Ex-Werderaner Füllkrug startet bei 96 durch

Immer besser, immer reifer

Bei Werder hat es für Niclas Füllkrug zum ganz großen Durchbruch nicht gereicht. Nach 25 Einsätzen und drei Toren folgte die Trennung. Ein erfolgreicher Umweg führte den Ex-Bremer dennoch nach oben.
04.04.2018, 18:27
Lesedauer: 3 Min
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Immer besser, immer reifer
Von Malte Bürger
Immer besser, immer reifer
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Für wenige Sekunden hatte der Fußball-Wahnsinn in Hannover wieder einen Namen: Niclas Füllkrug. Eine Ballannahme, eine schnelle Drehung, ein platzierter Schuss – der Ausgleich. Dachten jedenfalls fast alle. Sogar die meisten Spieler des Gegners. Doch RB Leipzig kam mit einem dunkelblauen Auge davon. Der Video-Assistent hatte dafür gesorgt, dass es aufgrund einer später viel diskutierten Abseitsstellung nach 82 Minuten eben doch noch 3:2 für Leipzig stand. Und Niclas Füllkrug hatte er zugleich eine märchenhafte Geschichte genommen.

Dem 25-Jährigen war als Joker kurz zuvor bereits der Anschlusstreffer gelungen, nun hätte er endgültig zum Helden werden können. Wurde er aber eben nicht. Auch deshalb schwieg er nach dem Abpfiff. Kein Wort zur ärgerlichen Pleite, keines zu seinem aberkannten Treffer. Und keines zu seiner Einwechslung.

Es war durchaus überraschend, dass Füllkrug zunächst auf der Bank saß. Auf zehn Saisontreffer hatte er es im Vorfeld gebracht, zudem in der Länderspielpause anders als einige Konkurrenten durchgehend trainiert. Doch 96-Trainer André Breitenreiter entschied sich anders. „Fülle brauchte mal eine Pause, er hat viel gespielt“, sagte er. „Es tat ihm gut, von der Bank zu kommen. Man hat’s an der Reaktion gesehen, dass es genau richtig war.“ Und taktisch hätte sich diese Idee beinahe auch ausgezahlt. „Er hat viele Tore als Joker geschossen“, sagte Breitenreiter. „Wenn man nachlegt, ist es wichtig, dass von der Bank die Qualität angehoben wird. Dafür hat Fülle gesorgt.“ Natürlich möchte Füllkrug aber eigentlich von Beginn an spielen. Wie jeder Profi eben. Genau deshalb hatte er Werder einst verlassen. Der Verein, bei dem er ausgebildet wurde. Der Verein, bei dem letztlich die Perspektive fehlte. Im Sommer 2014 war das, für Füllkrug ging es deshalb zum 1. FC Nürnberg.

Frühe Bekanntschaft mit Kohfeldt

Acht Jahre zuvor war er als hoffnungsvolles Talent an die Weser gewechselt, zog als 13-Jähriger ins Internat im Osten des Weserstadions ein. In der U14 machte er direkt Bekanntschaft mit einem jungen Mann, den er auch am Freitag wiedertreffen wird: Florian Kohfeldt. „Er war mein erster Co-Trainer in Bremen“, erzählte Füllkrug einst. „Er hat mir extrem geholfen, als ich aus Hannover gekommen bin, hat mir einiges mitgegeben auf meinem Karriereweg. Das war ein sehr besonderes Verhältnis.“

Inzwischen ist Kohfeldt bekanntlich Trainer der Werder-Profis, hat den Werdegang seines ehemaligen Schützlings aber nie aus den Augen verloren. „Seine Entwicklung ist beeindruckend“, hatte Kohfeldt erst im Februar erklärt. „Ich gönne ihm das sehr. Er ist eine ganze tolle Persönlichkeit.“ Und mehr noch: „Ich finde, dass er auf dem Weg ist, sich zu einem kompletten Stürmer zu entwickeln. Er ist im Strafraum gefährlich, er ist aber auch im Kombinationsspiel deutlich besser geworden. Ich wünsche ihm in jedem Spiel alles Gute, außer im Rückspiel gegen uns.“

Wenn es nach Niclas Füllkrug gegangen wäre, hätte es ein Wiedersehen ohnehin in anderer Form gegeben. Im Zuge des Wechsels nach Nürnberg hatte Werder sich nämlich ein Rückkaufrecht gesichert, für etwas weniger als drei Millionen Euro hätte der gebürtige Hannoveraner nach Bremen zurückkehren können. „Viele sind damals davon ausgegangen, dass Werder die Option ziehen würde“, erinnerte sich Füllkrug Ende des vergangenen Jahres. „Ich hätte es als Werder-Manager gemacht. Ich hätte mich geholt. Man hätte damit ja nichts falsch machen können.“

Durchbruch in Hannover

Werder aber verzichtete. Und der Weg von Niclas Füllkrug führte in die niedersächsische Landeshauptstadt. Beim damaligen Zweitligisten Hannover 96 schaffte er endgültig den Durchbruch, knüpfte auch nach dem Aufstieg an seine guten Leistungen an. Es sind derart gute, dass noch heute viele Werder-Fans der verpassten Rückholaktion hinterhertrauern. Ein treffsicherer Stürmer, zudem aus der eigenen Jugend, beflügelt dann doch schnell die Fantasie eines jeden Fußball-Romantikers. Immerhin: In der Hinrunde blieb der befürchtete Ausgerechnet-Füllkrug-Moment aus, weil Werder im Weserstadion durch ein imposantes 4:0 der erste Saisonsieg überhaupt gelang.

Am Freitag gibt es nun den nächsten Vergleich (Anpfiff: 20.30 Uhr). Vielleicht darf Niclas Füllkrug dieses Mal wieder von Beginn an ran. Tore können die Hannoveraner jedenfalls dringend gebrauchen, nach fünf Niederlagen in Folge stecken sie mit 32 Zählern wieder mitten im Abstiegskampf. Das Selbstbewusstsein, das hat auch Trainer Breitenreiter erkannt, war zuletzt auf dem Platz nicht mehr das allerbeste. Da kann ein Typ wie Niclas Füllkrug enorm wichtig sein. Auch wenn es gegen dessen geliebten Ex-Klub geht. Oder gerade deshalb? Solche Geschichten hat es schließlich schon zuhauf gegeben. Sie müssen ja nicht immer märchenhaft sein.

Füllkrug ist kein Einzelfall

In der Vergangenheit gab es neben Niclas Füllkrug auch andere Spieler, die Werder verließen und erst danach so richtig durchstarteten. Ein paar Beispiele:

Fotos: imago

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