Zurückgeblättert: 27. August 1989

„Katastrophale Fehler wurden nicht bestraft“

Seit 1963 spielt Werder in der Bundesliga, mehr als fünf Jahrzehnte, in denen sich im Fußball, bei Werder und in der Berichterstattung viel verändert hat. Wir zeigen die Originaltexte und Zeitungsseiten.
28.08.2019, 10:23
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Von (wkf)
„Katastrophale Fehler wurden nicht bestraft“
Archiv WESER-KURIER

Der WESER-KURIER schrieb am 27. August 1989:

Werders fünftes Unentschieden im sechsten Saisonspiel war zweifellos das glücklichste. Denn die Bremer hätten sich nicht beklagen dürfen, wären sie schon bis zur Pause im Homburger Waldstadion mit etlichen Toren hoffnungslos ins Hintertreffen geraten. In den ersten 45 Minuten bot Werders Hintermannschaft die desolateste Leistung seit langem. Da gaben Sauer, Bratseth und Votava dem Aufsteiger beste Vorlagen zu klarsten Torchancen, die die Homburger jedoch nicht nutzen konnten, sieht man mal von einem Elfmetertor von Theiss (4.) ab. Neuling Uwe Harttgen (72.) glich nach der Pause aus und sorgte somit für die Punkteteilung in einem Spiel, das nach 90 Minuten auch keinen Sieger verdient hatte.

Das Durcheinander der Bremer Hintermannschaft hatte seinen Ursprung schon in der vierten Minute. Da wollte Sauer den Ball zurückspielen zu Torwart Reck, doch sein Schuß war so schwach, daß der Argentinier Maciel dazwischenspritzen und Reck umspielen konnte. Der Bremer Schlußmann zog die Notbremse. Klarer Fall: Elfmeter. Und Theiss ließ sich die Chance nicht entgehen.

Ein gründlich mißratener Auftakt für die Bremer also. Und damit nicht genug: Da leistete sich Bratseth gleich zwei Schnitzer ähnlichen Kalibers, Votavas mißglücktes Rückspiel kurz vor der Pause war eher noch schlimmer als das von Sauer. Aber die Bremer hatten bei ihren späteren Fehlern das Glück, das Sauer nicht hatte: Reck erwies sich stets als Meister der Situation. Er verkürzte den Winkel, blieb stehen und bot den Homburgern keine Lücke.

So blieb es bis zur Pause beim 0:1, wobei die Bremer noch Glück hatten, daß ein Homp-Schuß nur auf die Latte klatschte. Die einzige Werder-Möglichkeit vor der Pause vergab Burgsmüller. Wie so oft, wenn man Chancen gleich reihenweise ausläßt, folgt die Quittung. Die Homburger bekamen sie nach der Pause durch die in der Halbzeit sichtlich aufgerüttelten Bremer, die nun konsequenter spielten. Allerdings: Eine große Chance hatten die Homburger auch nach dem Wechsel noch, als erneut Bratseth ein Fehler unterlief.

Ansonsten stand Werders Abwehr nun, wobei auch Votava oft noch Manndeckungsaufgaben übernahm, während sich Sauer mehr im Mittelfeld tummelte und erst gegen Schluß wieder zurückging.

Werder jedenfalls bestimmte nach dem Wechsel deutlich das Spiel gegen eine immer ängstlicher agierende Mannschaft der Gastgeber, die so gar nicht glauben konnte, daß sie immer noch führte. Damit war es dann auch in der 72. Minute vorbei: Schaaf flankte von rechts, Uwe Harttgen war zur Stelle und köpfte zum 1:1 ein.

Es war letztlich der verdiente Lohn dafür, daß die Bremer insgesamt die größeren Spielanteile besaßen. Die Homburger waren nun wirklich keine Mannschaft die den Sieg vom eigenen Können her verdient gehabt hätte.

Werders Problem ist nach wie vor auch die Offensive, in der es an Ideen fehlt um eine gewiß nicht souveräne Abwehr wie die der Homburger aus den Angeln zu heben. Zwar waren die Bre-mer wesentlich mehr am Ball als die viel zu zaghaften Gastgeber, doch heraus kam meist nur Quergeschiebe ohne zwingende Aktionen.

Dennoch verließen die Bremer strahlend das Waldstadion. Sie wußten, daß sie den insgesamt glücklichsten Punkt der noch jungen Saison errungen hatten. Zur eigenen Verblüffung wurden die Bremer auch noch für dieses 1:1 belohnt „Nicht zu glauben, aber wir sind Vierter nach solch einem Spiel", hatte sich Willi Lemke schon beim Gang in die Kabine ausgerechnet.

Das hochauflösende PDF der originalen Zeitungsseite von damals gibt es hier. (bei iOS den Link länger gedrückt halten).

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