Entscheidung nach über neun Jahren Klasnic siegt gegen Ex-Werder-Ärzte

Ivan Klasnic hat Recht bekommen. Gegenüber dem WESER-KURIER lobt er das Urteil. Das Landgericht Bremen erkennt Behandlungsfehler der Ärzte als Ursache des Nierenversagens an.
31.03.2017, 09:49
Lesedauer: 4 Min
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Klasnic siegt gegen Ex-Werder-Ärzte
Von Nico Schnurr

Ivan Klasnic hat Recht bekommen. Gegenüber dem WESER-KURIER lobt er das Urteil. Das Landgericht Bremen erkennt Behandlungsfehler der Ärzte als Ursache des Nierenversagens an.

Klasnic wartet. Auf eine neue, dritte Spenderniere. Auf ein normales Leben, ein Leben, dessen Rhythmus nicht vom Surren einer Maschine diktiert wird, die dreimal pro Woche sein Blut wäscht. Klasnic kämpft gegen das Warten, seit vielen Jahren schon. Am Freitag hat er in diesem Kampf einen Sieg errungen. Nicht in der Klinik, sondern im Gerichtssaal, dem zweiten Ort des Wartens im Leben des früheren Werder-Stürmers.

Nach einer Saga von über neun Jahren hat das Landgericht Bremen am Freitag ein Urteil gesprochen im Prozess, den Klasnic gegen die ehemaligen Ärzte von Werder Bremen geführt hat. Der 37-Jährige wirft ihnen vor, für sein Leben als Wartender verantwortlich zu sein. Sie hätten seine Nierenerkrankung trotz regelmäßiger Untersuchungen nicht rechtzeitig erkannt beziehungsweise falsch behandelt. Das Landgericht hat Klasnics Klage nun in wesentlichen Punkten zugestimmt.

Die Kammer stellte „grobe Behandlungsfehler“ fest. Richter Clemens Bolay sprach in seinem Urteil von „Fehlern, bei denen objektiv nicht mehr nachvollziehbar ist, dass das einem Arzt passieren kann“. Die Ärzte hätten Klasnics auffällig hohe Nierenwerte erkennen und Jahre früher behandeln müssen. Aus Sicht der Kammer führten diese Fehler zum späteren Versagen von Klasnics Nieren.

100.000 Euro Schmerzensgeld

Den ehemaligen Werder-Mannschaftsarzt Götz Dimanski, die Internistin Manju Guha sowie die dazugehörigen Reha-Zentren hat das Landgericht deshalb verurteilt, ein Schmerzensgeld von 100.000 Euro sowie einen Schadensersatz zu zahlen, der auch künftige Folgekosten von Klasnics Leiden berücksichtigt. Auch einen Verdienstausfall für das Jahr 2007 gestand das Gericht Klasnic ein.

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Gegenüber dem WESER-KURIER lobte Klasnic die „deutliche Aussage des Gerichts“ und betonte: „Das tut gut, dass das Warten auf dieses Urteil jetzt endlich zu Ende ist.“ Er habe „immer gesagt, dass die Leute, die verantwortlich sind, am Ende des Tages am Pranger stehen werden“.

Natürlich sei er froh über das Urteil, wirklich erleichtert fühle er sich nach dem späten Sieg vor dem Bremer Landgericht nun aber trotzdem nicht. „Ich werde durch das Urteil ja nicht gesund, meine Situation bleibt ja die gleiche – am Ende des Tages liege ich an der Dialyse, nach wie vor“, sagte Klasnic.

Ex-Werder-Arzt ist enttäuscht

Gerade deshalb sei es nun an der Zeit, „dass die Ärzte, die Mist gebaut haben, sich endlich mal an die eigene Nase fassen“, schob der ehemalige Stürmer hinterher. Gemeint ist damit vor allem Werders früherer Mannschaftsarzt Götz Dimanski. Über ihn sagte Klasnic gegenüber dieser Zeitung am Freitag: „Doktor Dimanski hat immer gesagt, dass er sich nichts vorzuwerfen habe und nachts gut schlafen könne. Vielleicht kann er das jetzt ja nicht mehr.“

Das Urteil habe ihn „völlig überrascht und sehr enttäuscht“, erklärte Dimanski gegenüber dem WESER-KURIER. Der Ex-Werder-Arzt hatte argumentiert, als „Spezialist für den Bewegungsapperat“ nicht in der Verantwortung zu stehen. Stattdessen seien die Fehler aufseiten der Internisten zu suchen. „Ich bin nicht derjenige, der Nierenerkrankungen erkennt und behandelt“, betonte er auch nach der Urteilsverkündung noch einmal. Er behalte sich weitere rechtliche Schritte vor, sagte Dimanski. Sein ehemaliger Arbeitgeber Werder Bremen kommentierte das Urteil am Freitag nicht.

Prozess geht weiter

Ralph Meyer im Hagen, der Anwalt von Internistin Manju Guha, dagegen betonte, prüfen zu wollen, wie tragfähig die Begründung des Gerichts ist. Es gelte zu hinterfragen, inwieweit Klasnics Erkrankung auch unabhängig vom Handeln der Ärzte eingetreten wäre. Der Anwalt schloss nicht aus, vor das Oberlandesgericht zu ziehen und das Urteil anzufechten. Ohnehin ist der Prozess trotz des Urteils noch nicht beendet.

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„Über das Ob hat das Landgericht jetzt entschieden, in einer Fortsetzung des Verfahrens muss noch die Höhe des Schadensersatzes bestimmt werden“, erklärte Landgericht-Sprecher Thorsten Prange. Die Ärzte müssten nicht nur für mögliche Behandlungskosten, sondern auch für alle bislang eingetretenen und künftigen Schäden im Leben von Ivan Klasnic aufkommen.

„Jetzt ist ein Urteil gesprochen, das ist gut, aber ein Ende ist das leider noch nicht“, sagte Klasnic. Er wird weiter warten. Auf das endgültige Prozessende. Auf die neue Spenderniere, auf das Verstummen der Maschinen, die sein Blut reinigen. Es wird ein anderes Warten sein seit diesem Freitag. Eines, das zumindet etwas leichter fällt.

(Aktualisiert am 31.03.2017 um 22:48 Uhr)

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