Die MEIN-WERDER-Spielerbilanz Johannes Eggestein, der kleine Bruder

Die MEIN-WERDER-Redaktion checkt die Leistungen der Werder-Profis in der abgelaufenen Saison. In alphabetischer Reihenfolge werden die Zeugnisse verteilt – diesmal ist Johannes Eggestein an der Reihe.
25.05.2018, 20:26
Lesedauer: 4 Min
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Von Patrick Hoffmann und Stefan Rommel

Es hatte vielversprechend begonnen. Im ersten Pflichtspiel der Saison, dem DFB-Pokalspiel gegen die Würzburger Kickers (3:0) Mitte August, war Johannes Eggestein kurz vor Schluss eingewechselt worden. Ein Tor gelang ihm zwar nicht, dafür aber schrieb er zusammen mit seinem Bruder Maximilian Bremer Vereinsgeschichte: Zum ersten Mal überhaupt standen mit Johannes Eggestein, 20, und Maximilian Eggestein, 21, zwei Brüder gemeinsam für Werder in einem Pflichtspiel auf dem Rasen. Ganz so, wie es sich ihr Opa immer gewünscht hatte.

„Ursprünglich hatte er den Traum, dass wir irgendwann mal zusammenspielen“, verriet Johannes Eggestein ein paar Tage nach dem Pokalspiel im großen Doppelinterview mit MEIN WERDER. Erst einige Jahre später, als Maximilian Eggestein seinen festen Platz im Mittelfeld gefunden und sich Johannes Eggestein als Sturmtalent einen Namen gemacht hatte, habe der Opa seinen Traum noch einmal angepasst. „Da kam noch der Traum hinzu, dass Maxi vielleicht mal ein Tor von mir vorbereitet“, sagte Johannes Eggestein. „Das wäre natürlich etwas Schönes.“

Nicht nur für den Opa, sondern für alle, die zu Werder halten. Immerhin gilt Johannes Eggestein noch immer als großes Versprechen für die Zukunft. Vor zwei Jahren hatten sich die Bremer im Wettbieten gegen deutsche und europäische Topklubs wie Bayer Leverkusen, Borussia Dortmund und Manchester United durchgesetzt. Johannes Eggestein unterzeichnete damals einen Dreijahresvertag in Bremen und sollte Stück für Stück an die Bundesliga herangeführt werden. Das ist auch gelungen, Johannes Eggestein hat in dieser Saison seine ersten sieben Bundesligaspiele absolviert. Deshalb aber von einer guten Saison für den Junioren-Nationalspieler zu sprechen, wäre dann doch etwas übertrieben.

Den Großteil der Saison hat der „kleine“ Eggestein nämlich in Werders U23 verbracht, für die er in 16 Drittligaspielen kein einziges Tor erzielt hat. Erst gegen Ende der Saison bekam er auch bei den Profis seine Chancen. In der kommenden Spielzeit, da sind sich Trainer Florian Kohfeldt und Sportchef Frank Baumann einig, soll er eine noch größere Rolle spielen. Es wird ein wegweisendes Jahr für den Nachwuchsstürmer, immerhin läuft sein Vertrag im Sommer 2019 aus. „Ich bin von Johannes total überzeugt“, sagt Kohfeldt, „wenn wir es schaffen, das Spiel mehr in den Strafraum zu verlagern, wird er für uns in der Box sehr wichtig sein.“

Eggesteins Saison in Zahlen

93

Vor der Saison waren die Erwartungen an Johannes Eggestein enorm, Medien und Fans projizierten womöglich deutlich zu viel in den Reifegrad des Youngsters. Eggestein durfte dann am zweiten Spieltag gegen die Bayern erstmals als Teilzeitarbeiter ran, pendelte danach aber zwischen Profimannschaft und der U23. Nach der Übernahme von Florian Kohfeldt im November musste Eggestein fünf Monate warten, ehe er wieder ein paar Spielminuten in der Bundesliga bekam. Im Saisonendspurt wurde Eggestein dann regelmäßig eingewechselt. Am Ende standen 16 Kadernominierungen und sieben Saisonspiele, alle nach Einwechslungen. Insgesamt kam Eggestein damit auf 93 Minuten Einsatzzeit in der Bundesliga.

38,2

Zumeist wurde der Spieler in der Schlussphase eines Spiels eingewechselt, manchmal nur für wenige Minuten. Da ist es schwierig, sich schnell zurechtzufinden oder sofort Akzente zu setzen. Zumal, wenn Werder wie in einigen Partien einem Rückstand hinterherlaufen musste und auf einen sehr kompakt stehenden Gegner getroffen ist. So war es kaum verwunderlich, dass Eggestein nicht die beste Option war, um mit einem hohen Zuspiel auf den Spieler das Mittelfeld schnell zu überbrücken und auf den zweiten Ball zu gehen. Von neun Kopfballduellen gewann Eggestein nur eines. Immerhin war die Zweikampfquote am Boden recht passabel (48 Prozent), was letztlich zu einer gesamten Zweikampfquote von 38,2 Prozent führte.

0

Ebenfalls wenig überraschend ist, dass Eggestein in mehreren Statistiken erst gar nicht auftauchte beziehungsweise ganz am Ende auftauchte. Als da wären: null Startelfeinsätze, null Auswechslungen, null Tore, null Torvorlagen, null Gelbe, Gelb-Rote und Rote Karten, null Fouls am Gegner und null getretene Frei- oder Strafstöße.

2

Immerhin konnte sich Eggestein in seiner Kernkompetenz als Torjäger noch zweimal versuchen. Zwei Torschüsse gab der mittlerweile 20-Jährige ab, einen Kopfball aus fünf Metern gegen Hannover 96 und einen Rechtsschuss gegen Borussia Mönchengladbach. Mit 45 Ballbesitzphasen und drei Flanken aus dem freien Spiel lag Eggestein angesichts seiner knapp bemessenen Einsatzzeit im guten Durchschnitt.

Johannes Eggestein…

…über seine Liebe zum Fußball: „Wenn ich Fußball spiele, bin ich frei. Da lebe ich im Moment.“

Björn Schierenbeck (Direktor des Nachwuchsleistungszentrums)…

…über die hohen Erwartungen an Eggestein: „Viele Außenstehende sind zu ungeduldig.“

Ex-Trainer Alexander Nouri…

…über Eggestein: „Johannes gehört die Zukunft bei Werder!“

Wer war euer Spieler der Saison?

Die anderen Teile der Serie "Spielerbilanz":

Delaney, der Wechselwillige

Bargfrede, der Immergrüne

Bartels, der Unglückliche

Belfodil, der Undurchschaubare

Bauer, der Enttäuschte

Caldirola, der Edelreservist

Augustinsson, der Überstunden-Mann

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