Johannes Eggestein verlässt Werder

Das Ende eines Missverständnisses

Johannes Eggestein verlässt Werder - dabei hatte der Stürmer einst den Wunsch geäußert, in Bremen zu bleiben. Was sind die Gründe für seinen Abgang? Die Geschichte eines Missverständnisses.
06.08.2021, 09:19
Lesedauer: 2 Min
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Von Daniel Cottäus

Das Mikrofon mit Werder-Raute in der Hand, die Haare kurz, der Hintergrund dunkel: In diesem Setting hat Johannes Eggestein im April 2019 gegenüber dem Vereins-TV einen Wunsch geäußert, der nicht in Erfüllung gehen sollte. „Ich habe gerade meinen Vertrag verlängert“, verkündete der Angreifer zunächst nicht ohne Stolz – und sagte dann: „Ich hoffe, dass es sowohl für den Klub als auch für mich persönlich weiterhin nach oben geht.“

Heute wissen wir: Ging es nicht. Gute zwei Jahre nach Eggesteins Satz trennten sich die Wege von Stürmer und Verein gestern endgültig – es ist der Schlusspunkt einer Geschichte, die einst beispiellos hoffnungsvoll begann, im Laufe der Jahre aber zu einem immer größeren Missverständnis werden sollte.

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Eggestein, dessen Kontrakt in Bremen 2022 ausgelaufen wäre, wechselt wie erwartet mit sofortiger Wirkung zum belgischen Erstligisten Royal Antwerpen. Rund eine Million Euro soll Werder der Deal einbringen – und darüber hinaus, quasi als Zugabe, eine vor allem im Fan-Kreisen brennende Frage: Warum, bitteschön, hat es mit dem früher so hoch gelobten Stürmer in Bremen nicht geklappt? Clemens Fritz, Werders Leiter Profifußball, sagt: „Jojo wollte mehr Spielzeit, und die konnten wir ihm nicht garantieren.“

Dass dem einstigen Top-Talent (Eggestein schoss in der U 19-Bundesliga einmal 33 Tore in 26 Spielen und stand unter anderem bei Manchester United auf der Liste) der Durchbruch bei Werder verwehrt blieb – Fritz wundert es gar nicht so sehr. „Für mich ist das keine ungewöhnliche Situation. Wir hatten viele Talente, die unheimlich gehypt wurden im Nachwuchsbereich. Die Entwicklung kann aber anders laufen, als man sich das vorgestellt hat.“

Fakt sei, dass „Jojo als Halbstürmer“ nicht unbedingt ins Bremer System passe. In der Tat hatten sowohl Alexander Nouri als auch dessen Nachfolger Florian Kohfeldt und Markus Anfang Probleme, die richtige Rolle für Eggestein zu finden. Erst während seines Leihjahres beim Linzer ASK kam der 23-Jährige auf seiner Wunschposition zum Einsatz – und schoss in 39 Pflichtspielen beachtliche 20 Tore.

Eggesteins Werder-Zahlen, gesammelt im Profiteam, kommen bei Weitem nicht so beeindruckend daher. Insgesamt 46 Mal stand er seit 2017 in der Bundesliga auf dem Platz, erzielte fünf Treffer und bereitete zwei vor. Seine Vertragsverlängerungen, die erste 2016, die zweite wie eingangs erwähnt im April 2019, wurden vom Verein jeweils groß abgefeiert. Nicht weniger als das neue Gesicht des Vereins sollte dieser Angreifer mal werden, den Werder einst genauso wie seinen älteren Bruder Maximilian aus der Jugend des TSV Havelse geholt hatte. Was am Ende bleibt, ist dieser Satz von Fritz: „Wir wünschen Jojo nur das Beste auf seinem Weg.“ Und dieser hier von Johannes Eggestein: "Ich bedanke mich für die vielen Jahre bei Werder Bremen. Sowohl der Verein als auch die Stadt sind mir sehr ans Herz gewachsen, und ich werde immer viel mit Bremen verbinden."

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