Friedls Fehler während der Entwicklung

Keine Zeit zum Reifen

Marco Friedls jüngste Auftritt bei Werder waren von einigen Fehlern geprägt, die Kritik war groß. Bei der österreichischen U21 glänzte er nun als Doppeltorschütze - in Bremen droht ihm dennoch die Ersatzbank.
17.11.2019, 10:06
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Keine Zeit zum Reifen
Von Malte Bürger
Keine Zeit zum Reifen

Marco Friedl erlebt bei Werder gerade eine ausgeprägte Schwächephase.

nordphoto

Florian Kohfeldt hatte da so ein Gefühl: „Die Reise zur Nationalmannschaft tut ihm gut“, hatte Werders Coach unter der Woche über Marco Friedl gesagt. Der junge Österreicher ging in Bremen zuletzt durch ein recht tiefes Tal. In den vergangenen Partien machte er nicht immer den allerbesten Eindruck, viele gegnerische Angriffe liefen über Friedls linke Abwehrseite, prompt leistete er sich einige böse Fehler. Da kam der Tapetenwechsel also genau zur rechten Zeit, zumal der Verteidiger den Abstecher zur U21 seines Heimatlandes optimal nutzte. Am Freitagabend bezwang er mit seinen Kollegen in der EM-Qualifikation nicht nur den Nachwuchs des Kosovo mit 4:0 (2:0), sondern erzielte dabei gleich noch zwei Treffer.

Und das war durchaus in mehrfacher Hinsicht erstaunlich. Wenige Stunden zuvor hatte es beispielsweise noch danach ausgesehen, als würde Friedl nur Zuschauer bleiben. „Er hat sich eigentlich verletzt gemeldet am Vormittag nach dem Aktivieren, weil er sich ein bisschen am Knie wehgetan hat“, berichtete Nationaltrainer Werner Gregoritsch später. „Er hat dann aber eindrucksvoll bewiesen, dass er der Mannschaft helfen will.“

Heftige Kritik in den Sozialen Medien

Exakt diese Absicht hatte er natürlich in den vergangenen Wochen auch in Bremen gehabt. Ludwig Augustinsson fehlte verletzt, Friedl sprang in die Bresche. Der Erfolg hielt sich in Grenzen, Höhepunkte wie das Tor gegen Dortmund wechselten sich allzu häufig mit Schwächen gegen Leverkusen, Freiburg oder Mönchengladbach ab. Die Journalisten beäugen die Leistungen des 21-Jährigen längst kritisch, in den Sozialen Medien ist der Ton gewohnheitsmäßig noch rauer. Einige Fans fordern noch recht harmlos eine kreative Pause, andere wählen ein deutlich rabiateres Vokabular, das mitunter deutlich über das Ziel hinausschießt und nicht nur jegliches fußballerisches Talent abspricht. Keine einfache Situation für einen jungen Spieler. Ein Spieler, der bei Werder eigentlich zur Alternative für die Zukunft reifen soll, dafür aber im Grunde keine Zeit hat. „Der Plan war, dass Marco mehr Spiele bekommt. Ich hätte ihn gerne wachsen sehen neben einem Niklas Moisander oder einem Ömer Toprak. Aber er musste gleich voll ran“, sagte Florian Kohfeldt. Friedl muss funktionieren - tut er das nicht, hagelt es so wie jetzt Kritik.

Glaubt man den Worten seines Trainers, dann blendet Marco Friedl die externen Debatten um seine Person bislang gut aus. Die eigene Schwächephase nimmt ihn aber trotzdem mit. „Natürlich beschäftigt ihn das“, sagte Kohfeldt. „Es geht dabei gar nicht so sehr um äußere Einflüsse, sondern eher um seine eigenen Erwartungen an sich.“ Friedl ist bekanntlich beim FC Bayern München ausgebildet worden, da gehört es quasi zur DNA, eine große Überzeugung vom eigenen Können zu haben. Nun prallt er in einer schwierigen Phase seines jetzigen Arbeitgebers auf die Widerstände des Bundesliga-Alltags. Wenn es gut läuft, geht Friedl daraus gestärkt hervor. Und darauf hoffen sie natürlich bei Werder.

Friedl droht die Bank

„Marco ist ein junger Spieler, der zum ersten Mal in der Situation ist, dass er Woche für Woche spielen muss“, sagte Kohfeldt, der teamintern logischerweise wesentlich sachlicher mit seinem Spieler umgeht. Allerdings verschont er ihn auch nicht. „Ganz sicher werde ich Marco nicht fallen lassen, aber wir gehen kritisch mit der Situation um“, sagte Werders Coach. „Wir wollen nicht unkritisch sein. Er hat eine Chance, gegen Schalke zu spielen. Aber das entscheiden wir am Freitag kommender Woche.“

Gut möglich also, dass Marco Friedl tatsächlich erst einmal auf die Bank muss. Ludwig Augustinsson ist zurück im Teamtraining und brennt auf sein Comeback. „Wir werden gucken, wie er die Belastung toleriert und schauen, wie die nächste Woche bei ihm aussieht“, sagte Kohfeldt über seine schwedische Optimallösung. „Wir haben sonst keinen im Kader, der die Linksverteidigerposition als Idealposition ansieht“, sagte er. „Aber das heißt nicht, dass ich das nicht anders lösen kann. Michael Lang hat mir gesagt: Wenn ich die Option sehe, dann spielt er auch auf der linken Seite.“

Marco Friedl wird versuchen, genau das zu verhindern. Die beiden Treffer bei der österreichischen U21 waren da ein gutes Empfehlungsschreiben. Und vor allem Balsam für die geschundene Seele.

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