Gute Vorzeichen für Werder

Kein klarer Außenseiter gegen Gladbach

In dieser Saison hat Werder zweimal gegen Borussia Mönchengladbach gespielt – beide Spiele gewannen die Bremer. Werder geht nicht als klarer Außenseiter ins Duell mit den Fohlen.
04.02.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Kein klarer Außenseiter gegen Gladbach
Von Olaf Dorow

In dieser Saison hat Werder zweimal gegen Borussia Mönchengladbach gespielt – beide Spiele gewannen die Bremer. Nicht nur deswegen geht Werder nicht als klarer Außenseiter ins Duell mit den Fohlen.

Werder ist die Mannschaft, die in dieser Saison zweimal gegen Mönchengladbach gespielt – und zweimal gewonnen hat. Werder ist außerdem die Mannschaft, die nun bereits zum dritten Mal in einer Phase auf Mönchengladbach trifft, in der Mönchengladbach über Wochen keine Siege mehr gelingen mögen. Und noch mal außerdem: Werder hat zuletzt den Tabellenfünften auswärts besiegt sowie gegen den Tabellendritten einen nahezu aussichtslosen Rückstand in ein Unentschieden umgebogen. Man sollte annehmen, dass zumindest schon mal der psychologische Vorteil bei den Bremern liegt, wenn am Freitag angepfiffen wird.

Die Sache mit dem Bremer Vorteil sehen nur wenige anders. Zu ihnen gehören der Bremer Trainer und der Bremer Manager. „Nein“, sagt Werders Trainer Viktor Skripnik. Es sei überhaupt kein psychologischer Vorteil, dass Werder in dieser Saison schon zweimal die Borussen geschlagen habe. Kein Vorteil, kein Nachteil. „Das ist eine neue Story“, formuliert er. Mit anderen Worten sagt das auch Werders Manager Thomas Eichin. Es sei doch völlig unerheblich, „ob wir gegen irgendeine Mannschaft mal irgendwann ein Spiel gewonnen haben“.

Andere Vorzeichen

Das mit den Bremer Siegen sei nur etwas für die Statistik – und damit etwas, „was uns überhaupt nicht interessiert“. Damals, vor dem 4:3-Triumph im DFB-Pokal Anfang Dezember in Mönchengladbach, habe eine völlig andere Situation geherrscht als jetzt. „Damals hat jeder gesagt: Wir haben da keine Chance“, sagte Eichin auf der Pressekonferenz zum 20. Spieltag.

Die Vorzeichen haben sich herumgedreht. Vor zwei Monaten traute niemand Werder etwas zu – und Werder musste versuchen, trotzdem mutig zu bleiben. Diesmal trauen alle Werder etwas zu, und Werder muss versuchen, nicht übermütig zu werden. „Wir werden jetzt sicherlich nicht irgendeine Schlagzeile liefern, die sich irgendeiner in die Kabine hängen kann“, sagte Thomas Eichin – um im nächsten Satz dann doch eine schlagzeilenfähige Formulierung zu wählen. Es sei hundertprozentig so, dass die Gladbacher am Freitag „mit Schaum vorm Mund“ auflaufen würden. Sie seien ja mit zwei Niederlagen in Folge in die Rückrunde gestartet und würden auf jeden Fall und mit aller Macht etwas gutmachen wollen.

Was laut Eichin wiederum schon mal allein deswegen bedeuten würde, dass Werder „ganz gewaltig aufpassen muss, damit wir uns da nicht überraschen lassen“. Ohne dass er das noch einmal genauso formuliert, erklärt Eichin, dass Werder am Freitag ebenfalls „mit Schaum vorm Mund“ auflaufen müsse. „Ich erwarte von unseren Jungs, dass sie heiß sind auf diese Partie“, sagt Viktor Skripnik.

Dass die Sportliche Leitung mahnt und relativiert und nicht so tut, als ob wegen der jüngeren Vergangenheit Gladbach schon so gut wie besiegt ist, ist für sie nicht mehr als eine Art Dienstpflicht. Zudem dürfen zwar Bremer Fans angesichts der feinen Bremer Siege gegen die Borussen die tatsächlichen Kräfteverhältnisse in der Liga gerne ausblenden – Trainer und Manager dürfen das nicht.

"Müssen Punkte holen und nachliefern"

Gladbach ist weiterhin eine modern spielende Mannschaft, die zuletzt gegen Dortmund und Mainz halt ihre Chancen ausließ. Nicht mehr, nicht weniger. Werder ist eine Mannschaft, die zuletzt gegen Schalke ihre Chancen nutzte, aber auch mächtig Glück hatte, und die gegen Hertha am Rand der Niederlage stand.

Nicht weniger, aber auch nicht mehr. „Wir können zufrieden sein, wir können aber auch unzufrieden sein“, sagte Skripnik. Die vier Punkte – und vor allem, wie sie zustande gekommen waren – seien eine feine Sache. Aber Werder stünde dennoch auf einem Tabellenplatz, „auf dem wir nicht stehen wollen“. Eichin sagte, dass Werder „zweimal okay“ gespielt habe und dass das „in Ordnung“ gewesen sei. Mitkonkurrent Stuttgart habe aber seinerseits zweimal gewonnen.

„Das heißt, wir müssen Punkte holen und nachliefern“, sagte Thomas Eichin. So verheißungsvoll sich das dritte Saisonspiel gegen Borussia Mönchengladbach auch anhören mag: Relegationsplatz bleibt Relegationsplatz. Auf dem stehen die Bremer erst mal, bevor am Freitagabend der 20. Spieltag der Fußball-Bundesliga eingeläutet wird.

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