Junge Spieler So gut ist Werders U23-Fraktion im Profi-Kader

Laut Sportchef Frank Baumann ist Werder die jüngste Profi-Mannschaft in Deutschland. Aber wie schlagen sich die Spieler der U23-Fraktion bisher? Ein Überblick.
12.11.2021, 18:12
Lesedauer: 6 Min
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Von Carsten Sander

Noch darf er es sagen: "Wir haben die jüngste Mannschaft in Deutschland und in den Top-5-Ligen Europas, was die eingesetzten Spieler betrifft." Werder-Sportchef Frank Baumann hat es in seinem Interview mit unserer Deichstube so behauptet. Ob es stimmt? Schwer zu überprüfen. Im Internet kursieren unterschiedliche Angaben.

Selbst in der zweiten Liga, Werders aktuellem Zuhause, werden die Bremer in der Kategorie "Altersschnitt der eingesetzten Spieler" mit 24,4 Jahren knapp hinter dem Hamburger SV (24,3/Quelle: transfermarkt.de) auf Platz zwei gelistet. Klar ist dabei, dass Werder in der Alterswertung wohl bald zurückfallen wird, wenn in Ömer Toprak (32), Christian Groß (32) und Leonardo Bittencourt (27) erfahrene Kräfte wirklich dauerhaft ins Team zurückkehren sollten. Was aber wiederum nichts daran ändert, dass die jungen Akteure die Mannschaft in den vergangenen Wochen durch ihre quantitativ starke Präsenz geprägt haben. Sportlich führte das jedoch nicht höher als auf Rang acht der Tabelle. Coach Anfang erklärt diese durchwachsene Zwischenbilanz immer wieder mit der Unerfahrenheit vieler Spieler.

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Wie groß der Faktor Jugend bei Werder tatsächlich ist, zeigen folgende Zahlen: Am neunten Spieltag stellten die Bremer beim 3:0 über den 1. FC Heidenheim die jüngste Zweitliga-Startelf der Saison – eine Platzierung, die immer noch Bestand hat. In den Top Ten der jüngsten Startaufstellungen der Liga nehmen die Bremer in der laufenden Saison sechs Plätze ein. Und: Von den 12.870 Spielminuten, die in 13 Punktspielen auf die Werder-Profis verteilt werden konnten, entfielen 4139 Minuten auf Spieler, die jünger als 23 Jahre sind, folglich noch im eigenen U 23-Team spielen könnten. Fast ein Drittel der Spielzeit (32,2 Prozent) gehörte bislang also den jungen Burschen. Das ist nicht exorbitant viel, dokumentiert dennoch die Richtung, die Werder und Trainer Markus Anfang eingeschlagen haben. Es steckt viel Zukunft im Kader. Allerdings ist im Kreis der "U 23er" bislang niemand zu finden, der in den ersten 13 Spieltagen durch die Decke geschossen wäre. Ein Überblick.

Lars Lukas Mai

Der Innenverteidiger hat viel Vertrauen von Coach Anfang bekommen, stand siebenmal in der Startelf. Nach seinem schweren Fehler gegen den SV Sandhausen rückte er gegen den FC St. Pauli auf die Bank, wo er auch die Partie gegen den 1. FC Nürnberg verbrachte. Zwei Spiele in Folge ohne Einsatz – das ist ihm zuvor bei Werder noch nicht passiert. Die Leistungen des vom FC Bayern ausgeliehenen U21-Europameisters waren schwankend. Wobei: Mais Quote gewonnener Zweikämpfe ist mit 63,41 Prozent die zweitbeste im Team. Nur Ömer Toprak liegt mit 68,75 Prozent noch vor ihm.
Mai in Zahlen: 21 Jahre, zehn Einsätze, acht Startelfauftritte, 676 Einsatzminuten, null Tore, null Assists.

Felix Agu

Wäre er nicht immer wieder verletzt gewesen, hätte er vermutlich 13 von 13 Spielen absolviert. So fehlen vier. Anfang attestiert dem Außenspieler, der sechsmal rechts und dreimal links spielte, "offensiv wahnsinnig viele Qualitäten". Dabei ist Agu von Haus aus Verteidiger. "Er kann linker und rechter Außenverteidiger spielen. Er kann im 3-5-2 oder 3-6-1 die rechte Bahn hoch und runter spielen. Wir wissen um seine Dynamik nach vorne", sagt Anfang über Agu, der 2020 zu Werder gekommen war, um sich in der ersten Bundesliga zu etablieren. Um diesen Anspruch eine Spielklasse tiefer zu untermauern, muss er allerdings noch etwas zulegen.
Agu in Zahlen: 22 Jahre, neun Einsätze, sechs Startelfauftritte, vier verpasste Spiele wegen Verletzung, 601 Einsatzminuten, null Tore, ein Assist.

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  Manuel Mbom

Für ihn ist die Saison bislang ein ziemliches Hin und Her. Dreimal Startelf zu Saisonbeginn, zweimal auf der Bank, dreimal eingewechselt, dann wieder zweimal Startelf, einmal raus, zuletzt wieder Startelf gegen St. Pauli und den 1. FC Nürnberg. Was dieses Wechselspiel über Mbom aussagt? Es vermischen sich zwei Dinge: Weder gibt es für ihn eine feste Position im Team noch hat er die Konstanz in seinen Leistungen, als dass Anfang darüber nachdenken müsste, eine für ihn zu schaffen. Mbom kam zumeist rechts defensiv zum Einsatz, gegen St. Pauli durfte er im defensiven Mittelfeld, seiner eigentlichen sportlichen Heimat, ran, zeigte gute Ansätze, die er dann gegen Nürnberg bestätigte. Vielleicht ist das für ihn die Lösung. Mbom in Zahlen: 21 Jahre, zehn Einsätze, sieben Startelfauftritte, 656 Einsatzminuten, null Tore, null Assists.

