Kaum Ballkontakte für Werder-Profi Augustinsson und die Abwehrschlacht

Die Europameisterschaft hätte für Ludwig Augustinsson und seine Schweden schlechter starten können. Beim 0:0 gegen Spanien hatte der wechselwillige Werder-Profi jedoch nur wenig Ballkontakte.
15.06.2021, 13:32
Lesedauer: 2 Min
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Von Carsten Sander

Man musste schon ganz genau hinschauen, um ihn zu finden. Irgendwo da ganz oben links in der Ecke des Flat-TV stand Ludwig Augustinsson und wartete die meiste Zeit. Worauf? Darauf, dass sich das Spiel der Spanier auch mal auf seine Abwehrseite verlagern würde. Doch das tat es nicht. Weshalb der linke Verteidiger des schwedischen Nationalteams im ersten EM-Gruppenspiel unerwartet wenig beschäftigt war. Man kann auch sagen, das Spiel lief weit an dem Werder-Profi vorbei. Und das soll schon etwas heißen. Denn die Schweden hatten gegen Spanien voll auf Defensive gesetzt und mit dem 0:0 tatsächlich einen Punkt ermauert. Unterm Strich war es kein schlechter Start für die Skandinavier, aber Augustinsson (für den es nach einer Verletzungspause das erste Spiel seit dem Bremer 0:2 beim FC Augsburg einen Monat zuvor gewesen war) hatte gewiss nicht die Rolle des Hauptdarstellers inne.

Diese Rolle kam seinem spanischen Pendant als Linksverteidiger zu. Über Jordi Alba, 32 Jahre alter Routinier des FC Barcelona, lief gefühlt jeder Angriff des Ex-Weltmeisters. Und so kam ein Zahlenvergleich zustande, der den Charakter des Spiels ziemlich gut beschrieb: Hier Augustinsson, der Unterbeschäftigte. Nur 21 Ballkontakte in 90 Minuten zählten die Datensammler bei dem 27-Jährigen. Der Bremer spielte lediglich zehn Pässe, von denen wiederum nur fünf auch bei einem Mitspieler ankamen. Wenig, wenig. Und dann Jordi Alba, ebenfalls linker Verteidiger. Beim spanischen Daueranrennen wurde er zur Autobahn nach vorne. 148 (!) Ballkontakte, 121 (!) Pässe, 90 Prozent davon erfolgreich, vier wurden zu Torschussvorlagen. Aber den entscheidenden Treffer konnte auch Jordi Alba nicht erzwingen. Weshalb Augustinsson am Ende mit dem gleichen Ertrag den Spielort Sevilla verließ wie die enttäuschten Spanier.

„Wir schämen uns kein bisschen für diesen Punkt“, sagte Schwedens Nationaltrainer Janne Andersson, dessen Team zwar extrem destruktiv agiert hatte und jeden Einwurf, jeden Abstoß nutzte, um Zeit zu schinden, das aber trotzdem auch hätte gewinnen können. Der ehemalige HSV-Stürmer Marcus Berg vergab die beste Chance des Spiels, als er am leeren Tor vorbeischoss.

Drei Punkte wären für Augustinsson und Co.allerdings auch des Guten eindeutig zu viel gewesen. Das Remis ist für den 27-Jährigen, der Werder Bremen nach der EM ziemlich sicher verlassen wird, eine gute Ausgangslage für die weiteren Gruppenspiele gegen die Slowakei (Freitag, 15.00 Uhr) und Polen (23. Juni, 18.00 Uhr). Ein Sieg aus diesen beiden Spielen könnte schon zum  Erreichen des Achtelfinals reichen.

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