Zurückgeblättert: 13. Februar 1984 „Kölner erwägen Protest gegen Rehhagel“

Seit 1963 spielt Werder in der Bundesliga, mehr als fünf Jahrzehnte, in denen sich im Fußball, bei Werder und in der Berichterstattung viel verändert hat. Mein Werder zeigt die Originaltexte und Zeitungsseiten.
11.02.2019, 10:05
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Von (mw)

Am 13. Februar 1984 schrieb der WESER-KURIER:

Werders Anhänger kennen es schon: Wenn mehrere Erfolge die Mannschaft in Richtung Tabellenspitze befördern, treten die Verantwortlichen flugs auf die Bremse des Meisterschaftszuges. „Stuttgart ist klar die Nummer eins, auch der Hamburger SV ist deutlich stärker als wir. Und der FC Bayern spielt eine hervorragende Rolle„, analysierte Otto Rehhagel die Situation an der Spitze nach dem 4:1 in Köln. Und Werders überragender Mann im Müngersdorfer Stadion, Norbert Meier, kam mit den Worten aus der Kabine: „Nun jubelt uns nur nicht so hoch, es sind noch 13 Spiele!“

Das stimmt in der Tat. Keine der führenden Mannschaften braucht von einem
„Einbruch" verschont zu bleiben, wie er jetzt die Düsseldorfer ereilte. Doch dagegen spricht im Fall Werder: Die Bremer spielen seit Monaten ohne Schwächeperiode, sind ausgeglichen besetzt. In Köln beispielsweise fehlte Uwe Reinders. Frank Neubarth schlüpfte so problemlos — wenngleich mit anderer Spielanlage — in
die Rolle, daß die Rückkehr von Reinders nicht automatisch zu erfolgen braucht. „Ich glaube, ich habe jetzt den Anschluß geschafft. Ich fühle mich auch körperlich reif für die Bundesliga", verriet der 21jährige, dem man in seinem ersten Bundesligajahr noch mehrfach mangelnde Athletik und Kondition nachgesagt hatte. Schade für ihn, daß er wieder aus dem Olympiaaufgebot flog. DFB-Trainer Erich Ribbeck auf der Tribüne des Kölner Stadions jedenfalls sah einen gut disponierten Neubarth.

Oder Norbert Siegmann, dem Rehhagel den Vorzug gegenüber Thomas Schaaf gegeben hatte. „Zico hat seine Sache hervorragend gemacht", lobte Meier den im Kameradenkreis „Zico" gerufenen Siegmann, der nach viermonatiger Pause nichts von seiner Zweikampfstärke eingebüßt hatte und sogar in der Offensive gute Ansätze zeigte. Auch die Bremer werden sich aller Voraussicht nach demnächst davon überzeugen können, denn der 30jährige verriet voller Freude über das gelungene Comeback mittelfristige Pläne seines Trainers: „Er hat mir gesagt, daß ich auch im Pokalspiel gegen Stuttgart dabei bin!" Eine verständliche Entscheidung Rehhagels angesichts der athletischen VfB-Sturmspitzen Reicherdt und Corneiiusson.

Werders Trainer zog sich in Köln Im übrigen den Zorn der Verantwortlichen zu, Präsident Weiand erwägt sogar einen Protest beim DFB. „Rehhagel hat die gelbe Karte für Littbarski provoziert, dafür hätte er selbst die rote Karte bekommen müssen", schimpfte der FC-Vorsitzende. Was war passiert? Nach einem Foul von Littbarski an Gruber war Werders Trainer empört aufgesprungen und protestierend an den Spielfeldrand gerannt. Schiedsrichter Schmidhuber zog die Karte, ohne daß allerdings ein direkter Zusammenhang zwischen
Rehhagels Gesten und der Verwarnung zu erkennen war.

In den 70 Minuten zuvor hatte der junge Unparteiische zudem erkennen lassen, daß er sich nicht beeinflussen läßt: Auch die ständigen Beschimpfungen der Kölner Fans nach dem Platzverweis für Engels brachten ihn nicht von seiner Linie ab. Bezeichnend übrigens, daß FC-Trainer Löhr selbst eine halbe Stunde nach Spielschluß angeblich noch nicht den Grund der roten Karte wußte: „Ich hatte bisher keine Gelegenheit, mit Engels zu sprechen.„ Dafür wußten die Bremer genau Bescheid: „Er hat das Schimpfwort sogar wiederholt, als der Schiedsrichter nachfragte“, berichteten sie.

Das hochauflösende PDF der Original-Zeitungsseite gibt es hier (bei iOS den Link länger gedrückt halten).

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