Gespräch mit Ingolstadt-Manager

Metzelder: „Werder hat eine ganz andere Power“

Vor dem Zweitliga-Duell des SV Werder Bremen gegen den FC Ingolstadt sprach dessen Manager mit unserer Deichstube unter anderem über die Startschwierigkeiten des Aufsteigers.
11.09.2021, 10:10
Lesedauer: 5 Min
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Von Hans-Günter Klemm
Metzelder: „Werder hat eine ganz andere Power“

Malte Metzelder, Manager des FC Ingolstadt.

Oliver Zimmermann via www.imago-images.de

Erst Profi, dann Auszubildender und nun Chef: Der Werdegang von Malte Metzelder würde auch bestens zur Vita eines Verantwortlichen beim SV Werder Bremen passen. Malte Metzelder ist beim FC Ingolstadt quasi der Frank Baumann oder der Clemens Fritz. Vor dem Zweitliga-Duell der beiden Clubs am Samstag sprach der 39-jährige Manager mit unserer Deichstube über die Startschwierigkeiten des Aufsteigers, die Wucht der vielen Traditionsvereine und empfiehlt seinem Kollegen Baumann einen Blick auf den Kader des FCI.

Erst am fünften Spieltag glückte mit dem 2:0 in Sandhausen der erste Sieg in der 2. Liga. Wie groß war die Erleichterung, Malte Metzelder?
Es war der erste Erfolg in der Meisterschaft, im Pokal hatten wir schon mit 2:1 gegen Aue gewonnen. Wir haben sicher eine Zeit lang gebraucht, um in dieser Spielklasse anzukommen. Was so ungewöhnlich als Aufsteiger nach einer so langen Saison mit der erfolgreichen Relegation und der dann folgenden kurzen Vorbereitung allerdings nicht ist. Erfreulich ist die Entwicklung zuletzt. Wir haben dreimal zu null gespielt – auch im Testspiel gegen Wacker Innsbruck in der Vorwoche, das wir 2:0 gewonnen haben.

Es gab viele Veränderungen auf dem Trainerstuhl und im Funktionsteam. Wie hat sich das ausgewirkt?
Es ist nachvollziehbar, dass solche Änderungen Zeit brauchen. Ich denke, dass wir mit unserem jungen und hungrigen Kader auf einem guten Weg sind.

Roberto Pätzold für Tomas Oral, Malte Metzelder für Michael Henke. Neue Verantwortliche in den Führungspositionen als Nachfolger für die Macher, die im Vorjahr erfolgreich gearbeitet haben. Wie groß ist der Druck für Sie und den neuen Coach?
Ich möchte zunächst einmal klarstellen, dass ich nicht als der direkte Nachfolger von Michael Henke engagiert worden bin. Er war als Direktor Sport tätig, ich bin als Manager Profifußball angestellt worden, als Michael Henke noch im Amt war. Es hat Gespräche zwischen ihm und der Vereinsführung gegeben, die nicht zu einer weiteren Zusammenarbeit geführt haben.

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Haben Sie dann als neuer Manager die Berufung des neuen Trainers Pätzold beschlossen?
Nein, Roberto und ich sind fast zeitgleich Mitte Juni engagiert worden. Natürlich war die Trainerposition aber auch wichtiger Bestandteil in den Gesprächen mit mir.

Sie sind in Ingolstadt kein Unbekannter, ihre Berufung hat sich quasi schon länger angedeutet.
Ich habe sieben Jahre hier gespielt und anschließend mit einer Trainee-Ausbildung den Übergang ins Management vollzogen. Ich kenne den Verein mit all’ seinen Facetten. So konnte ich mich schnell auf die Gegebenheiten einstellen. Meine Erfahrungen aus früherer Zeit sind sicherlich ein kleiner Vorteil beim Start in den neuen Job.

Ein Job, der kein Neuland für Sie ist. Bei Preußen Münster haben Sie schon Erfahrungen in ähnlichen Funktionen sammeln können.
Dort habe ich früher auch gespielt. Insofern war es reizvoll, dieses Angebot von einem Club anzunehmen, der auch noch in der Nähe meiner Heimat Haltern liegt. Bei den Preußen habe ich in verantwortlichen Positionen gearbeitet, erst als Sportdirektor und Leiter der Geschäftsstelle sowie dann als Geschäftsführer nach der Ausgliederung der Profiabteilung. Ich konnte dort viel lernen und mich weiterentwickeln.

