Langkamp im Leistungsnachweis

Kein Luxus, kein Problem

Mit 31 Jahren hat Sebastian Langkamp Milos Veljkovic aus Werders Startelf verdrängt. Gegen seinen Ex-Klub Hertha wurden die Gründe dafür deutlich. Einige Fragezeichen bleiben dennoch.
17.02.2019, 12:27
Lesedauer: 4 Min
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Von Cedric Voigt

Was der Mannschaft auf dem Platz noch gefehlt hatte, bewies Sebastian Langkamp kurz nach Abpfiff im Mediengespräch: Mit Lockerheit und Präzision ließ Werders neuer Stamm-Innenverteidiger, der mit 31 Jahren seinen acht Jahre jüngeren Konkurrenten Milos Veljkovic zuletzt überholen konnte, die Partie gegen die Hertha Revue passieren.

„Ich bin fast in die falsche Kabine gegangen“, flachste der Rechtsfuß nach der Begegnung mit seinem Ex-Klub, nach dem späten, emotionalen Ausgleich durch Claudio Pizarro in sichtlich gelöster Stimmung. Aber Langkamp wurde auch fachlich, merkte etwa an, dass die Berliner durchaus Räume angeboten hätten, Werder sich ob der aggressiven Gangart und der zahlreichen Mannorientierungen über den ganzen Platz nicht ganz getraut hätte, diese zu bespielen – oder die falschen Momente gewählt hätte: „Ich hatte das Gefühl, dass das Timing in der Ballzirkulation heute nicht gut war.“

Auch Langkamp selbst war durchaus an diesem Missstand beteiligt: Der Abwehr-Routinier gehörte zu den insgesamt sieben Werder-Profis, die über 50 Pässe spielten. Auf Seiten der Berliner war Spielmacher Ondrej Duda derjenige, der mit 45 Zuspielen diese Statistik anführte – zehn weniger als Langkamp. Werder hatte viel Ballbesitz, aber kaum Raumgewinn – und auch das nahm seinen Anfang bereits in der Innenverteidigung.

Dabei hat sich auch durch den Austausch des rechten zentralen Abwehrmannes das Gleichgewicht im Bremer Spielaufbau nicht verschoben: Noch immer ist es Niklas Moisander, der die größere Last im Spielaufbau trägt. Der Finne spielte 22 Pässe mehr als Langkamp, in der gegnerischen Hälfte waren es gar doppelt so viele (34 zu 17). Auch die Erfolgsquote liest sich bei Moisander sehr gut (90,9 Prozent), bei Langkamp hingegen „nur“ gut (81,8 Prozent).

Eine leichte Partie war es trotz des üblichen Freilaufens etwa von Max Kruse als möglicher Anspielstation für keinen der beiden zentralen Verteidiger: Hohe Bälle in die Spitze wären mangels eines Zielspielers schnell beim Gegner gelandet. Zu Beginn der Partie ließ auch die lange Leine von Referee Sören Storks eine harte Gangart der Berliner zu – die Bremer Mittelfeldspieler mussten damit rechnen, schon während der Ballannahme gefoult zu werden. Entsprechend hektisch gerät die Partie, während sie in der Schlussphase fast einschlief: Dann nämlich zogen sich die in Führung liegenden Hausherren mit einer Fünfer- später sogar einer Sechserkette an den eigenen Strafraum zurück.

Ein Lösungsansatz wäre ein mutigeres Andribbeln ins Mittelfeld gewesen, um Zuordnungsprobleme und in der Folge Überzahlsituationen zu schaffen. Davon war jedoch lange Zeit wenig zu sehen. Erst in den letzten Minuten ging auch Langkamp mehr Risiko, zeigte teils Läufe tief in die gegnerische Hälfte hinein. Und auch die Idee, vielleicht gerade in der Anfangsphase mit Diagonalbällen die Räume hinter den Berliner Außenverteidigern Maximilian Mittelstädt oder Valentino Lazaro zu forcieren, gehörte nicht zum Matchplan der Bremer.

Ein Offenbarungseid war Langkamps Spiel mit dem Ball sicher nicht, aber trotz seiner Fortschritte gerade im vertikalen Passspiel fehlen dem Defensivmann noch immer ein paar Varianten im Repertoire. Und auch im Abwehrverhalten zeigte sich, dass Langkamp zwar ein grundsolider Spieler ist – einer, der in der 59. Minute mit einer herausragenden Grätsche gegen Duda gar das 0:2 verhindern konnte – aber eben auch niemand, der sich davon freisprechen kann, Situationen falsch einzuschätzen.

Vor dem 0:1 in der 25. etwa rückte zunächst Philipp Bargfrede, der die Abwehr als eine Art Libero unterstützen sollte, aus der Kette. Der Ballgewinn im Zweikampf blieb aus, aber während Moisander die Tiefe sichern wollte, rückte Langkamp nach vorne und verlor Salomon Kalou in seinem Rücken aus den Augen. „An der Mittellinie auf Abseits zu spielen, war ein bisschen suboptimal“, räumte der Verteidiger später ein. „Jeder hatte das Gefühl, dass jemand da ist zur Absicherung, aber es war niemand mehr da.“ Auch 42,9 Prozent gewonnener Zweikämpfe versöhnen nur bedingt mit einem defensiv bestenfalls durchschnittlichen Auftritt.

Was passiert im Sommer?

Bange sein muss den Werder-Fans aufgrund des Startspielers Langkamp sicher nicht. Etwa gegen Kalou hatte der Routinier weitere gute Defensivaktionen, auch die taktische Gelbe Karte nach einem Foul an Davie Selke taugt nicht zum Ausschlusskriterium. Ein Problem auf der rechten Innenverteidiger-Position hat Werder nicht – aber eben auch nicht das Luxusproblem, das gerne zitiert wird, sobald sich zwei solide Spieler um einen Stammplatz balgen.

Für den Bremer Status Quo, eine Platzierung im Mittelfeld ohne Abstiegssorgen, ist es eine komfortable Situation. Die Frage, ob man so allerdings auch den Ambitionen in Richtung Europa League gerecht wird, muss die Mannschaft im letzten Saisondrittel beantworten – genau wie Langkamp-Konkurrent Veljkovic eine Bewerbung um seine Zukunft in der Startelf abgeben sollte. Ansonsten könnte man bei Werder im Sommer auf die Idee kommen, einen spielstarken Innenverteidiger mit Perspektive dazuzunehmen – nicht zuletzt, um Moisander im Aufbau zu entlasten.

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