Teilnahme an Fußball-WM In welche Fußstapfen Werder-Stürmer Füllkrug in Katar tritt

Beinahe wären es drei Weltmeisterschaften ohne Teilnahme von Werder-Spielern geworden - doch dann wurde noch Niclas Füllkrug für Katar nominiert. Wir blicken zurück auf die Bilanzen seiner Vorgänger aus Bremen.
19.11.2022, 18:27
Lesedauer: 3 Min
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Von Maik Hanke

Die Durststrecke war zuletzt bereits historisch lang. Zwei Weltmeisterschaften ohne einen deutschen WM-Fahrer aus den Reihen des SV Werder Bremen? Das hatte es seit der Bundesliga-Gründung 1963 nicht gegeben. Überhaupt war die DFB-Delegation seit der WM 1966 in England einzig 1998 in Frankreich ohne einen Bremer ausgekommen. Doch dann: 2014 und 2018 reiste kein Profi der zunehmend kriselnden Hanseaten mit – und 2022 hätte es beinahe ganz ähnlich ausgesehen, wenn der Bundesliga-Aufsteiger nicht plötzlich mal wieder einen Überflieger im Kader hätte: Niclas Füllkrug.

Füllkrug reiht sich als 19. Spieler ein in die elitäre Liste Bremer Profis, die bei einer Weltmeisterschaft für Deutschland an den Start gingen – und die vom größten Triumph bis zur größten Enttäuschung die ganze Bandbreite der WM-Emotionen abbilden. Den Anfang hatten 1966 gleich drei Meisterhelden des SV Werder Bremen gemacht: Günter Bernard, Max Lorenz und Horst-Dieter Höttges wurden in England Vize-Weltmeister. Während Höttges fünf Partien bestritt, blieben Bernard und Lorenz ohne Einsatz – nicht zuletzt, weil damals Auswechslungen noch nicht erlaubt waren. Von der Regeländerung profitierte Lorenz dann vier Jahre später, als er 1970 beim 1:0-Sieg im Spiel um Platz drei gegen Uruguay immerhin einmal eingewechselt wurde.

Höttges avancierte im Laufe der Jahre zum einzigen Spieler, der während seiner Zeit bei Werder Bremen an gleich drei WM-Endrunden teilnahm – und 1974 schließlich als erster Bremer Weltmeister wurde. Beim Turnier im eigenen Land kam der „Eisenfuß“ allerdings nur noch einmal zum Einsatz. 1978 konnten die Deutschen als amtierende Champions nicht auch nur annähernd an den Erfolg anknüpfen. Torwart Dieter Burdenski, der in Argentinien ohne Einsatz blieb, wurde zum bis heute einzigen Werder-Profi, der bei einer WM mit Deutschland in der Vorrunde ausschied. „Alles war Mist, von vorne bis hinten“, sagte er Jahre später der DeichStube.

Deutlich erfolgreicher, aber auch deutlich dramatischer verlief die WM 1982 für Uwe Reinders. Drei Einsätze und ein Tor stehen in seiner Bilanz, doch beim Profi des SV Werder Bremen bleibt bis heute weniger das Sportliche in Erinnerung als vielmehr seine kuriose Verletzung in Spanien: Vor dem Halbfinale gegen Frankreich rutschte der Stürmer beim Tischtennisspielen im WM-Quartier aus und zog sich einen Innenbandriss zu, mit dem er ein halbes Jahr ausfallen sollte. Bei der WM wurde Deutschland – und somit auch Reinders – trotzdem immerhin Zweiter.

Genauso wie 1986 Rudi Völler, der damals an der Schwelle zum Weltstar stand. Trotz langer Verletzungspause in der Vorsaison wurde er für die Weltmeisterschaft in Argentinien nominiert und avancierte mit drei Toren – zwei davon als Einwechselspieler – sogar zum besten deutschen Torschützen des Turniers. Was Völler als Spieler von Werder Bremen in Buenos Aires nicht gelang, klappte schließlich 1990 in Italien: Weltmeister werden! Allerdings dann nicht mehr als Bremer, sondern als Profi der AS Rom.

Es wurden 1990 aber auch zwei damalige Bremer Weltmeister: Karl-Heinz Riedle und Günter Hermann gehörten dem triumphalen Team an. Während es Stürmer Riedle auf vier Spiele (und einen wichtigen Treffer im Halbfinal-Elfmeterschießen gegen England) brachte, blieb Mittelfeldmann Hermann ganz ohne Spielminute. „Es stört mich nicht“, sagte Hermann vor einigen Jahren der DeichStube. „Wir waren 23 Spieler, wir sind alle Weltmeister.“ Richtig so! Und es kann ja auch ganz anders laufen. 1994 war für Mario Basler (ein Einsatz) und Co. bereits im Viertelfinale Schluss, beim Viertelfinal-Aus 1998 war dann überhaupt kein Bremer im deutschen Kader vertreten. Doch mit der Jahrtausendwende wurde vieles wieder besser.

Marco Bode, Torsten Frings und Frank Baumann kamen als Werder-Profis bei der Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea überraschend bis ins Finale, 2006 gehörten Frings, Tim Borowski und Miroslav Klose beim „Sommermärchen“ zu den großen Helden, die am Ende Platz drei ergatterten. Die drei Bremer waren bei der Heim-WM auch richtig wichtig: Frings als Abräumer, Borowski als Einwechselspieler und Klose als Torjäger – mit fünf Treffern wurde er Torschützenkönig. Bei der WM 2010 in Südafrika, wo Deutschland erneut Dritter wurde, standen in Mesut Özil, Per Mertesacker, Tim Wiese und Marko Marin erstmals sogar vier Bremer im DFB-Kader.

Als Deutschland 2014 in Brasilien wieder Weltmeister wurde und kein Bremer zum Aufgebot zählte, durften alle, die es mit Grün-Weiß halten, trotzdem mitjubeln: In Klose, Mertesacker und Özil gelang immerhin drei Ex-Bremern der ganz große Triumph. Nach dem Tiefpunkt der deutschen WM-Geschichte mit dem Vorrundenaus 2018 soll 2022 wieder alles besser werden. Ein Bremer steht immerhin im Kader. Und nach seinem Traum-Debüt samt Siegtor im einzigen WM-Testspiel darf sich Niclas Füllkrug in Katar Hoffnung auf Einsätze machen. Aber selbst wenn er nicht oder nur wenig spielen sollte: Dass man auch so Weltmeister werden kann, haben ja schon einige Bremer vor ihm bewiesen. 

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