Viel Aufregung um Frankfurter Handelfmeter Kohfeldt verärgert über Eingriff des Videoassistenten

Der Handelfmeter für die Eintracht leitete Werders Niederlage in Frankfurt ein. Dass das Vergehen kaum zu sehen war und nur durch den Videoassistenten aufgedeckt wurde, sorgte bei den Bremern für Ärger.
05.03.2020, 12:15
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Kohfeldt verärgert über Eingriff des Videoassistenten
Von Christoph Bähr

Der Abpfiff lag gerade erst wenige Minuten zurück. Ludwig Augustinsson war noch sichtlich angespannt und abgekämpft, aber trotzdem schon in der Lage, die wichtigste Szene aus Werders Pokalspiel in Frankfurt nüchtern zu analysieren. Der Bremer Linksverteidiger hatte in der Nachspielzeit der ersten Hälfte einen Handelfmeter verursacht, der zur 1:0-Führung der Eintracht führte. Er sagte dazu: „Ich sehe den Ball kommen und versuche, etwas Körperkontakt mit Timothy Chandler herzustellen. Deswegen ist mein Arm da oben. Natürlich halte ich meine Hand etwas zu hoch, und der Ball berührt dann meine Hand.“

Kurzzeitig hatte Augustinsson gehofft, dass niemand diese kurze Berührung gesehen hatte und das Spiel einfach weiterlaufen würde. Es gab keinerlei Proteste, weil niemand im Stadion es gesehen hatte, doch da ist eben noch der Video-Assistent. Christian Dingert gab Schiedsrichter Felix Zwayer einen Hinweis, der sich die Szene daraufhin noch einmal am Bildschirm anschaute und auf Elfmeter entschied. „Klar ist das enttäuschend, wenn drei, vier Minuten später doch noch Elfmeter gegeben wird. Aber die Regel ist eben so. Meine Hand war zu weit oben. Letztlich kann man den Elfmeter geben“, sagte Augustinsson nüchtern.

Keiner hat etwas gesehen

Deutlich emotionaler als der kühle Schwede sprach Florian Kohfeldt über die Szene, die Werders 0:2-Niederlage einleitete. Der Trainer hatte sich in der Halbzeitpause auf dem Weg in die Kabine bereits derart vehement bei Zwayer beschwert, dass dieser ihm die Gelbe Karte zeigte. „Keiner der Zuschauer oder der Spieler hat irgendwas gesehen. Dann beginnt die forensische Suche. Der Videoassistent soll nur bei klaren Fehlentscheidungen eingreifen. Mehr kann ich dazu nicht sagen“, erklärte Kohfeldt. Tatsächlich ist festgelegt, dass der Videobeweis nur bei „einer klaren und offensichtlichen Fehlentscheidung des Schiedsrichters“ zum Einsatz kommen darf, doch wo beginnt diese Kategorie?

Werders Coach jedenfalls sah sich noch einmal darin bestätigt, dass er den Videobeweis schon lange kritisch betrachtet. „Ich äußere mich immer differenziert dazu, egal ob wir bevorteilt oder benachteiligt werden. Das ist mir wichtig“, betonte Kohfeldt. Am Mittwochabend wurden die Bremer aus seiner Sicht benachteiligt: „Ich bin ein großer Fan davon, dass der Schiedsrichter auf dem Platz entscheidet. Eine klare Fehlentscheidung habe ich nicht gesehen. Erst in der achten Wiederholung erkennt man, dass Ludde den Ball mit der Hand berührt.“

Sportchef Frank Baumann äußerte sich genauso: „Der Ball geht gegen die Hand, aber Ludde wollte ihn nicht mit der Hand spielen, sondern zwei Gegenspieler weghalten. Das war eine sehr unglückliche Szene. Ich sehe das ein Stück weit durch die Werder-Brille, aber aus meiner Sicht war es keine klare Fehlentscheidung.“ Selbst Frankfurts Trainer Adi Hütter sprach von „einem glücklichen Elfmeter“ für sein Team.

Zwayer spricht von Unsportlichkeit

Zwayer beschrieb das Geschehen in der Nachspielzeit der ersten Hälfte beim Interview mit dem TV-Sender Sky wie folgt: „Ich hatte zu dem Vorgang keine Wahrnehmung. Dann wurde das Spiel wegen eines Fouls unterbrochen. Ich bekam relativ schnell ein Signal aus Köln. Mir wurde empfohlen, sich die Bilder nochmal am Monitor anzusehen. Dann habe ich auf Strafstoß entschieden.“ Zudem erläuterte der Unparteiische die Gelbe Karte gegen Kohfeldt, mit dem er übrigens in der Vergangenheit schon bei zwei Bundesliga-Spielen kontroverse Diskussionen geführt hatte: „Er hat sich einfach unsportlich reklamierend verhalten. Es ist nicht zielführend, einem Schiedsrichter auf dem Weg in die Kabine unsportlich zu begegnen.“ Kohfeldt wollte seine Verwarnung derweil nicht näher und kommentieren und sagte nur mit bitterer Stimme: „Er ist der Chef, er entscheidet.“

Bei allem Ärger über den Elfmeter waren sich bei Werder aber alle einig, dass dieser nicht allein spielentscheidend war. „Nach einem 0:1 kann man immer noch zurückkommen. Wir haben daran geglaubt, dass wir noch zwei Tore schießen können in der zweiten Halbzeit. Das 0:2 hat dann das Spiel entschieden“, sagte Augustinsson. Kohfeldt betonte, dass die Mannschaft all die Aufregung um den Strafstoß gut verkraftet habe. „Wir haben in der Halbzeit gesagt: Das darf uns nicht ablenken, wir müssen weitermachen“, schilderte der Coach. „Und es gab im Spiel auch noch mehr Knackpunkte als nur den Elfmeter.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+