Letzter Transfertag wird Bewegung bringen

Werder kassiert wichtige Millionen

Der nötige Spielerverkauf in Millionenhöhe ist ausverhandelt, Davy Klaassen bringt Werder durch die Rückkehr zu Ajax elf Millionen Euro ein. Am Montag, dem letzten Transfertag, wird es weitere Transfers geben.
04.10.2020, 20:07
Lesedauer: 3 Min
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Werder kassiert wichtige Millionen
Von Jean-Julien Beer

Als sich Davy Klaassen am Sonntagmittag am Weserstadion ins Auto setzte, um nach dem Regenerationstraining nach Hause zu fahren, wusste er noch nicht, dass dies seine letzte Abfahrt am Osterdeich werden würde. Fast zeitgleich trat sein Heimatverein Ajax Amsterdam, zu dem Klaassen so gerne zurückkehren möchte, in der niederländischen Liga beim FC Groningen an – weshalb weitere Verhandlungen zwischen Werder und Ajax zunächst einmal aufgeschoben werden mussten. Doch dann meinte es das Schicksal schlecht mit dem niederländischen Spitzenklub und gut mit Klaassen: Amsterdam verlor das Spiel in Groningen mit 0:1 und rutschte in der Tabelle ab, und damit war klar, dass Ajax den Bremer Vizekapitän noch dringender braucht.

Am späten Nachmittag gelang der Durchbruch bei den Gesprächen, und für Werder traf es sich dabei gut, dass man es mit Verhandlungspartnern zu tun hatte, die seit einigen Wochen sehr viele Millionen auf ihren Konten horten. Durch mehrere Spielerverkäufe in jeweils zweistelliger Millionenhöhe hatte sich Ajax zuletzt sehr viel Kapital verschafft, doch seither fehlte es dem Kader an hochwertigen Spielern. Werder-Manager Frank Baumann musste sich in dieser Position nicht groß bewegen, sondern konnte hart bleiben: Er wollte für Klaassen mehr als zehn Millionen Euro als feste Ablöse kassieren und hatte deshalb bereits zwei erste Offerten der Niederländer abgelehnt. Außerdem forderte er erfolgsabhängige Bonuszahlungen, je nachdem, wie Klaassen in Amsterdam einschlägt.

Beteiligung am Weiterverkauf

Das Endergebnis der Gespräche konnte sich sehen lassen und soll an diesem Montag offiziell unterschrieben werden: Ajax überweist nach Informationen des WESER-KURIER eine fixe Ablöse von elf Millionen Euro für Klaassen, die Bonuszahlungen können sich in den kommenden Jahren auf weitere drei Millionen Euro summieren. Zudem sicherte sich Werder eine Beteiligung am Weiterverkauf des Spielers, auch wenn Klaassen bereits 27 Jahre alt ist und nach jetzigem Stand keine größeren Karrieresprünge mehr zu erwarten sind; aber man weiß im Fußball ja nie, was passiert.

Zwar hatte Werder für Klaassen vor zwei Jahren noch umgerechnet mehr als 13 Millionen Euro an den FC Everton zahlen müssen, doch in Zeiten der Corona-Pandemie mit ihren völlig veränderten Transfersummen ist das nun geschnürte Paket respektabel, zumal Werder einen absoluten Großverdiener von der Gehaltsliste streichen kann. „Es wird auf einen Wechsel hinauslaufen“, bestätigte Baumann am frühen Sonntagabend, „die letzten Details und Formalitäten müssen noch geklärt werden.“

Bewegung auch bei Rashica

Damit ist der erste große Millionenverkauf durch, der Werders heikle finanzielle Situation entspannen soll. Ein zweiter Verkauf, sogar mit einer noch größeren Transfersumme, soll bis zum Ende der Transferperiode am Montag um 18 Uhr folgen: Im Laufe des Sonntags verdichteten sich die Zeichen, dass Milot Rashica doch noch einen neuen Verein finden wird. In der Branche hieß es am Wochenende, dass RB Leipzig seine Verbindungen zu Rashica warm hält für den Fall, dass den Rasenballsportlern ein anderer Transfer noch misslingt. Auch Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg sollen am Sonntag kurzfristig die Konditionen einer Rashica-Verpflichtung abgeklopft haben. Vor allem aber machte der englische Klub Aston Villa seine Bereitschaft noch einmal deutlich, einen sofortigen Wechsel in die Premier League umsetzen zu wollen. Für Werder stand Rashica wegen Kniebeschwerden in dieser Saison noch keine Minute auf dem Feld, und Baumann war am Wochenende zuversichtlich, dass im Laufe des Montags ein für alle Seiten zufriedenstellendes Ergebnis erzielt werden kann.

Für Rashica würde Werder keinen Ersatz mehr verpflichten, für Klaassen soll aber noch ein günstigerer Mittelfeldspieler kommen. Das liegt daran, dass Werder im Angriff deutlich üppiger besetzt ist als in der Zentrale. Baumann muss am Montag also noch einmal seinem Ruf als „Deadline-Day-Frank“ gerecht werden, wie ihn Kohfeldt nach dem 1:0-Sieg gegen Bielefeld wertschätzend nannte. In den vergangenen Jahren waren Baumann am so genannten „Deadline-Day“, also dem letzten Tag der Transferperiode, stets überraschende Verpflichtungen gelungen.

Voller Akku am letzten Transfertag

Ob es vielleicht sogar noch weitere prominente Abgänge geben wird, konnte Baumann am Wochenende nicht ausschließen, glaubte es aber nicht. „Überraschungen sind halt meistens überraschend“, sagte er und musste selbst darüber lachen, „und für mich wäre das überraschend.“ Er könne auch mit der Erfahrung aus einigen Jahren als Manager nicht vorhersagen, wie so ein letzter Transfertag verlaufe: „Es war in den letzten Jahren komplett unterschiedlich. Ich weiß, dass ich viel telefonieren werde und man einen vollen Akku braucht.“ Es habe schon Tage gegeben, „an denen letztendlich noch viel passierte, aber trotzdem hat man acht Stunden gefühlt nur gewartet, bis Entscheidungen von Spielern, Vereinen oder Beratern gefallen waren.“ Manchmal seien auch plötzlich neue Optionen aufgetaucht, wie einst bei Nuri Sahin oder Ishak Belfodil.

Wirklich wichtig war in diesem Jahr aber ohnehin, durch Millionen-Einnahmen die finanzielle Situation zu verbessern, nachdem die Coronakrise Werder hart getroffen hat. Und das war bereits einen Tag vor Transferschluss gelungen. Es kann also nur noch mehr werden.

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