch die internationalen Top-Namen Andres Iniesta, Thomas Vermaelen und Bojan Krkic, die ihre Karriere in Japan ausklingen lassen, sowie die früheren Bundesliga-Kicker Gotoku Sakai und Yoshinori Muto.

Kevin Möhwald: Allzu viel gespielt hat er noch nicht. In der Bundesliga kommt Möhwald seit seinem Wechsel zu Union Berlin erst auf 29 Minuten Einsatzzeit – verteilt auf zwei Spiele. Dafür konnte er sich immerhin schon einen Traum erfüllen: den ersten Europapokal-Einsatz. Beim 3:0-Erfolg in der neuen Europa Conference League stand der 28-Jährige zum bisher einzigen Mal für die „Eisernen“ in der Startelf. In der Bundesliga läuft es für die Köpenicker soweit gut: Platz sieben nach sieben Spieltagen.

Stefanos Kapino: Wenn man etwas Positives finden will, dann vielleicht das: In der 1. Liga auf der Bank zu sitzen, ist besser, als in der 2. Liga auf der Bank zu sitzen. Abgesehen von der Liga-Zugehörigkeit hat sich für Kapino seit seinem Wechsel von Werder zu Arminia Bielefeld aber nur wenig geändert. Der griechische Schlussmann kann beim Drittletzten noch keinen Einsatz vorweisen.

Patrick Erras: Die 2. Liga scheint eher zu ihm zu passen. Nach seinem verlorenen Jahr bei Werder kommt Erras bei Holstein Kiel nun wieder zu mehr Einsatzzeiten. Sechs Spiele im Unterhaus stehen bisher für ihn zu Buche. Doch wenn Erras auflief, war das wenig erfolgreich. Bei seinen vier längeren Einsätzen setzte es vier 0:3-Niederlagen. Beim 2:2 gegen den Karlsruher SC sowie beim 2:1 gegen Paderborn wurde der defensive Mittelfeldspieler erst kurz vor dem Ende eingewechselt, beim Remis gegen Düsseldorf (2:2) und beim Sieg gegen Aue (3:0) blieb der 26-Jährige auf der Bank. Überhaupt müht sich Kiel in dieser Saison extrem, liegt zurzeit nur auf Rang 15.

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