Mit Slapstick zum Negativrekord

Kohfeldt nach Pleite in Dortmund: „So geht das nicht“

"Pleiten, Pech und Pannen“ war mal eine äußerst beliebte Fernseh-Sendung in der ARD und hat Moderator Max Schautzer berühmt gemacht. Nun ist der SV Werder auf dem besten Weg, für eine Neuauflage zu sorgen.
19.04.2021, 07:16
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Von Björn Knips
Kohfeldt nach Pleite in Dortmund: „So geht das nicht“

Joshua Sargent zeigte sich nach Spielende enttäuscht.

Uwe Kraft

Nach zwei Eigentoren in den vergangenen Wochen wurde es nun beim Auswärtsspiel in Dortmund noch verrückter. Und Trainer Florian Kohfeldt war nach der 1:4 (1:3)-Pleite wenig begeistert, diesen Slapstick-Anfall seiner Mannschaft moderieren zu müssen: „So geht das nicht!“ Denn mit der fünften Niederlage in Folge hat Werder nicht nur einen Negativ-Vereinsrekord eingestellt, sondern sich im Abstiegskampf gehörig unter Zugzwang gebracht. Das Heimspiel gegen Mainz am Mittwoch wird da fast schon zu einem Schicksalsspiel.

„Ich erwarte jetzt, dass wir alle keine Ausreden suchen. Wir sind noch immer in einer guten Situation, was den Klassenerhalt angeht, aber am Mittwoch zählt's! Mittwoch können wir nicht erzählen, dass wir gegen eine Topmannschaft spielen. Mittwoch müssen wir alles tun, damit wir Mainz 05 hinter uns lassen“, forderte Kohfeldt. Der Vorsprung auf den Relegationsplatz beträgt zwar weiterhin vier Punkte, aber Hertha BSC hat wegen der Corona-Quarantäne ein Spiel weniger absolviert.

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Die letzten Wochen der Saison können also noch richtig ungemütlich werden für die Bremer. Vor allem, wenn das Team so auftritt wie in Dortmund. „Wir haben den Kopf verloren“, schimpfte Kohfeldt und stellte frustriert fest: „Wir haben 75 Minuten lang ordentlich Fußball gespielt, sind aber trotzdem sehr sauer und unzufrieden, weil wir in 16 Minuten alles weg geschenkt haben.“ Das darf sich eine Bundesligamannschaft nicht erlauben.

Dabei hatte es so gut begonnen. Kohfeldts Rotation mit gleich sechs Wechseln in der Startelf im Vergleich zum Leipzig-Spiel zahlte sich aus. Der Coach hatte die jungen Wilden wie Manuel Mbom, Eren Dinkci, Felix Agu und auch Josh Sargent auf die Bank gesetzt und dafür auf erfahrene Kräfte wie zum Beispiel Yuya Osako und Leonardo Bittencourt gesetzt. Letzterer war zuletzt gar nicht mehr berücksichtigt worden. Seine Reaktion auf dem Platz war giftig und unangenehm für den Gegner. So hatte sich das Kohfeldt gewünscht. Er ließ zwar mit einer Fünferkette, in der Christian Groß den verletzten Ömer Toprak als Chef ersetzte, und einem Dreier-Mittelfeld davor sehr tief verteidigen, aber bei Ballgewinn hatte der Coach Attacke befohlen. Schon in der 14. Minute ging dieser Plan auf. Maximilian Eggestein schickte Milot Rashica auf die Reise, der wie in seinen besten Zeiten erst Mats Hummels stehen ließ und dann mit einem Rechtsschuss in die lange Ecke zum 1:0 vollstreckte.

„Ein Traumtor“

Es hätte noch besser kommen können, als Eggestein, Osako und Rashica in einem Drei-zu-eins auf BVB-Abwehrmann Manuel Akanji zuliefen, sich aber nicht auf die geeignete Strategie einigen konnten. Das sollte sich bitterböse rächen.

Giovanni Reyna gelang mit einem unhaltbaren Gewaltschuss der Ausgleich (29.). „Ein Traumtor“, befand Kohfeldt, monierte aber zugleich: „Da öffnen wir einen Raum, den wir nicht öffnen dürfen. Das war vorher klar besprochen.“

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Wen genau der Coach meinte, ließ er offen – anders als beim zweiten Gegentor. Kevin Möhwald hatte Marco Reus im Strafraum ziemlich ungeschickt zu Fall gebracht, Erling Haaland den fälligen Strafstoß zum 2:1 verwandelt (34.). „Den Elfmeter darfst du niemals so kassieren“, ereiferte sich Kohfeldt und bezeichnete diesen wie auch den nächsten Treffer als „Slapstick-Tore“. Wobei Nummer zwei bei „Pleiten, Pech und Pannen“ gewiss für mehr Lacher gesorgt hätte. Denn es war kaum zu glauben, dass Reynas Hereingabe von Groß so unglücklich abgefälscht wurde, dass Möhwald den Ball sogar noch unglücklicher an den Fuß bekam, sodass Haaland zum 3:1 ins leere Tor schießen konnte (38.). „Wir haben uns in kürzester Zeit die Tore so ein bisschen selber reingehauen“, seufzte Friedl, der allerdings den dritten Gegentreffer mit einem bösen Fehlpass eingeleitet hatte. Teamkollege Niklas Moisander konnte anschließend Vorlagengeber Reyna nicht stoppen. Und so war es eben nicht nur Pech, dass Werder zurücklag, sondern auch eine Frage der Qualität.
Immerhin brach Werder nicht komplett ein. Im Gegenteil: Nach einer Stunde gab Kohfeldt mit der Hereinnahme von Josh Sargent und Davie Selke das Signal, mehr Risiko zu gehen. Und siehe da, es gab auch Chancen. Eggesteins Schuss klatschte an den Pfosten (63.), und Sargent hatte in der 73. Minute gleich zweimal den Anschlusstreffer auf dem Fuß. Ihm fehlte im Abschluss einfach die Klasse, ähnlich erging es wenig später Selke (79.).

Bald ein Ende der Erstklassigkeit?

Traurig, aber wahr: Hinten klappte es mit dem Toreschießen besser. Theodor Gebre Selassie beförderte einen Hummels-Kopfball unglücklich über die Linie (87.). Anders als seinen Kollegen Sargent (gegen Wolfsburg) und Ludwig Augustinsson (gegen Stuttgart) blieb dem Tschechen die Schmach als Eigentorschütze aber offiziell erspart. Warum auch immer. Die Bezeichnung „Slapstick-Tor“ von Kohfeldt dagegen nicht. „Das müssen wir dringend abstellen“, forderte der Trainer ein schnelles Ende dieser „Pleiten, Pech und Pannen“. Ansonsten könnte es mit der Erstklassigkeit bald vorbei sein.

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