Junge Ersatzspieler

Rasselbande auf der Werder-Bank

Werders Ersatzbank ist jung: 20 Jahre sind die Spieler im Durchschnitt alt. Sind das schon Reservisten oder ist das noch eine Rasselbande?
23.08.2021, 10:28
Lesedauer: 2 Min
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Von csa

Der Scherz lag da wie der Ball auf dem Elfmeterpunkt. Markus Anfang musste nur noch verwandeln – und tat es dann auch. Ob er jemals zuvor eine so junge Ersatzbank hatte, wurde der Trainer des SV Werder nach dem 0:0 beim Karlsruher SC gefragt. „Ja“, sagte Anfang und feixte: „Damals bei Bayer Leverkusen in der U17.“ Aber sonst? Jenseits von Nachwuchsteams findet sich bei Ergänzungsspielern kaum eine Altersstruktur wie bei der Bremer Gruppe am Samstag. Es waren Nick Woltemade, Dejan Galjen, Abdenego Nankishi (jeweils 19 Jahre), Oscar Schönfelder und Kyu-Hyun Park (beide 20) sowie Manuel Mbom, Lars Lukas Mai, Ilia Gruev und Luca Plogmann (alle 21) – neun Spieler, die zusammen 181 Lenze zählen. 20,11 Jahre also im Schnitt. Deutlich überspitzt ließe sich fragen: Sind das schon Reservisten oder ist das noch eine Rasselbande?

Natürlich sind es Reservisten, Anfang hat sechs von ihnen in dieser Saison schließlich schon eingesetzt, Mbom und Mai gehörten sogar zum Stammpersonal der Startelf, ehe sie am dritten Spieltag gegen den SC Paderborn (1:4) zur Pause ausgewechselt wurden und in Karlsruhe auf der Bank landeten. Auch wenn der Zusammenhang zwischen der einen und der anderen Partie klar erkennbar ist, sieht Anfang in der Maßnahme keine direkte Reaktion auf die Paderborn-Leistung des Duos: „Wenn es danach ginge, hätte ich viele Spieler tauschen müssen. Mir geht es darum, den Jungs mal die Gelegenheit zum Durchpusten zu geben.“

Das galt natürlich nicht für Dejan Galjen. Als frischester Debütant feierte der vom Karlsruher SC gekommene Mittelstürmer ausgerechnet an alter Wirkungsstätte seine Werder-Premiere. Nur für ein paar Minuten, eigentlich waren es sogar nur Sekunden, brachte Anfang den Angreifer. Und es war einerseits ein weiterer Beweis dafür, dass es Werder ernst ist damit, auf junge Spieler zu setzen. „Wir geben ihnen die Chance“, meinte Sportchef Frank Baumann. Andererseits ist auch klar, dass sich an der Personalie Galjen ebenso gut die Notsituation ablesen lässt, in der Anfang mit Werder steckt. Wegen der zahlreichen Abgänge und der nicht ganz so zahlreichen Verletzungen (Toprak, Möhwald, Bittencourt, Pavlenka) kann der Coach im Moment gar nicht anders, als die Bank extrem jung zu besetzen. Und diese Frage sei noch erlaubt: Steckt in einer Einwechslung in der Nachspielzeit wirklich viel Überzeugung?

Völlig klar ist, dass Anfang es auf dem Platz mit dem Jugendwahn nicht übertreiben will – siehe sein Auswechselverhalten in Karlsruhe. Nach 76 Minuten kam Nankishi für den gleichaltrigen Eren Dinkci, ganz spät dann Galjen für Romano Schmid, selbst erst 21 Jahre alt. Lediglich zwei von fünf möglichen Wechseloptionen nutzte der Coach also. Für die kommenden Aufgaben hofft er auf die Rückkehr der routinierten Ömer Toprak, Kevin Möhwald und irgendwann auch Leonardo Bittencourt. Denn, so Anfang: „Die jungen Spieler machen es gut. Aber wir müssen auch Erfahrung reinbringen.“      

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