Ilia Gruev

Er hat die zurückliegenden Wochen wie kein anderer junger Spieler im Kader für sich nutzen können. Am achten Spieltag spülte ihn die Verletzung von Christian Groß erstmals in die Startelf, es war der erste von sechs 90-Minuten-Auftritten in Serie als defensiver Mittelfeldspieler. Anfang sieht in Gruev ein Beispiel, wie er sich den Werdegang eines Talents vorstellt. "Wer hätte denn vor der Saison gesagt, dass der so die Sechs spielen kann?", fragte er. Jedoch könnten die kommenden Wochen bitter für Gruev werden. Wenn Groß in die Anfangsformation zurückkehrt, droht dem Newcomer wieder die Bank.
Gruev in Zahlen: 21 Jahre, neun Einsätze, sechs Startelfauftritte, 618 Einsatzminuten, null Tore, null Assists.

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Romano Schmid

962 Spielminuten – damit steht der Österreicher an der Spitze der U23-Spieler im Profi-Kader. In jedem Spiel war er dabei, entweder als Flügelspieler oder im offensiven Mittelfeld. Sein Output ist jedoch bescheiden. Kein Tor trotz 37 Torschüssen (Platz sechs im Liga-Ranking) und drei Assists sind nicht das, was man sich von einem Spieler mit seinem Profil erwartet. Besonders an der Qualität seiner Abschlüsse muss Schmid dringend arbeiten.
Schmid in Zahlen: 21 Jahre, 13 Einsätze, zehn Startelfauftritte, 962 Einsatzminuten, null Tore, drei Assists.

Abdenego Nankishi

Als Rechts- und Linksaußen bekam der 19-Jährige in der Startphase der Saison seine Chancen, doch es zeigte sich, dass die zweite Liga für ihn noch zu früh kommt. Seit seiner Auswechslung gegen den HSV nach nur 38 Minuten (als Reaktion auf den Groß-Platzverweis) kam er nur noch für eine Minute zum Einsatz. Zuletzt fehlte er gleich ganz im Kader.
Nankishi in Zahlen: 19 Jahre, sechs Einsätze, zwei Startelfauftritte, zwei Spiele verletzt verpasst, 136 Einsatzminuten,

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Oscar Schönfelder

Er tastet sich heran. Erst am neunten Spieltag kam der Linksaußen zu seinem Saisondebüt in der Liga, in Sandhausen lieferte er die Vorlage zum wichtigen 2:2. Doch nach insgesamt nur 38 Minuten Spielzeit lässt sich über ihn nichts Belastbares sagen. Immerhin: Auch er darf mittlerweile regelmäßig mitwirken.
Schönfelder in Zahlen: 20 Jahre, vier Einsätze, null Startelfauftritte, 38 Einsatzminuten, null Tore, ein Assist.

Eren Dinkci

Mit großen Hoffnungen war er in die Saison gestartet. Nach einem fulminanten Profi-Debüt in Liga eins wird Dinkci in Liga zwei viel zugetraut. Doch bislang hat er noch nicht geliefert. Kein Tor, ein Assist – zu wenig in 427 Spielminuten. Dinkci, gelernter Mittelstürmer, musste allerdings oft über die Außen kommen, wo Coach Anfang auf das Tempo des 19-Jährigen setzte. In die Eins-gegen-eins-Situationen wolle er ihn "immer wieder reinpeitschen", hatte Anfang vor wenigen Wochen gesagt. Seitdem sind die Spielanteile für Dinkci jedoch immer weiter zurückgegangen. Von 74 Minuten über 45, auf 22 bis zum Ein-Minuten-Auftritt gegen St. Pauli. Gegen den 1. FC Nürnberg kam er dann gar nicht mehr zum Einsatz. Sollte sich bei Werder die Doppelspitze Ducksch/Füllkrug etablieren und fortan auch Leo Bittencourt regelmäßig zur Verfügung stehen, wird es schwer werden für den gebürtigen Bremer, diesen Trend wieder umzudrehen.
Dinkci in Zahlen: 19 Jahre, neun Einsätze, sechs Startelfauftritte, zwei verpasste Spiele wegen Verletzung, 427 Einsatzminuten, null Tore, ein Assist.

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Nick Woltemade

Zwei Kurzeinsätze zu Saisonbeginn, dann war Woltemade zunächst außen vor – und seit einigen Wochen fehlt er komplett. Wegen einer Fußverletzung musste er operiert werden. Für ihn ist es deshalb bislang eine Saison zum Abhaken. Frühestens in der Vorbereitungsphase im Januar wird er wieder mit der Mannschaft trainieren.
Woltemade in Zahlen: zwei Einsätze, null Startelfauftritte, sechs verpasste Spiele wegen Verletzung, 25 Einsatzminuten.

Die Außenverteidiger Kyu-hyun Park (20) und Simon Straudi (22) sind in dieser Saison trotz einiger Kadernominierungen (acht bei Park, drei bei Straudi) noch nicht zum Einsatz gekommen.

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