Werders Rekordtransfer bahnt sich deutlich an

Klopp lockt Rashica!

In der größten Krise des Vereins nimmt ein neuer Bremer Rekordtransfers konkretere Formen an: der Verkauf von Milot Rashica. Eine Rolle spielt dabei Jürgen Klopp. Es gibt aber auch andere gute Optionen.
20.02.2020, 08:56
Lesedauer: 3 Min
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Von Jean-Julien Beer und Christoph Sonnenberg

An diesem Dienstagabend steht für Milot Rashica ein Pflichttermin an. Nicht bei Werder Bremen, sondern vor dem Fernseher, um Champions League zu schauen. Während viele seiner Mitspieler vor allem das prickelnde Duell zwischen Werders nächstem Gegner Borussia Dortmund und den von Ex-BVB-Trainer Thomas Tuchel trainierten Pariser Stars schauen werden, dürfte Rashicas Interesse eher dem parallelen Spiel gelten: Atletico Madrid gegen den FC Liverpool.

Es ist nämlich durchaus möglich, dass er selbst ab der kommenden Saison das Liverpooler Trikot trägt. Nach Informationen des WESER-KURIER gehört der von Jürgen Klopp trainierte Spitzenreiter der englischen Premier League nicht nur zu den Vereinen, die sich in diesen Wochen um den Bremer Angreifer bemühen – die Gespräche zwischen den Parteien sollen sogar bereits konkreter gewesen sein, als dies bei anderen interessierten Klubs der Fall ist.

Konsequente Karriereplanung

Wie berichtet, kann Werders derzeit mit sieben Bundesligatreffern und drei Vorlagen bester Angreifer den Verein im Sommer dank einer Ausstiegsklausel verlassen. Diese Vereinbarung in seinem Bremer Vertrag macht Rashica vor allem für englische Klubs interessant, weil die fixierte Ablöse demnach bei rund 38 Millionen Euro liegt, was für die reichen Spitzenklubs der Premier League fast schon ein Schnäppchen wäre. Dieser Betrag würde aber nicht komplett bei Werder landen, weil sowohl sein Ex-Klub Vitesse Arnheim, als auch Rashicas Berater und der Spieler partizipieren würden, wie es heißt. Auf diese Vereinbarungen musste sich Werder einlassen, um den Stürmer im Januar 2018 für die relativ geringe Ablöse von sieben Millionen Euro verpflichten zu können; in den Niederlanden hatte sich Rashica damals mit 15 Toren und 24 Vorlagen in 100 Spielen bereits einen Namen gemacht und war zum Nationalspieler des Kosovo aufgestiegen.

Werder Bremen in diesem Sommer zu verlassen, wäre der nächste Schritt in einer sehr konsequent betriebenen Karriereplanung. Nach der Zeit in Arnheim hatte sich die Spielerseite bewusst den SV Werder als nächsten Verein ausgesucht, damit sich der schnelle Angreifer im Bremer Offensivspiel bestmöglich entwickeln kann. Nach anfänglichen taktischen Schwierigkeiten gelang ihm das eindrucksvoll. Dank einer steilen Lernkurve kann der 23-Jährige inzwischen auf 23 Tore und zehn Vorlagen in 61 Pflichtspielen für Werder verweisen. Man kann ihn im doppelten Sinne als Bremer Lebensversicherung bezeichnen. Seine Qualitäten sind Werders größte Hoffnung im Abstiegskampf; und selbst bei einem Abstieg würde sein Verkauf einen erheblichen Teil des wirtschaftlichen Defizits an der Weser ausgleichen. Wobei es jedoch Gerüchte gibt, das im Abstiegsfall eine andere Klausel in seinem Vertrag greifen könnte, mit einer festen Ablöse von dann nur noch etwa 20 Millionen Euro. Das wäre für Werder eine bittere Pille, aber immer noch dringend benötigtes Kapital.

Southampton als Zwischenschritt?

Ob es tatsächlich der FC Liverpool sein wird, der in diesem Sommer Geld nach Bremen überweist, ist noch keineswegs sicher. Zwar sind die Drähte ohnehin kurz, weil Klopp und Werder-Trainer Florian Kohfeldt denselben Berater haben und sich Werder erst im vergangenen Sommer um Liverpools Mittelfeldspieler Marko Grujic bemühte. Aber auch wenn Klopp einen Spieler wie Rashica in persönlichen Gesprächen geradezu elektrisieren kann, müsste die Spielerseite rein rational noch einmal überlegen, ob ein Wechsel zum derzeit besten Verein Europas und zum designierten Englischen Meister nicht vielleicht doch ein zu großer nächster Schritt wäre.

Als Zwischenlösung bietet sich der ebenfalls sehr finanzkräftige FC Southampton an, der sein Interesse bereits schriftlich hinterlegt hat. Der Verein wird vom früheren Bundesligastürmer und vormaligen Leipziger Trainer Ralph Hasenhüttl gecoacht und lockt Rashica ebenfalls in die lukrative Premier League. Wie Klopp steht auch Hasenhüttl für schnellen Umschaltfußball, der wie gemacht ist für einen Spieler wie Rashica. Da wundert es nicht, dass auch Hasenhüttls vorheriger Verein RB Leipzig an einer Verpflichtung des Bremer Torjägers interessiert ist. Auch Leipzig liegt offenbar recht gut im Rennen und könnte Rashica somit den Bundesligafans erhalten. Weitere Spitzenklubs sollen zumindest die Rahmenbedingungen erfragt haben, ein grundsätzliches Interesse wird auch dem italienischen Traditionsverein AS Rom nachgesagt, der im Kosovo sehr beliebt ist.

Bisher liegt Diego vorne

Dass Rashica noch einer weitere Saison in Bremen bleibt, darf angesichts seiner Entwicklung und wegen der finanzstarken Interessenten als ausgeschlossen gelten. Für Werder bietet sich dadurch die lang ersehnte und wirtschaftlich notwendige Chance, im Optimalfall einen neuen Rekordverkauf zu tätigen. Bisher hält der frühere Spielmacher Diego diese Bestmarke. Der Brasilianer war 2009 für rund 27 Millionen von Werder zu Juventus Turin gewechselt.

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