Werder Bremens Kreativ-Problem In der Mitte klafft ein Loch

Bremen. Marko Marin hat beim enttäuschenden 1:1 beim FC Augsburg am Freitagabend seine bislang schwächste Saisonleistung gezeigt - und steht damit exemplarisch für eine Bremer Mannschaft, der es an Kreativität, Tempo und Durchschlagskraft mangelt.
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Von Ben Binkle

Bremen. Er trägt die Rückennummer zehn, doch kann er dem Werder-Spiel nach wie vor nicht seinen Stempel aufdrücken. Marko Marin hat beim enttäuschenden 1:1 beim FC Augsburg am Freitagabend seine bislang schwächste Saisonleistung gezeigt - und steht damit exemplarisch für eine Bremer Mannschaft, der es an Kreativität, Tempo und Durchschlagskraft mangelt.

Gegen tief stehende und konsequent verteidigende Mannschaften tut sich Werder schwer. Das war gegen zehn bzw. neun Berliner der Fall, aber auch gegen den dezimierten Meister Dortmund. Und natürlich gegen Augsburg. Der Aufsteiger spielte sehr bieder, Werder fand dennoch kein Mittel. Trotz phasenweise 70 Prozent Ballbesitz kamen die Bremer aus dem Spiel heraus erst in der Schlussphase zu klaren Chancen. Bezeichnend, dass der Ausgleich durch Claudio Pizarro aus einem Eckball resultierte.

Wo eigentlich Kreativität herrschen soll, klafft bei Werder nach wie vor ein Loch. Für spielerische Elemente soll nicht nur, aber vor allem der zentrale Mittelfeldmann sorgen. Bei Werder ist das Marko Marin. Gegen Augsburg tauchte der Dribbler völlig ab (WESER-KURIER-Note 5) und wies geradezu erschreckende statistische Werte auf: Null Torschüsse, eine Torschussvorlage, keinen einzigen langen Pass und nur 27 Ballkontakte - die wenigsten aller Startelf-Spieler. Mit der engen Bewachung durch Augsburgs Hajime Hosogai kam Bremens Nummer zehn gar nicht zurecht. Folgerichtig nahm Trainer Thomas Schaaf seinen Spielmacher nach 58 Minuten vom Feld.

"Ich habe meine Form verbessert", sagte Marin noch vor dem Spiel in einem Feature der Nachrichtenagentur dapd, das den etwas bizarren Titel "Marin auf dem Weg zu alter Stärke" trägt. Darin bekräftigt Marin noch einmal, die EM 2012 noch nicht abgehakt zu haben. "Mit guten Leistungen bei Werder steigen meine Chancen", sagt Marin. Solche gab es in der laufenden Saison nur selten: Gegen Freiburg (5:3) und Hamburg (2:0) spielte Marin stark, ansonsten blieb er zu oft zu blass, war nur Mitläufer statt Spielgestalter (WESER-KURIER-Durchschnittsnote 3,5). In neun Saison-Einsätzen ist er noch ohne Tor, legte drei Treffer auf - eine Bilanz, die in Sachen Effektivität sicher noch ausbaufähig ist.

Gegen Augsburg erwischte er einen ganz schwachen Tag. Und auch keiner seiner Teamkollegen konnte ihn in der Spielmacherrolle entlasten. Wie sehen also die Alternativen aus? Der Hoffnungsträger für Werders Kreativzentrale heißt Mehmet Ekici. Der Fünf-Millionen-Euro-Zugang lief bislang seiner Form weit hinterher, konnte aber nach der Einwechslung gegen Augsburg Pluspunkte sammeln. In den nur 28 Minuten Einsatzzeit brachte er es auf mehr Ballkontakte (34) als Konkurrent Marin, schoss zudem drei Mal aufs Tor und schlug den Eckball, der zum Ausgleich führte. Ein kleiner Lichtblick für den bislang enttäuschenden Türken.

Nun erzählen Statistiken bekanntlich nicht die ganze Wahrheit über ein Fußballspiel, doch fügen sich die Zahlen rund um Marko Marin gut in die Bremer Stimmungslage nach dem Abpfiff.  "Wir sind kein Bayern-Jäger", urteilte Kapitän Clemens Fritz über seine Mannschaft. Erst nach dem Ausgleich fand Werder zu seinem druckvollen, schnellen Angriffsspiel, erst dann erspielte sich Bremen klare Chancen. Dass ausgerechnet "Torgarantie" Claudio Pizarro gleich zwei Mal frei vor dem starken FCA-Keeper Simon Jentzsch patzte, ist bezeichnend: Wenn Pizarro Werder nicht rettet, tut es dieser Tage niemand. Denn wenn es spielerisch nicht klappt, fehlt zu oft auch die individuelle Klasse. Nicht nur, aber auch bei Ex-Nationalspieler Marko Marin.

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