Gut gelaunt nach Leverkusen

In Pokalstimmung

Zwei Spiele ist es theoretisch noch entfernt, das Pokalfinale in Berlin. Vorher müsste Werder erst einmal Bayer Leverkusen aus dem Weg räumen. Im Lager der Bremer hat man richtig Lust auf das Spiel.
05.02.2018, 19:58
Lesedauer: 3 Min
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In Pokalstimmung
Von Christoph Bähr
In Pokalstimmung

Werder-Trainer Florian Kohfeldt.

nordphoto

Acht Jahre lang hütete Florian Kohfeldt das Werder-Tor. Zweimal gewannen die Bremer in dieser Zeit von 2001 bis 2009 den DFB-Pokal. Kohfeldt hatte damit nichts zu tun, er stand nämlich für Werders dritte Mannschaft in der Bremen-Liga zwischen den Pfosten, aber der heutige Cheftrainer bekam trotzdem mit, welch besondere Bedeutung der Pokalwettbewerb für seinen Verein hat. Als Werder-Fan wusste er das wahrscheinlich ohnehin schon von klein auf. Kohfeldt ist somit genau der richtige Mann, um seinen Spielern vor dem Viertelfinal-­Duell gegen Leverkusen am Dienstagabend (20.45 Uhr/ARD live) noch einmal die Wichtigkeit des DFB-Pokals zu verdeutlichen. Und er legt großen Wert darauf.

„Wir weisen gerade neue Spieler darauf hin, welch große Bedeutung der Pokal für unseren Verein hat“, betonte der Coach am Montag bei der Pressekonferenz zum Spiel. Insgesamt sechsmal holten die Bremer die Trophäe, nur dem FC Bayern gelang das öfter. „Wir als Werder Bremen haben eine gewisse Pokaltradition. In dem Wettbewerb wollen wir immer das Maximale erreichen“, betonte Kohfeldt. Das heißt: Der Coach will nicht weniger als den Triumph im Pokalfinale von Berlin.

Kohfeldt: „Wir können das genießen“

Dass Kohfeldt diesen Wettbewerb liebt, ist ihm genauso anzumerken wie die Vorfreude auf das K.-o.-Spiel in Leverkusen. „Wir können das genießen. Es gibt keinen negativen Druck, denn es ist eine andere Situation als in der Liga. Es gibt jetzt nur dieses eine Spiel. Für eine der beiden Mannschaften gibt es kein Danach mehr“, verdeutlichte der Trainer. Was zunächst bedrohlich klingt, ist für Kohfeldt eher ein besonderer Reiz. „Ich mag das. Du musst nichts interpretieren. Entweder du bist weiter oder nicht. So was kann uns liegen, auch von der Mentalität her.“

Nun hat die aktuelle Werder-Mannschaft nichts mehr mit den erfolgreichen Pokalteams vergangener Zeiten gemein. Einzig Max Kruse und Philipp Bargfrede, der in Leverkusen weiterhin wegen Fußproblemen ausfällt, waren schon im Verein, als die Bremer 2009 zum bislang letzten Mal den Pokal holten. Beide spielten damals aber in der zweiten Mannschaft. Der Rest hat die ganz großen Pokalmomente der Grün-Weißen nicht miterlebt. Kohfeldt ist trotzdem überzeugt davon, dass seinem Team K.-o.-Duelle wie jetzt gegen Leverkusen liegen. Typen wie Kruse oder Niklas Moisander seien prädestiniert für Partien, in denen es um alles oder nichts geht.

Auch Zlatko Junuzovic könnte mit seiner Erfahrung wichtig sein am Dienstagabend. Gegen Schalke saß der Kapitän zunächst nur auf der Bank, erzielte dann aber als Joker den 2:1-Siegtreffer. Für das Leverkusen-Spiel bekam Junuzovic nun eine Startelf-Garantie vom Trainer. Wer dafür weichen muss, wollte Kohfeldt allerdings nicht verraten. Er gab sich geheimnisvoll: „Wir haben die Möglichkeit, zu rotieren. Es kann aber auch sehr gut sein, dass wir mit Ausnahme von Zladdi mit der gleichen Startelf spielen wie auf Schalke.“

Klar ist: Der Coach befindet sich in einer komfortablen Situation, denn er hat viele Optionen. Gegen Schalke sammelte nicht nur Junuzovic nach seiner Einwechslung Pluspunkte, sondern auch Aron Johannsson, der an beiden Bremer Toren beteiligt war. Das müsse aber nicht zwangsläufig dazu führen, dass der Angreifer von Anfang an auflaufe. „Für manche Spieler kann es besser sein, wenn sie später reinkommen. Dann sind die Räume größer“, sagte Kohfeldt.

Warnung vor Bailey

Unabhängig vom Personal gehe es gegen den Tabellenzweiten Leverkusen vor allem darum, Geduld im Spiel mit dem Ball und Mut zu beweisen. Dass Werder im Pokal alle sechs bisherigen Duelle mit Bayer gewann, hat für Kohfeldt keine Bedeutung mehr. „Darauf beziehen wir uns nicht. Leverkusen hat die Attitüde einer Spitzenmannschaft. Dieses Selbstverständnis müssen wir brechen“, forderte er. Bayer verteidige kompakt und sei über die Flügel extrem gefährlich. Bei der 0:1-Niederlage gegen Leverkusen in der Liga bereitete vor allem Außenstürmer Leon Bailey den Bremern große Probleme. „Ein Bailey darf nicht ins Laufen kommen. Wir müssen daher frühzeitig attackieren“, sagte Kohfeldt.

Der Trainer zeigte sich überzeugt davon, dass seine Mannschaft die nötige Qualität besitzt, um in Leverkusen zu gewinnen. Der jüngste Sieg gegen Schalke habe das Selbstvertrauen noch einmal gestärkt, „um unseren Weg weiter zu beschreiten und spielerische Momente zu kreieren“, sagte Kohfeldt. Sollte es tatsächlich klappen mit dem Einzug ins Halbfinale, wäre das übrigens auch ein finanzieller Glücksfall für Werder. 2,55 Millionen Euro würden in die Vereinskasse fließen, die sich durch die Wintertransfers ordentlich geleert hat. „Das wäre eine schöne Zusatzeinnahme, mit der wir nicht geplant haben“, betonte Sportchef Frank Baumann. Auch für die Spieler würde sich das Weiterkommen lohnen: „Sie erhalten eine Prämie, wenn wir gewinnen“, sagte Baumann, ohne die Höhe zu verraten.

Hier geht es zur Abstimmung zum Spiel:

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