Kampf der Kronprinzen

Wie Werder mit Zetterer und Kapino plant

Stefanos Kapino und Michael Zetterer befinden sich in einem Duell - und zwar in einem Duell auf Distanz. Die beiden Keeper wollen bald ins Werder-Tor, doch die Wege dorthin sind unterschiedlich.
08.02.2021, 20:01
Lesedauer: 3 Min
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Von Carsten Sander
Wie Werder mit Zetterer und Kapino plant

Stefanos Kapino steht derzeit für den SV Sandhausen zwischen den Pfosten.

Tom Weller / dpa

Jiri Pavlenka hat ein bisschen Pech gehabt. Das abgesagte Spiel bei Arminia Bielefeld hätte dem Schlussmann des SV Werder helfen können, in den Torhüter-Statistiken der Liga noch weiter nach vorne zu rücken. Bei der Prozentzahl der vereitelten Großchancen hätte er sogar auf Platz eins springen können – kein Gegentor, aber entschärfte Top-Möglichkeiten des Gegners vorausgesetzt. Oder die Gesamtzahl der abgewehrten Schüsse: Pavlenka hätte Manuel Neuer (beide bei 63) abhängen und sich in den Top 5 der Liga einnisten können. Aber: kein Spiel, keine gehaltenen Bälle. Auch so ist jedoch längst klar, dass Werder Bremen in der laufenden Saison wieder auf einen starken Schlussmann mit gehobener Bundesliga-Qualität vertrauen kann. Das Thema Torhüter sollte deshalb eigentlich keines sein an der Weser. Und dennoch ist es eines.

Es geht dabei aber gar nicht so sehr um Pavlenka selbst, sondern um seine beiden Kronprinzen Stefanos Kapino und Michael Zetterer. Zwischen ihnen hat ein Kampf begonnen, der aktuell auf Abstand geführt wird und – wenn überhaupt – frühestens im Sommer entschieden wird. Es ist der Kampf, der sich um die Frage dreht: Wer beerbt Pavlenka, falls es etwas zu erben gibt?

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Der Tscheche ist bei Werder „die ganz klare Nummer eins“, daran ließ Trainer Florian Kohfeldt in der Vergangenheit keinen Zweifel aufkommen und macht es auch aktuell nicht: „Jiri ist sehr, sehr stabil diese Saison.“ Was allerdings auch die in der vergangenen Spielzeit deutlich abgeebbten Spekulationen wieder aktiviert, dass Pavlenka die Bremer im Sommer verlassen könnte. Gegen Zahlung einer stattlichen Ablöse natürlich. Werder erhofft sich diesen Wechsel, weil stattliche Ablösen der einfachste Weg sind, die eigene, Corona-getriebene Finanzkrise zu meistern.

Lange war Kapino Pavlenkas Schattenmann, weil der Grieche aber als Bankdrücker die Geduld verlor und sich bis Saisonende an Zweitligist SV Sandhausen ausleihen ließ, gibt es nun in Zetterer (Ausleihe an PEC Zwolle vorzeitig beendet, Vertrag bei Werder langfristig verlängert) eine zweite Option für die Zukunft. Und eines ist sicher: Jeder von ihnen wird Ansprüche auf den Platz im Bremer Tor anmelden. Ist das Zündstoff oder Luxus? „In diesem Fall bewegen wir uns in einer sehr komfortablen Situation“, sagt Kohfeldt natürlich und sieht vor allem die Chance, dass er auch in der neuen Saison einen starken Schlussmann zwischen den Pfosten haben wird. Allerdings ist auch ein gewisses Konfliktpotenzial nicht von der Hand zu weisen.

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Geht Pavlenka, wird Werder Kapino (bislang vier Bundesliga-Einsätze) und Zetterer (32 Einsätze in der niederländischen Eredivisie, null in der Bundesliga) ins offene Rennen um den Stammplatz im Tor schicken. Bleibt Pavlenka jedoch, wird sich die Frage nach Kapino oder Zetterer als Herausforderer stellen. Die jüngste Entwicklung zeigt, dass das Pendel wohl Richtung Zetterer schlägt. „Werder hat meinen Vertrag sicher nicht verlängert, um mich irgendwo zu parken“, hat der 25-Jährige selbst schon vermutet. Kohfeldt sagt dazu: „Zetti soll ab dem Sommer kämpfen, hier die Nummer eins zu werden.“ Mit anderen Worten: Der 25-Jährige ginge auf jeden Fall in ein Duell – auch gegen Pavlenka. Dass Werder es zu einem Dreikampf kommen lassen würde, ist aber ausgeschlossen – schon aus wirtschaftlichen Gründen. Bei einem Pavlenka-Verbleib wäre Kapino trotz seines noch bis 2022 laufenden Vertrages vermutlich der Torwart zu viel im Bremer Kader. „Ich gehe davon aus, dass Kapi nach Spielpraxis strebt“, erklärt Kohfeldt, „das ist auch ein verständlicher Wunsch. Er hat die Qualität dafür.“ Es ist die umständlichere Form, um zu sagen: Kapino bleibt nur als Nummer eins.

Werder hat im Sommer allerdings nicht nur Pavlenka, Zetterer und Kapino als Torhüter unter Vertrag, sondern auch noch die Nachwuchskräfte Eduardo Dos Santos Haesler (21) und Luca Plogmann (20). Der Plan mit ihnen ist dieser: Plogmann, dessen Leihe an Drittligist SV Meppen wegen eines Patellasehnenrisses vorzeitig beendet wurde, soll einen neuen Anlauf nehmen, sich auf höherem Niveau als der Regionalliga zu beweisen. Heißt: erneutes Leihgeschäft. Dos Santos Haesler wird derweil weiter mit der Bundesliga-Mannschaft trainieren und für die U23 spielen. Ändern könnte sich daran nur dann etwas, wenn die U23 in die dritte Liga aufsteigen sollte. Dann wäre auch ein Plogmann-Verbleib denkbar.

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