Taktikanalyse Manndeckungen und Kampf: Wie Werder Schalke niederrang

Mit Schalke ergeht es Thomas Reis wie am fünften Spieltag mit Bochum: Werder nimmt das kampfbetonte Spiel an und entscheidet es dank besserer Chancenverwertung für sich. Die Taktikanalyse.
06.11.2022, 14:40
Lesedauer: 3 Min
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Von Tobias Escher

Am Samstagabend traf Werder-Coach Ole Werner auf einen alten Bekannten. Schalke-Trainer Thomas Reis stand bereits am fünften Spieltag gegen Werder an der Seitenlinie, damals noch in Diensten des VfL Bochums. Werder gewann 2:0, doch das Spiel verlief holprig. Reis hatte sich eine Taktik zurechtgelegt, mit deren Hilfe er Werder ein kampfbetontes Spiel aufzwang. Beim erneuten Duell Reis gegen Werner wandte der jetzige Schalke-Coach die Taktik noch einmal an – und erneut hatte Werder mit der körperbetonten Spielweise des Gegners Probleme.

Manndeckung gegen Manndeckung

Werner hielt auch am 13. Spieltag der Saison an seinem System fest. Werder begann die Partie in einem 5-3-2. Erneut auffällig war die Rolle von Mitchell Weiser. Er agierte auf der rechten Seite äußerst offensiv, sodass in der Fünferkette häufig nur vier Spieler verblieben. Marco Friedl hielt sich auf der anderen Seite stärker zurück.

Werder begann die Partie gewohnt aggressiv. Mit einem hohen Pressing versuchten sie, Schalke den Ball abzuluchsen. Im Mittelfeld agierte Werder dabei mannorientiert. Die Bremer Mittelfeldspieler verfolgten ihre Gegenspieler weit. Sie wollten sie stellen und in direkte Duelle zwingen. Auch die Außenspieler rückten immer wieder heraus, um die gegnerischen Außenverteidiger zu attackieren.

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Doch nicht nur die Bremer suchten die direkten Zweikämpfe. Auch Reis setzte auf eine mannorientierte Defensive. In seinem 4-2-3-1-System bekam jeder Schalker einen Gegenspieler zugeteilt. Die drei vordersten Akteure liefen Werders Dreierkette an. Zehner Florent Mollet deckte Werders Sechser Ilia Gruev, die Schalker Doppelsechs bewachte Leonardo Bittencourt und Romano Schmid. Dadurch dass bei beiden Teams jeder Spieler einen festen Gegenspieler hatte, entstanden auf dem gesamten Feld Manndeckungen.

Schalke gewinnt die zweiten Bälle

Dass Schalke früh störte und Werder in zahlreiche Eins-gegen-Eins-Duelle zwang, schmeckte den Bremern nicht. Sie mussten schneller als gewöhnlich den Ball in die gegnerische Hälfte spielen. Schalke ließ Werder nicht ins Spiel finden. Werder versuchte zwar, flache Bälle auf die Stürmer zu spielen. Immer wieder fing Schalke diese ab.

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Schalke hingegen verzichtete auf flache Pässe ins offensive Zentrum. Ihre Innenverteidiger ließen den Ball laufen. Damit lockten sie Werder ins Pressing. Anschließend schlugen sie den Ball lang zu den Stürmern. Sie überspielten damit den Bremer Versuch, den Ball in der gegnerischen Hälfte zu erobern.

Damit legten sie eine Schwachstelle des mannorientierten Pressings bloß. Werders Mittelfeldspieler rücken in der Regel weit vor, um die gegnerischen Mittelfeldspieler zu decken. Die Verteidiger verbleiben wiederum in einer tiefen Position. Dadurch entsteht ein Loch im Mittelfeld – ein Loch, in das eine Mannschaft Bälle ablegen kann. Genau das sah Schalkes Taktik vor: Sie spielten lange Bälle, um anschließend die zweiten Bälle zu gewinnen. Hier war Schalke körperlich wie geistig wacher. Viele der zweiten Bälle landeten bei den Königsblauen. So sammelten sie bis Spielschluss sogar mehr Ballbesitz als die vor dem Spiel favorisierten Bremer.

Schalke zu harmlos

Schalke gelang es so, das Spiel in die Bremer Hälfte zu verlagern. Allerdings kamen sie selbst nur selten zu Chancen. Phasenweise sah man deutlich, warum sich Schalke mit nur zwölf geschossenen Treffern am Ende der Tabelle wiederfindet. Mit den eroberten zweiten Bällen wusste Schalke nicht viel anzufangen. Sie spielten den Ball nach Außen, von wo die aufrückenden Außenverteidiger zu Flanken ansetzten. Diese Flanken blieben meist harmlos.

Werder kam ebenfalls nicht allzu häufig vor das Tor. Dabei bot Schalkes Pressing durchaus Lücken. Gerade auf den Flügeln verteidigte Schalke riskant: Die Außenstürmer im 4-2-3-1 rückten weit vor, um die Bremer Innenverteidiger zu attackieren. Weiser und Friedl hatten auf den Außen nur einen Gegenspieler. Ließen sie diesen aussteigen, konnten sie mit Tempo bis zum gegnerischen Strafraum durchlaufen.

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Lange Zeit fehlte Werder die Passgenauigkeit, um die eigenen Außenverteidiger genau in diese Situationen zu bringen. Es gab nur eine Handvoll Szenen, in denen Weiser das passende Zuspiel bekam. In praktisch jeder dieser Situationen wurde es gefährlich. Tobias Mohr konnte mit Weisers Tempo nicht mithalten. Es war kein Zufall, dass Bremens Rechtsverteidiger beide Tore einleitete.

Kampfstarke Schalker

Weder nach dem Treffer zum 1:0 (29.) noch nach dem 2:0 (76.) bekam Werder die Partie unter Kontrolle. Zwar verbesserte sich das Bremer Pressing nach der Pause. Der eingewechselte Christian Groß beschränkte die Kreise des umtriebigen Mollet. Doch Schalke gewann immer noch die Mehrzahl der zweiten Bälle. Bis zum Schluss konnten sie so in die Bremer Hälfte gelangen. Nach einer der insgesamt 22 Schalker Flanken fiel das 2:1 (89.). Der Anschlusstreffer kam jedoch zu spät.

So ließe sich an dieser Stelle das Fazit des Spiels zwischen Werder und Bochum kopieren: viel Aufwand, wenig Ertrag. Reis hatte sich eine gute Taktik zurechtgelegt. Seine Schalker zwangen Werder ein kampfbetontes Spiel auf. Die Schalker hatten mehr Ballbesitz und gaben deutlich mehr Schüsse ab als die Bremer (11:19). Doch dank besserer Chancenverwertung und einem starken Weiser behielt Werder die Oberhand.

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