Warum Konterabsicherung so wichtig ist

Kampf gegen die Problemzone

Mit der Konterabsicherung hatte Werder vergangene Saison große Schwierigkeiten. Beim Rennen um Europa soll das diesmal möglichst keine wichtigen Punkte mehr kosten. Deshalb wird nun intensiv daran gearbeitet.
05.08.2019, 18:57
Lesedauer: 3 Min
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Von Stefan Rommel
Kampf gegen die Problemzone
nordphoto

Beim Trainingslager schickte Werder eine kleine Drohne in den Himmel über Grassau, die Nachmittagseinheit im Elf gegen Elf wurde damit komplett aufgezeichnet und noch am Platz mit den Spielern besprochen. Ein Kernthema, wie schon in den Tagen und Wochen davor: Die Absicherung gegnerischer Konter.

Werder hatte damit in der vergangenen Saison durchaus seine Probleme, ließ gegen Stuttgart, Leverkusen, Hoffenheim, Hertha und Düsseldorf wichtige Punkte liegen, weil das Absichern und Durchschieben zum Ball phasenweise nicht funktionierte. Deshalb hob Florian Kohfeldt dieses Element auf die Tagesordnung und arbeitet sich mit seiner Mannschaft seit einigen Wochen daran ab. Beim 4:0-Sieg im Testspiel gegen Eibar klappten die Abläufe schon erstaunlich gut, und das in allen möglichen Konstellationen.

Ohne gute Staffelung kein Balldruck

Werder probierte gegen die Spanier „seine“ klassischen Staffelungen durch, agierte in der Raute und im 4-3-3, dann mal mit einem abkippenden Sechser und damit einer Dreierkette im Aufbau. Verschiedene Aufgabenstellungen und Anordnungen also, im Moment des Ballverlusts aber griff das Nachrücken und Zuordnen nahezu perfekt. Und darum geht es im Grundsatz: Um die richtigen Entscheidungen und Staffelung der Mannschaft unmittelbar nach einem Ballverlust.

Um in ein stabiles Gegenpressing aufrücken zu können, ist die Struktur der Mannschaft unmittelbar vor dem Ballverlust entscheidend. Sind zu viele Spieler vor dem Ball oder die Abstände untereinander zu groß, weil der ballführende Spieler zum Beispiel vom Gegner isoliert ist, kann man als Block nicht aufrücken und Balldruck herstellen.

Die beiden Halbräume und das Zentrum, sowie natürlich der ballnahe Korridor müssen besetzt sein. Deshalb sollte der ballferne Außenverteidiger der Viererkette beziehungsweise der Halbverteidiger der Dreierkette schon im eigenen Ballbesitz einrücken, um im Durchschieben schneller Zugriff zu bekommen und den Gegenspieler aufzunehmen. Ihr dadurch offenerer Flügelraum wird als Kollateralschaden akzeptiert.

„Ein Stück weiter als im letzten Jahr“

Aber egal in welcher eigenen Anordnung sich Werder befindet und wie der Gegner postiert ist und welche Räume er anspielt - der Kopf spielt eine ganz zentrale Rolle. Und gedanklich war Werder in diesen Momenten vergangene Saison nicht immer auf der Höhe. „Diese Schwäche hat uns Punkte gekostet. Auf diesem Niveau können wir es uns nicht erlauben, dass wir nach einem Ballverlust abschalten“, sagt Nuri Sahin und verweist auf die vielen Spiele der letzten Saison, in denen Werder in dieser Beziehung noch zu schlecht war. „Wir mussten am ersten Impuls arbeiten und uns verbessern, wenn der Ball verloren geht. Und dabei sehe ich uns schon ein Stück weiter als im letzten Jahr.“

Das würde Werder gleich mehrere Vorteile auf einmal bringen: Zum ersten wäre die kontrollierte gegnerische Befreiung deutlich erschwert, wenn Werder sauber abgesichert am Ball Raum und Zeit knapp macht. Zum Zweiten ergäbe sich bei den dann erwünschten Balleroberungen die gewünschte Dominanz, mit der die Mannschaft unterschiedlich umgehen kann. Höhere Ballgewinne laden förmlich zu eigenen Umschaltaktionen ein, Werder kann also mit einer sauberen Konterabsicherung nicht nur die Gefahr vom eigenen Tor abhalten, sondern noch mehr eigene Angriffe fahren.

Oder aber, und das wäre quasi schon die Königsdisziplin, durch den neuen Ballbesitz eine Art aktiver Erholungsphase einstreuen. Große Mannschaften sind in der Lage, sich im kontrollierten Ballbesitz zu regenerieren, während der Gegner weiter Druck aushalten und Laufarbeit verrichten muss. Aber das wäre dann vielleicht schon der nächste Schritt. Und wieder ein anderes Thema.

Nach Freistößen klappt es noch nicht

Im letzten Test gegen Everton (0:0) wurde deutlich, dass die Konterabsicherung im laufenden Spiel bei Werder bereits gut passt. „Da hat es sehr gut funktioniert“, lobte denn auch Kapitän und Abwehrchef Niklas Moisander. Wie so oft im Profifußball kommt es aber auch hier auf die Details an: Ausgerechnet nach einem eigenen Freistoß am gegnerischen Strafraum lief Werder in einen gefährlichen Konter, hier funktionierte die Absicherung überhaupt nicht. „Über die Konterabsicherung nach Standards müssen wir noch mal reden“, sagte Moisander. Auch Kohfeldt kündigte an, daran bis zum Pflichtspielstart noch einmal arbeiten zu wollen, damit auch nach eigenen Freistößen oder Eckbällen die Staffelung passt und möglichst keiner gedanklich abschaltet.

Solche Details, findet Sahin, „sind wichtig für uns. Und wenn uns das nur drei Punkte mehr einbringt - diese drei Punkte hätten in der vergangenen Saison gereicht, um uns für Europa zu qualifizieren.“

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