Zum nächsten Gegner Werder Bremen: Geht Ingolstadt als krasser Außenseiter in die Partie?
In der 2. Liga gibt es eine Anzahl von wuchtigen Vereinen, dazu zählt neben dem HSV und Schalke sowie Düsseldorf und Hannover natürlich auch der Absteiger Werder. In dieser Spielzeit besitzt fast die halbe Liga gewissermaßen einen Erstliga-Status. Wir in Ingolstadt wissen um unsere Rolle als Aufsteiger. Wir wollen in dieser Spielklasse bestehen, dabei positiv überraschen und einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

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Wie soll das gelingen?
Wir wollen als geschlossene Einheit auftreten. Als Kollektiv sind wir in der Lage, gegen alle möglichen Widerstände anzukämpfen. Dabei sind wir selbstbewusst und verfolgen auch eine gewisse Spielidee, mit der wir den Erfolg anstreben.

Können Sie diese Spielidee ein wenig charakterisieren?
Ohne zu viel verraten zu wollen – unsere Spielphilosophie beruht auf diesen Grundsätzen: Wir wollen mutig sein, wir wollen den Gegner unter Stress setzen, ihn in Pressingsituationen fordern und über unsere schnellen Spieler vorn selbst die Initiative ergreifen.

Also ganz das Gegenteil der durchaus legitimen „Methode Liechtenstein“ im WM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland?
Natürlich muss man manchmal auch kompakt verteidigen. Wir wollen aber nicht nur passiv sein, nicht nur tief stehen und abwarten. Sondern wir streben an, couragiert zu agieren und aktiv ins Spiel einzugreifen.

Eher Wiederaufbau als der sofortige Wiederaufstieg – so lautet die in Bremen ausgegebene Devise. Passt dies, wenn man bedenkt, dass Bremen einen Kader hat, dessen Marktwert mit über 50 Millionen Euro der teuerste der Liga ist?
Ich glaube, dass Werder nach der schmerzlichen Erfahrung des Abstiegs nun die Ausrichtung hat, so schnell wie möglich wieder hochzukommen. Im Aufgebot stehen noch viele namhafte Profis. Werder hat im Vergleich zu Ingolstadt und auch anderen Zweitligisten eine ganz andere Power und eine ganz andere Kaderstruktur.

An der Weser ist Ihr Kollege Frank Baumann in die Kritik geraten. Können Sie die Schärfe dabei nachvollziehen?
Wer an der Spitze steht und die Verantwortung trägt, weiß, dass seine Arbeit hinterfragt wird und mögliche Fehler öffentlich angesprochen werden. Auch wenn er nicht allein dafür verantwortlich ist. Ich möchte aus der Ferne nicht beurteilen, ob die harte Kritik berechtigt ist. Ich will die Frage so beantworten: Ich habe Frank Baumann kennengelernt als einen Fachmann, mit dem ich immer kollegial und vertrauensvoll zusammengearbeitet habe. Ich schätze seine besonnene Art und Handlungsweise. Er ist jemand, der nicht populistisch agiert und der nicht jammert über die wirtschaftlichen Nöte und Engpässe. Aus meiner Sicht handelt er sehr umsichtig. Frank Baumann weiß, was er tut.

Der gut besetzte Werder-Kader kam schon zur Sprache. Wenn Sie sich einen Bremer Spieler aussuchen dürften, wen würden Sie wählen?
Werder besitzt einen spannenden Kader mit vielen interessanten Akteuren – auch aus den eigenen Reihen. Ich denke, dass in den vergangenen Jahren die Personalpolitik gerade auch den eigenen Nachwuchsbereich erfolgreich berücksichtigt hat. Wir sind derzeit froh um unsere Kaderstruktur, bestehend aus zahlreichen Talenten und dem wichtigen Gerüst an erfahrenen Spielern. Wir vertrauen unserer Mannschaft. Und ich glaube, dass auch bei uns einige für Frank Baumann interessante Talente spielen dürften.

Worte, die neugierig machen. Auf wen zielen Sie ab?
Ich will unsere Spieler nicht ins Schaufenster stellen. Da fragen Sie am besten direkt nach beim Kollegen Baumann!
 
 

Zur Person

Malte Metzelder

Stationen als Profi: FC Ingolstadt (2007 - 2014), VfR Aalen (2005 - 2007), Borussia Dortmund (2003 - 2005), Preußen Münster (2001 - 2003).
Einsätze: 9 (Bundesliga), 54 (2. Liga), 28 (3. Liga), 146 (Regionalliga) – als defensiver Mittelfeldspieler oder Innenverteidiger.
Nach der Profi-Karriere: Manager (FC Ingolstadt, seit Juli 2021), Geschäftsführer Sport (Preußen Münster, 2018 - 2020), Sportdirektor und Geschäftsstellenleiter (Preußen Münster, 2017 - 2018), Assistent der Geschäftsführung (FC Ingolstadt, 2014 - 2017).

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